zur Navigation springen
Wilstersche Zeitung

11. Dezember 2017 | 03:35 Uhr

Preis für besonderen Familieneinsatz

vom

Novitas-BKK-Aktion: Anja Schwenke aus Wilster wurde von einer Jury deutschlandweit als eine beispielgebende Mutter ausgewählt

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Wilster | Das Leben meint es nicht immer mit jedem Menschen gut. Es gibt viele, die mit einem Handicap das Licht der Welt erblicken. Seit 2010 hat es sich die Novitas BKK Versicherung zur Aufgabe gemacht, jährlich drei ihrer Mitglieder stellvertretend für all jene Menschen mit dem mit 1000 Euro dotierten Novitas BKK Versichertenpreis zu ehren, die sich auf ganz besondere Weise für andere Menschen sowohl innerhalb als auch außerhalb der eigenen Familie einsetzen. Eine davon ist Anja Schwenke (46) aus Wilster.

"Auch wenn das Weltbild aus Vorabendserien mit Egoismus und Verbrechen im deutschen Fernsehen Gegenteiliges suggeriert, erleben wir bei unserer täglichen Arbeit, wie häufig es vorkommt, dass sich Menschen für andere einsetzen", unterstrich Mirja Tüchsen, Geschäftsstellenleiterin der Novitas BKK im Rahmen der Preisverleihung in den Itzehoer Geschäftsräumen. Aus einer Vielzahl an Einsendungen mit Vorschlägen suchte eine Jury drei beispielgebende Personen aus ganz Deutschland heraus. "Jede der vorgeschlagenen Personen hätte diesen Preis verdient gehabt", betonte Pressesprecher Harald Stollmeier. Ganz besonders aber Anja Schwenke. Die Wilsteranerin arbeitet seit 29 Jahren als Arzthelferin in einer dermatologischen Fachpraxis und seit fast fünf Jahren zusätzlich wochenends in der Notfallpraxis des Klinikums Itzehoe. Neben ihrer Arbeit zog Anja Schwenke vier Kinder, davon zwei mit einem Handicap groß und unterstützte nicht nur weitere Familienmitglieder in äußerst schwierigen Zeiten.

"Der heute 24 Jahre alte Philipp ist das älteste unserer vier Kinder und hatte damals einen besonders schweren Start", erzählt Schwenke. Bei der Geburt erlitt Philipp Hirnblutungen sowie eine Verletzung des Armnervengeflechtes (Plexusparese), darüber hinaus wurde später zusätzlich eine ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) diagnostiziert. Die ärztliche Prognose, dass Philipps Arm für immer gelähmt bleiben würde, wollte Anja Schwenke nicht akzeptieren. Es folgten unzählige physiotherapeutische Behandlungen. Diese nutzte die Mutter, um sich Übungsabläufe und Techniken für zu Hause zeigen zu lassen. Durch die täglichen Behandlungseinheiten gelang es ihr schließlich, entgegen der Prognose der Ärzte, die Mobilität des Armes deutlich zu steigern. Als schließlich die Symptome der ADHS zum Vorschein kamen, setzte sich Anja Schwenke erneut dafür ein, Philipp die bestmöglichen Behandlungen zukommen zu lassen, damit nicht die Krankheit die Zukunft des Sohnes bestimmt. Unzählige Sitzungen beim Logopäden, aber auch mehrere Krankenhausaufenthalte folgten, bei denen sowohl Anja als auch Ehemann Jens-Uwe Schwenke (48) dem Kind zur Seite standen. "Wir sind unglaublich stolz auf Philipps Entwicklung. Er hat mittlerweile seine eigene Wohnung und eine feste Arbeit", erzählen die Eltern.

Im Alter von drei Jahren wurde auch bei dem drittgeborenen Kind ADHS diagnostiziert. "Natürlich konnten wir ein wenig von den zuvor gesammelten Erfahrungen profitieren, doch letztlich ist jedes Kind anders und somit steht man immer wieder vor neuen Herausforderungen und Schwierigkeiten", so Anja Schwenke. Als sich der zweite Sohn mit 18 Jahren in ein schwangeres Mädchen verliebte, dessen nächste Verwandte in Süddeutschland leben, übernahm die 46-Jährige auch hier Verantwortung. Sie begleitete die Erstgebärende durch die Schwangerschaft und erklärte sich anschließend bereit, sich stundenweise um das Baby zu kümmern, damit die junge Mutter arbeiten kann.

Und dann musste die Familie auch noch innerhalb von drei Jahren den Verlust von vier Angehörigen verkraften. Als das Elternpaar an die Grenzen seiner Kräfte stieß, scheute es nicht, sich Hilfe beim Jugendamt zu suchen. "Nicht nur wir, sondern auch die Kinder haben unglaublich viel Unterstützung von Seiten des Jugendamts erfahren", zeigen sich die Eltern begeistert. "Nach allem was wir durchgemacht haben und vor allem was meine Frau während dieser Zeit geleistet hat, dachte ich mir, ich schlage sie für den Versichertenpreis vor", erzählt Jens-Uwe Schwenke. Überglücklich war der Lagerist, als der Anruf der Versicherung kam und damit die Nachricht, dass Anja Schwenke eine der drei Preisträger ist.

Mit dem Preisgeld soll die Silber-Hochzeits-Feier finanziert werden - und vielleicht unternimmt das Paar noch einen Kurzurlaub.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen