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Wilstersche Zeitung

23. September 2017 | 13:15 Uhr

Konzert : Oldie-Night vom Feinsten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Drei Bands begeistern im Wilsteraner Colosseum mit Hits am laufenden Band. Dennoch macht sich beim veranstaltenden Oldie-Club Enttäuschung breit: Die Besucherzahl ist rückläufig.

Die jüngste Oldie-Night – musikalisch gesehen war sie eine Wucht. Und wer nicht nach Wilster ins Colosseum gekommen war, um mitzuerleben, was die Gruppen Rhythm ’56, Break Even und Rockboxx von der Bühne aus zelebrierten, hat ganz viel verpasst. Und dennoch: Das Publikum ignorierte die Bemühungen des Steinburger Oldie-Clubs, den Fans über unterschiedlich ausgerichtete Gruppen etwas Besonderes und damit auch Abwechslungsreiches zu bieten.

Angesichts der Lücken auf dem Tanzviereck und an den Tischen formulierte Rockboxx-Frontmann Oliver Rau: „Die Live-Kultur stirbt, aber wir halten die Fahne hoch.“ Unterstützung bekam er in seiner Enttäuschung über die Abstinenz der an sich im Kreis Steinburg treuen Oldie-Fangemeinde von Thomas Krüger. Der Gast aus Münsterdorf sagte: „Man kann ja nicht sagen, dass die Leute hier überdurstig nach Musikveranstaltungen sind.“

Doch das hätten sie gern sein sollen, den Rockybilly und Rock’n’Roll (Rhythm `56), Status-Quo-Cover (Break Even) und eine Kiste voll Rock und Blues (Rockboxx): Wo bekommt der Musikinteressierte das in dieser Qualität für wenig Eintrittsgeld (10 Euro) sonst noch geboten – und das bei mehrstündiger Dauerbeschallung, die die Gehörgänge dennoch nicht belastete? Die Gruppen, die sich sicher ein volleres Colosseum gewünscht hätten, gingen mit dem quantitativen Problem gut um und geizten deshalb auch nicht mit ihrem Können.

Den Anfang im Konzertreigen machte die Band Rhythm ’56 aus Rendsburg, die unter anderem den „bekanntesten Rock’n’Roll-Song aller Zeiten“, „Hound Dog“ von Elvis Presley, vorstellte und dazu noch mit Stücken wie „Tutti Frutti“ (Little Richard) oder „Memphis Tennessee“ (Chuck Berry) für ein gut gefülltes Tanzparkett sorgte. Ganz musikhistorisch wurde es, als das Trio mit dem Song „My Babe“ jenes Stück intonierte, das Elvis Presley 1968 bei seiner Comeback-Show zum Besten gegeben hatte. Als begnadeter Gitarrist entpuppte sich wieder einmal Jürgen „das Brett“ Gleba: Mit seinen Soli erntete er oftmals Applaus noch während der Darbietungen.

Mit Break Even (Hamburg) mischte sich eine Formation unter die Protagonisten, die die Fahne der Rockband Status Quo besonders gern in die Höhe hält. Im ersten Teil bot das Quartett Titel an, die selbst eingefleischten Oldie-Fans nicht unbedingt geläufig sind. Dann zündete die Band aus der Hansestadt ein wahres Hit-Feuerwerk mit Stücken wie „What Ever You Want“, In The Army Now“ und „Down, Down“. Mit im Programm hatte sie mit „Juniors’s Wailing“ einen Song, den die britische Blues-Rock-Formation Steamhammer auf ihrem Debütalbum (1969) eingespielt hatte und der ein Jahr später auch in das Repertoire von Status Quo einfloss.

Am Schlagzeug von Break Even saß mit Joachim Paulsen ein Drummer, der in Wilster sozusagen Heimspiel hatte. Viele Jahre lang saß der Wilsteraner am Schlag von Pale Face, ehe es ihn zu Break Even zog. Warum? Ganz einfach: „Die Gruppe spielt meine Musik. Den Schritt nach Hamburg habe ich nicht bereut. Ich bin von den anderen sehr gut aufgenommen worden.“ Die Band sei insgesamt „sehr motiviert“ und habe gut 30 Songs im Angebot, das aber erweitert werden soll. „Wir üben an weiteren Stücken, aber die müssen noch reifen“.

Auch wenn das Colosseum voller hätte sein können – Joachim Paulsen und Co. sind gern bereit, erneut nach Wilster zu kommen: „Das Salz in der Suppe ist für jeden Musiker die Live-Auftritte.“ Dass sich Break Even im Colosseum wohl gefühlt hatte, machte Sänger Peter Merhof deutlich. Noch ehe er und seine Musikerkollegen sich mit „Bye Bye Johnny“ (Chuck Berry) verabschiedeten, rief er in den Saal – auch mit Blick auf die Tontechniker: „Danke für die tolle Mischung, für das tolle Licht und für die tolle Veranstaltung.“

Den Abschluss des Abends bildete Rockboxx aus Itzehoe mit einem Feuerwerk älterer Rocksongs, auf die Oliver Rau in seiner bekannt lässigen Art einstimmte. Ganz wild in Outfit und künstlerischer Darstellung, steckt in ihm aber ein ganz sensibler Kern, mit dessen Hilfe sich der Frontmann Sympathien erwirbt, die dem Gesamteindruck der Band immer wieder zugute kommen. „Radar Love“ (Golden Earring), „Black Night“ (Deep Purple) und „Nothing Else Matters“ (Metallica) wurden vom Publikum ebenso beklatscht wie „Wish You Were Here“ (Pink Floyd) oder „Beds Are Burning“ (Midnight Oil).

Dass Oliver Rau den Schalk im Nacken hat, machte er deutlich, als er weit nach Mitternacht feststellte, „Oh, es sind noch Leute da, das freut mich.“ Als er seinen Bandkollegen Achim Harbeck freundlich als Gitarren-Koryphäe bezeichnete, kommentierte er das beipflichtende Klatschen aus dem Publikum mit: „Achim, du hast noch Fans.“

Die hätte Oldie-Club-Vorsitzender Bernd Schwutzke während der Oldie-Night wohl auch zuhauf begrüßen wollen. Doch leider musste er feststellen: „Die Besucherzahlen sind nicht zufriedenstellend.“ Dabei hätte man die rockige Musik bewusst gewählt, und die langen Sets von knapp 90-minütiger Dauer sollten den Gruppen mehr Aufmerksamkeit bescheren als in den langen Nächten zuvor. „Oft sind die Besucher doch schon bei Halbzeit gegangen.“

Auf jeden Fall soll das Colosseum auch weiterhin Schauplatz von Oldie-Nächten sein. Deshalb habe sich der Club für den 8. November schon jetzt etwas Reizvolles überlegt: „Wir machen mit der englischen Band BarraCoodas aus Plymouth auf. Sie ist rockig, spielt aber auch Pink Floyd oder ruhigere Stücke von Neil Young.“ Zu wünschen ist, dass dass nicht eintritt, was Thomas Krüger befürchtet: „Der Zug für solche Veranstaltungen ist abgefahren.“

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