Schauspieler Timo Jacobs : Wilsteraner bald Matula-Nachfolger?

 Freuen sich über die Schauspielerkarriere: Helmut Jacobs und Sohn Timo. Foto: Schwarck
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Freuen sich über die Schauspielerkarriere: Helmut Jacobs und Sohn Timo. Foto: Schwarck

Timo Jacobs (38) in engerer Auswahl für die Hauptrolle in der Krimi-Serie "Ein Fall für zwei"

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31. Oktober 2012, 07:31 Uhr

Wilster | Schon sein Vater Helmut Jacobs stand als Schüler eines Niebüller Internats in dem Brückner-Klassiker "Leonce und Lena" in der Rolle des Königs auf der Bühne. Jetzt ist sein Sohn Timo mit demselben Stück im Schlosstheater Celle in der Rolle des Kammerdieners zu sehen. Das dreimonatige Engagement ist für den 38-Jährigen ein weiterer Schritt in seiner Schauspielerkarriere. Erst im September war er im Bremer TV-Tatort "Hochzeitsnacht" als DJ im Leopardenhemd zu erleben und schon im Vorspann mit seinem Namen aufgelistet. Unter der Regie von Klaus Lemke tauchte er jetzt in dem gerade abgedrehten Film "Berlin - Texas" über drei Kinovorführer erneut auf.

Erfolgreich war sein jüngstes Regiedebüt mit dem Film "Klappe Cowboy!", der bereits in den Kinos angelaufen ist. Der 82-Minuten-Streifen erntete auf Filmfestspielen von den USA bis Russland überwiegend positive Kritiken. "Das zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin", bestätigt Timo Jacobs. "Klappe Cowboy!" gehört am 2. November auch zum Programm der Nordischen Filmtage in Lübeck.

Für den "Cowboy"-Nachfolger sucht der Wilsteraner, der mehrere Jahre auf dem Hamburger Kiez gelebt und als Fahrradkurier und DJ gearbeitet hat, finanzielle Unterstützung. Die Konzeptidee ist eingereicht, die Entscheidung über Filmförderungsmittel fällt Mitte November. "Gucken wir mal, ich bin ein offener Typ", ist der 38-Jährige optimistisch.

Er hat übrigens noch ein weiteres heißes Eisen im Feuer. Für die TV-Erfolgsserie "Ein Fall für zwei" sucht das ZDF einen Nachfolger für den Matula-Darsteller Klaus-Theo Gärtner. Jacobs war zum Casting eingeladen und gehört jetzt zu einem Dreier-Gespann der engeren Auswahl. Wenn das klappen sollte, wäre das schon eine tolle Sache und eine feste Rolle für viele Jahre. "Da wäre ich auf der sicheren Seite", macht er sich durchaus Hoffnungen. Mit Matula stand er in einer demnächst im Programm stehenden Folge vor der Kamera, bevor Theo Gärtner nach der 300. Folge in seinen TV-Ruhestand tritt.

Seinen cineastischen Durchbruch schaffte Timo Jacobs, der seinen Wohnsitz vor fünf Jahren nach Berlin verlegt hat, mit dem St.-Pauli-Film "Gegengerade", in dem er einen Blankeneser "Villenschnösel" spielt. Vorangegangen waren mehrere Werbespots, unter anderem für die Telekom, die Lufthansa, Schokoriegel und Canon.

Zum Film kam er durch den Kultregisseur Klaus Lemke ("Rocker"), der 2003 Filmszenen in einem Kiez-Klub drehen wollte. Jacobs legte dort Platten auf. Als Lemke ihn bat, die Lautstärke zu drosseln, weigerte sich der Wilsteraner. Das aber in einer Art, die Lemke beeindruckte. Vier gemeinsame Filme waren die Folge: "Drei Minuten Heroes", die Hauptrolle in "Träum weiter, Julia", "Finale" und "Undercover Ibiza". Jacobs hatte Blut geleckt, belegte mehrere Schauspielkurse. Seine Beharrlichkeit trug Früchte. Er erhielt mehrere kleine Rollen, unter anderem in der monumentalen Terroristen-Biografie "Carlos - Der Schakal" (2010) und "Dreileben" (2011). Für den Streifen "Pete the Heat" (2009) wurde er mit dem Montblanc-Filmpreis ausgezeichnet, und im selben Jahr brachte ihm der Film "L’uomo che verra" den Großen Jurypreis beim Rom-Festival ein. Allein im Jahr 2010 hat er in sechs Filmen mitgewirkt, darunter in einem Film der Serie "Polizeiruf 110".

Aktuell stand Jacobs mit dem Deutsch-Rapper Sido für dessen Film "Blutzbrüder" vor der Kamera. Der Film erzählt Sidos Geschichte als lässige Komödie. Es geht um den Konflikt zwischen Sido und Bushido, um Differenzen, Verrat und Gier - alles mit einer frischen Prise Humor. Jacobs spielt die Rolle eines überengagierten Security-Typen, der die beiden Hauptakteure beim Autoknacken erwischt.

Das Bühnenstück in Celle ist übrigens nicht das erste Theatergastspiel für Timo Jacobs. Mit einem Tourneetheater in der Schweiz sammelte er in "König Oedipus" viele Bühnenerfahrungen.

Nach seiner Schulzeit hatte Timo Jacobs eine Ausbildung zum Lebensmitteltechniker begonnen, diese aber nicht zu Ende gebracht. Sein Umstieg in den Sattel des Fahrradkuriers entsprang seiner Leidenschaft als BMX-Sportler. Als Profi dieses Zweiradsports schaffte er es zu einer weltweiten Karriere mit Rennen in Australien, Kalifornien und Florida.

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