Wewelsfleth : Preis für erste Komposition

Dirigent Jens Illemann stellte auch sein Talent als Nachwuchskomponist unter Beweis. Foto: Brandao
Dirigent Jens Illemann stellte auch sein Talent als Nachwuchskomponist unter Beweis. Foto: Brandao

Jens Illemann, Dirigent des Wewelsflether Blasorchesters, bei Wettbewerb "WattnKlang" vorn

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29. Oktober 2011, 07:25 Uhr

wewelsfleth | Die besten Ideen kommen Jens Illemann immer dann, wenn er nicht damit rechnet: In der Bahn, bei der Probe oder in der Vorlesung. Für solche Fälle hat der Dirigent des Wewelsflether Blasorchesters immer Zettel und Stift parat: Dann heißt es schnell sein und die kreativen Ergüsse zu Papier bringen, bevor sie wieder aus dem Gedächtnis verschwinden.

Mit einem dieser Entwürfe hat der 24-Jährige Anfang Oktober beim Komponistenwettbewerb des Internationalen Bläserfestivals "WattnKlang" die Preisrichter beeindruckt. Bei der Uraufführung im ostfriesischen Norden-Norddeich stand er allerdings nicht alleine auf dem Siegertreppchen, und es gab auch keinen ersten Preis. Denn: "Die Jury hatte sich für zwei Gewinner entschieden, so dass ich mir offiziell den zweiten Platz mit dem anderen Bewerber teilen musste." Ein sensationeller Erfolg für den Jungkomponisten, der mit seinem maritim angehauchten Werk "In die Ferne - Matrosen, an Bord" sein Debüt geliefert hatte. "Es ist das erste Stück, das ich selbst geschrieben habe", erzählt er.

Fünf bis acht Minuten lang, von gehobenem Schwierigkeitsgrad und unveröffentlicht mussten die eingesendeten Werke sein. Außerdem sollte ein thematischer Bezug zur Region oder dem Wattenmeer hergestellt werden. "Ich habe überlegt, was dazu passen könnte und da sind mir schnell die alten Seemannslieder eingefallen." Einen Monat lang feilte der junge Dirigent an seinem Entwurf, hörte alte Piratenlieder und fing an, die Musik in eine passende Geschichte einzuflechten: Drei gestandende Seemänner gehen an Bord eines Schiffes, um sich ins nächste Abenteuer zu stürzen. Das Ergebnis klingt ein bisschen wie eine Hommage an den alten Störtebeker. Imposante Bläserklänge lassen das Schiff beim Auslaufen aus dem Hafen vor dem geistigen Auge erscheinen und die tiefen, langgezogenen Töne, mit denen der Betrunkene über das Deck torkelt, lassen den Zuhörer beinahe selbst ins Wanken geraten. "Ich habe versucht, den Charakter dieser Piratenlieder einzufangen", erklärt der Lehramtsstudent. Eine Besonderheit sei dabei die Tonleitern, die statt der üblichen acht nur sechs Töne beinhalteten.

Mit seiner Mischung aus "Fluch der Karibik" und "Meuterei auf der Bounty" konnte Illemann auch bei der Jury punkten. Die Gewinnertitel wurden am Ende des Festivals vom Polizeimusikkorps Niedersachsen uraufgeführt, das mit rund 50 Musikern für die passende Inszenierung sorgte. Sein eigenes Orchester will Jens Illemann jedoch mit seinem Seemannsgarn verschonen: "Das Stück ist eigentlich für ein Profi-Orchester gedacht, deshalb würde das Einstudieren viel zu lange dauern", erzählt er und fügt schmunzelnd hinzu: "Außerdem spielen meine Musiker lieber bekannte Sachen."

Rund einen Monat nach seinem großen Erfolg steckt der vielbeschäftigte Dirigent schon wieder in den Vorbereitungen für das anstehende Jahresabschlusskonzert im Dezember. "Da spielen wir dann eher Unterhaltungsmusik", kündigt er an. Bis es soweit ist, sucht das zwölfköpfige Jugendorchester noch tatkräftige Unterstützung. "Wir freuen uns über jeden, der mitmachen will - egal ob er schon ein Instrument spielen kann oder nicht."

Informationen unter www.blasorchesterwewelsfleth.de

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