Wilstermarsch : "Mehr Raum zum Atmen schaffen"

Startpunkt  für den Landrat war die Schöpfmühle in Honigfleth. Foto: Rosenburg
Startpunkt für den Landrat war die Schöpfmühle in Honigfleth. Foto: Rosenburg

Landrat Dr. Jens Kullick reiste durch die Wilstermarsch und zeigte sich von den Gemeinden beeindruckt

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01. September 2011, 07:33 Uhr

Wilstermarsch | Zwei Tage lang war Landrat Dr. Jens Kullick in Wilster und der Wilstermarsch - eine Arbeitsreise, die aus seiner Sicht "sehr informativ, in sehr guter Atmosphäre abgelaufen ist". "Ein Besuch, der viele Höhepunkte hatte", betonte der Landrat, der im abschließenden Pressegespräch feststellte: "Der Zustand vieler Gemeinden hat auf mich einen erfreulichen Eindruck gemacht." Er habe sehr viele interessante Sachen gesehen und wurde dabei von Amtsvorsteher Helmut Sievers und Verwaltungschef Heiko Wiese an beiden Tagen begleitet.

In diesen zwei Tagen absolvierte der Landrat einerseits einen Exkurs in die Geschichte Wilsters und der Wilstermarsch, andererseits diskutierte er mit den Bürgermeistern intensiv die Situation der Gemeinden in der Gegenwart. "Es gibt viele Einzelprobleme", so Dr. Kullick. Ein großes Thema, das alle betrifft, sei der demografische Wandel. Die Bevölkerungszahl nimmt ab, dafür werden die Menschen immer älter. Da gilt es ebenso den Senioren zu ermöglichen, trotz schwindender Mobilität im Dorf weiterhin wohnen zu können, als auch für Familien den Zuzug attraktiv zu machen. Oft lasse die Gesetzeslage das nicht zu, daran müsse gearbeitet werden. Denn die Gemeinden "brauchen mehr Raum zum Atmen". Er sehe schon die Not der Landgemeinden, wenn es beispielsweise um die Kostenübernahme der Eltern bei der Schülerbeförderung gehe. Das Land gebe den Elternanteil gesetzlich vor. Dies sei ein Thema, bei dem auch dem Kreistag angesichts der Gesetzeslage die Hände gebunden seien. Die Kreistagsabgeordneten hätten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, letztlich wäre - wie in Dithmarschen geschehen - das Thema von oben durchgedrückt worden. Engmaschige Gesetze und Verordnungen machten es auch den Unternehmen oft schwer, sich existenziell zu behaupten, führte der Landrat einen weiteren Aspekt nach seinen Besuchen in größeren Unternehmen der Wilstermarsch an. Veränderungen müssten her, damit der Kreis Genehmigungen für Erweiterungen vereinfacht erteilen könne.

Insgesamt müsse ein Kreis-Konzept her, das alle Bereiche berücksichtigt - von der demografischen Entwicklung über die wirtschaftliche Zukunft bis hin zu verkehrstechnischem Ausbau und dem kleinen Pflänzchen Tourismus. Dazu gehöre natürlich auch der Strukturwandel hinsichtlich der begrenzten Laufzeit des Kernkraftwerks Brokdorf, nicht nur in Bezug auf die Auswirkungen bei der Energieversorgung. "Mehr Windräder bedeuten mehr Stromtrassen." Insgesamt müsse man sehen, wie kleine Landgemeinden in Zukunft überleben können, beispielsweise durch "vernünftige Kooperation" untereinander. Und auch das sei in der Wilstermarsch kein Problem, was schon die Verwaltungsgemeinschaft zeige. Die Amtsverwaltung sieht er übrigens "zukunftsgerichtet" gut aufgestellt.

Von seinem Besuch mitnehmen wird der Landrat Teilprojekte, die im Kreis bearbeitet werden sollen. Da gehe es unter anderem um Gebäudeleerstände, Ortsdurchfahrten, Radwege, Windenergieflächen und ärztliche Versorgung. "Die Themen sind in Bezug auf die Gemeinden teilweise alte Hüte, aber ein auch ein Zeichen dafür, dass die Bürgermeister zäh am Ball bleiben." Alles werde geprüft, einiges werde gehen, einiges werde dauern, anderes werde nicht machbar sein. "Das liegt dann nicht in unserer Macht", verwies der Landrat auf Zuständigkeiten von Land und Bund.

Der Landrat nimmt von dem Besuch in der Wilstermarsch viel für seine Arbeit mit - und auch aus Sicht von Amtsvorsteher Helmut Sievers war die Tour "sehr fruchtbar". Er dankte dem Landrat, dass er mit ihm und den anderen Bürgermeistern die Sorgen im ländlichen Raum erörterte und unterstrich noch einmal den guten Zusammenhalt zwischen Stadt und Land.

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