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Wilstersche Zeitung

21. September 2017 | 05:11 Uhr

Nahverkehr : Sammeltaxis für die Dörfer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Pastor Eckart Gruhlke vermisst die Anbindung des ländlichen Raumes an den öffentlichen Nahverkehr und stellt eine Idee vor: Taxen, die nach Bedarf über die Dörfer fahren.

von
erstellt am 25.Apr.2014 | 17:00 Uhr

Dörfer und öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) – das passt selten optimal zusammen. In der Strategiesitzung der Aktivregion Steinburg war in diesem Zusammenhang über kommunal betriebene Gemeindebusse nachgedacht worden. Eckart Gruhlke, Pastor in St. Margarethen, hält das für wenig aussichtsreich. Er erinnert an den aus wirtschaftliche Gründe wieder eingestellten Bus zwischen Brunsbüttel und Glückstadt. Eine Linie, die auch in den Nachbardörfern schmerzlich vermisst werde, sagt Gruhlke. Seine Idee für ein wirtschaftlicheres Konzept: Sammeltaxis.

„Die Anbindung vieler Dörfer ist mehr als ausbaufähig“, so der St. Margarethener. „Wir müssen etwas tun, um den ländlichen Raum attraktiv und lebenswert zu erhalten.“ Versuche, ÖPNV auf dem Lande zu installieren, habe es viele gegeben. Zuletzt eben die Buslinie zwischen Brunsbüttel und Glückstadt. Deren Akzeptanz in der Bevölkerung habe auch das Manko verdeutlicht: Mit nur wenigen Fahrgästen sei ein solches Angebot langfristig nicht wirtschaftlich. Seine Idee der Sammeltaxis dagegen kombiniert einen Einsatz nach Bedarf mit kleinen Fahrzeugen. Busse, weiß Gruhlke, würden oft zu viele freie Plätze aufweisen. Zudem bräuchten solche Linien ein gutes Maß an Subvention. Bei Taxen werde direkt abgerechnet.

Zur Umsetzung seiner Idee müssten sich zunächst Taxi-Unternehmen in Wilster, Itzehoe und Glückstadt zusammentun. Sie würden die Menschen aus den Dörfern bei Bedarf in die Städte bringen und wieder zurück. Mit den heutigen Buslinien sei dies nicht angemessen möglich. Deshalb seien Viele gezwungen, Nachbarn um einen Fahrdienst zum Arzt, zur Verwaltung oder schlicht zum Einkauf zu bitten, wenn die eigenen Kinder schon längst nicht mehr im Dorf leben. Auf Dauer keine angenehme Situation. Das habe er als Pastor auch in den St.Margarethener Nachbarorten oft erfahren.

„Sobald ein Bedarf an potenziellen Kunden ermittelt ist, findet die Fahrt statt“, umreißt Gruhlke seine Idee. Mindestens drei Fahrgäste müssten für eine Tour zusammenkommen und sich übers Internet anmelden. Hier kann sich der Pastor ein Mitwirken der Aktivregion vorstellen: Die müsste für den Anschub sorgen, etwa durch Finanzierung einer Smartphone-App. Über die würden die Fahrgäste mit den beteiligten Taxi-Unternehmen in Kontakt treten, die dann ihrerseits eine Tour zusammenstellen. So ließen sich die Lücken zwischen den wenigen regelmäßigen Fahrten der Linienbusse füllen, ist er überzeugt. Niemand sei dann gezwungen, am Zielort stundenlang auf den Bus nach Hause zu warten. Wenn es ihn denn gibt. Gruhlke nennt ein Beispiel: „Aus Brokdorf kommt man von Montag bis Freitag mit zwei Bussen nach Wilster: um 12.55 und 13.55 Uhr. Aber man hat mit dem ÖPNV keine Möglichkeit zurück zu kommen.“ Verglichen damit sei St. Margarethen geradezu privilegiert durch die Buslinie zwischen Brunsbüttel und Itzehoe. Aber es gebe viele Dörfer, die geradezu abgeschnitten seien. Bei einer immer älter werdenden Bevölkerung komme einem sinnvollen Konzept wachsende Bedeutung zu. „Ich denke, da müsste sich ein Weg finden.“ Und noch etwas sieht Eckart Gruhlke: Ein solches Modell schaffe Arbeitsplätze, statt welche wegzunehmen. Und es komme – abgesehen vom Start – ohne Subventionen aus.

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