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Rücksichtslose Landwirte : Trecker lassen Wände wackeln

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Auch auf dem Land sorgen zu schnell fahrende landwirtschaftliche Maschinen für verärgerte Hausbesitzer

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 07:48 Uhr

Neuendorf-Sachsenbande | Familie Kielmann wohnt idyllisch an der Straße Averfleth in Neuendorf-Sachsenbande. Doch seit Erneuerung der Straße ist es mit der Ruhe vorbei, fürchtet die Familie um ihr Haus. Denn seitdem, so Regina Kielmann, "übertragen sich die Verkehrsbewegungen sehr auf unser Haus, so dass es zu Knacken im Gebälk und Rissen in der Front kommt". Und sensibilisiert durch diese Umstände, die sie eben auch finanziell treffen, schauen Kielmanns bei verkehrswidrigem Verhalten natürlich genauer hin.

Durch Größe und Gewicht falle zuerst der landwirtschaftliche Verkehr auf: "Trecker mit vollen Güllebehältern, das Gaspedal anscheinend bis zum Anschlag - obwohl in der nächsten Kurve eh’ wieder gebremst werden muss." Der angehängte Güllebehälter auf den großen Gummireifen sei dabei schon kräftig am Wippen - "und wir wippen samt Haus mit. Es ist schließlich Marschboden!". Und dabei gehe nicht zuletzt auch die gerade erneuerte Straße wieder kaputt.

Ein Beispiel sind die Muster, die auch in diesem Frühjahr wieder einzelne Landwirte mit ihren Walzen auf die Straße "gemalt" haben. Das sollte nachdenklich stimmen. "Wer wie wir mal beinahe vom Schreibtischstuhl gekippt ist, als eine Walze eilig vorbeirollte und dabei nicht nur die Wand wackelte, kommt da vielleicht eher ins Grübeln." Und: Der Gesetzgeber hat klare Vorgaben gemacht. Fahrzeuge müssen in straßenschonender Bauweise hergestellt und erhalten werden. "Auch für Walzen gelten Zulassungsvorschriften." Wer denn mal in seinen Papieren für seine Walze nachblättere, werde erstaunt sein: "Höchstgeschwindigkeit 8 km/h und eben nicht, was der Schlepper hergibt."

Der Neubau der K 17 sei für die Gemeinde ein Glücksfall gewesen - und werde sich aufgrund leerer Kassen nicht wiederholen. "Den benötigten Schlepper pflegt und achtet der Landwirt, dass er ihm lange gute Dienste leistet. Warum wird dann nicht auch die Straße gepflegt und geachtet?", fragt Regina Kielmann. Die Belastung, die ein Landwirt mit der Walzenfahrt erzeuge, sei enorm und deutlich höher als die jahrelange Nutzung mit Pkw. "Leider sind diese Schäden nicht sofort an der Oberfläche sichtbar, sonst könnte man den Fahrer ja auch sofort zur Kasse bitten." Erst später werde der Schaden im Unterbau zu einem sichtbaren Riss führen.

Selbst nach gut drei Wochen sei auf der K17 im Ortsteil Krützfleth immer noch deutlich das Muster durch eine umlaufende Schweißnaht auf der Walze zu erkennen. "Ich sehe so etwas als mutwillige Sachbeschädigung." Schließlich gibt es auch Walzen mit Straßenfahrwerk. Kielmann: "Es ist letztlich nicht der Grundgedanke, dass die Landwirtschaft mit Steuergeldern subventioniert wird, damit sie dann durch Unachtsamkeit die Infrastruktur und das private Wohneigentum schädigt." Jeder andere Wirtschaftsbetrieb müsste eine solche Walze auf einen Anhänger laden - "und würde von mir genauso gerügt werden, wenn er es nicht tut", betont sie und fügt hinzu: "Ich habe nichts gegen Landwirte, ich habe was gegen schlechtes Benehmen."

Näheres zur Problematik: www.averfleth.info

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