Anna Jordy : Streetworkerin verlässt Wilster

An der Seite von Jens Grimm war Anna Jordy zwei Jahre lang als Streetworkerin für das Amt Wilstermarsch tätig. Foto: Bertschies
An der Seite von Jens Grimm war Anna Jordy zwei Jahre lang als Streetworkerin für das Amt Wilstermarsch tätig. Foto: Bertschies

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19. März 2011, 08:36 Uhr

Wilster | "Sie hinterlässt eine klaffende Lücke", bedauert Thorsten Franck die Entscheidung von Streetworkerin Anna Jordy, Wilster zu verlassen. Nach zweijähriger Tätigkeit im Bereich der offenen Jugendarbeit legte sie ihr Amt nieder. Als aufgeschlossene, engagierte Mitarbeiterin erlebte der Ordnungsamtsleiter die Lehramtsstudentin.

"Es war ein absolut angenehmes und unproblematisches Miteinander", resümierte auch Rüdiger Mengel die Zusammenarbeit. Gemeinsam mit Anna Jordy war der Polizeikommissar unter anderen im Bereich der Präventionsarbeit an Schulen unterwegs. Während dieser Zeit lernte Mengel, nach eigener Aussage, vor allem den ehrlichen Gedankenaustausch mit der Streetworkerin zu schätzen. Dieser Erfahrung schloss sich auch Thomas Körn, Leiter der Polizei Zentralstation Wilster, an. Mit den Worten "unkompliziert, zielorientiert und überaus vertrauensvoll" beschrieb er die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes. Das Auswahlverfahren für die Nachfolge von Anna Jordy ist nach Aussage von Thorsten Franck in vollem Gange.

"Es wurde schon so einiges bewegt", zog die 30-jährige Anna Jordy Bilanz ihrer zweijährigen Tätigkeit an der Seite von Jens Grimm. Seit gerade einmal drei Jahren gibt es in Wilster und der Wilstermarsch die Streetworker. Im Bereich der offenen Jugendarbeit, in dem es vor allem um Vertrauen geht, das zu allen Seiten aufgebaut werden muss, ist diese Zeitspanne nicht besonders lang. "Streetworker sind keine Einzelkämpfer, sondern können nur in einem gut funktionierenden Netzwerk Problemfälle auffangen und wieder aufbauen", erklärte Jordy.

Bei der Errichtung solch eines Netzwerkes wurden Erfolge erzielt. Feste Ansprechpersonen und Anlaufstellen gibt es mittlerweile an Schulen, bei der Polizei und in den unterschiedlichsten Ämtern und Jugendeinrichtungen.

Auch in Bezug auf die gewalttätigen Übergriffe unter Jugendlichen, die im Rahmen von Discoveranstaltungen im Stadtgebiet geschahen, wurden Lösungen gefunden. Amt, Polizei, Discobetreiber und Streetworker haben gemeinsam ein Sicherheitskonzept entwickelt, das offenbar greift.

"Wir konnten unsere nächtlichen Discoeinsätze deutlich reduzieren, da sich die Situation durch die verschiedenen Maßnahmen sichtlich verbessert hat", erklärte Anna Jordy. Alle 14 Tage waren die Streetworker vor Ort, wenn die Jugendlichen im und um das Colosseum feierten. Beherzt griffen sie in Konfliktsituationen ein, kümmerten sich um alkoholisierte Personen oder waren einfach mit einem offenen Ohr für die Belange der Jugendlichen da. Diese stetige Präsenz war es schließlich auch, die Jens Grimm und Anna Jordy das Vertrauen vieler Jugendlichen ebenso wie vieler Eltern einbrachte. "Zu einigen Jugendlichen hat sich ein solches Vertrauensverhältnis aufgebaut, dass ich die Kontakte, auch wenn ich nicht mehr als Streetworkerin tätig bin, nicht einfach abbrechen lassen möchte."

Ihren Ausstieg aus der offenen Jugendarbeit erklärte Anna Jordy unter anderen mit ihrem Umzug von Neuendorf-Sachsenbande in die nordfriesische Ortschaft Oldenswort. Dort hat Anna Jordy eine neue berufliche Herausforderung gefunden. Gemeinsam mit ihrem Vater Alfred Jordy, der das Herrenhaus Hoyerswort erstanden hat, möchte sie in dem schlossähnlichen Bau aus dem 16. Jahrhundert neben einem Museum, einer Keramikmanufaktur und Ferienwohnanlage auch ein Café eröffnen. Bereits Pfingsten wollen Jordys die Gäste mit Kaffee und selbst gebackenen Kuchen empfangen, erzählte Anna Jordy, die sich freuen würde, dann auch ihr bekannte Gesichter aus der Wilstermarsch einmal begrüßen zu dürfen.

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