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Wilstersche Zeitung

22. September 2017 | 22:52 Uhr

Protest : Kernkraftgegner fordern: Abschalten!

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Rund 1000 Teilnehmer finden sich bei bunter Protestaktion zum 28. Tschernobyl-Gedenktag vor dem Brokdorfer Kernkraftwerk ein und plädieren für das Ende des Atomstroms aus der Elbegemeinde.

Das Wetter meinte es gut mit den Veranstaltern und Teilnehmern der Protest- und Kulturmeile am Atomkraftwerk Brokdorf. Dazu hatten die BUND-Kreisgruppe Steinburg und die Initiative Brokdorf akut gemeinsam mit anderen Initiativen, Gruppen, Verbänden und politischen Parteien unter dem Motto „AKW Brokorf abschalten – jetzt!“ aufgerufen. Über 1000 Teilnehmer schlenderten über die Aktionsmeile mit Informations- und Imbissständen, erlebten Musik- und Gesangsdarbietungen verschiedener Solisten und Gruppen, bei denen Protestlieder gegen die Nutzung der Kernenergie im Mittelpunkt standen, und nutzten die Gelegenheit, bei den fast sommerlichen Temperaturen ein Sonnenbad nehmen, Kaffee und Kuchen zu genießen oder sich mit Grillwürsten zu stärken.

Karsten Hinrichsen von Brokdorf-akut schloss bei der Eröffnung der Veranstaltung nicht aus, dass auch im Atomkraftwerk Brokdorf die Gefahr einer Kernschmelze nicht ausgeschlossen werden könne. „Den Strom brauchen wir nicht. Warum lassen wir es uns gefallen, dass uns Politiker und Stromkonzerne einem derartigen Risiko aussetzen?“, fragte Hinrichsen. Er wies darauf hin, dass es im Brokdorfer Atommeiler bisher rund 230 Störfälle gegeben habe – zwar alle im niedrigstufigen Bereich, doch könnten sich diese zu einem großen Gefahrenpotenzial summieren. „Schwere Unfälle nehmen oft ihren Anfang bei kleineren Störfällen“, argumentierte der Kernkraftgegner. Er forderte das sofortige Abschalten der Anlage, „weil wir genügend Strom haben, kein Endlager für den Atommüll in Sicht ist und jederzeit ein Super-Gau passieren kann“.

Erstaunt zeigte sich Karsten Hinrichsen über einen ungewöhnlichen Objektschutz auf den Gebäuden des Kernkraftwerks, auf denen die Dächer mit Stangen und Verdrahtungen abgeschirmt sind. Auf Nachfragen hülle sich Kraftwerksbetreiber Eon in Schweigen und teile keine Details mit.

Auf und vor der Veranstaltungsbühne traten verschiedene Musikgruppen auf, um die Zuhörer zu unterhalten. Als bei der Gruppe Gutzeit die Verstärkeranlage schlapp machte, meinte einer Besucher scherzhaft: „Da hat wohl jemand die Aufforderung ‚abschalten sofort‘ doch zu wörtlich genommen.“ Für die Kinder gab es eine Malecke, eine Hochseil-Kletteraktion und Dosenwerfen – dem Thema angepasst als gelbe Atomfässer gestapelt unter dem Motto „Atomfässer abwerfen“. Ein Meer aus grünen und gelben Atomkraft-Nein-danke-Fahnen beherrschte die bunte Meile, auf der auch politische Parteien wie die Grünen, die Linke und die DKP ihre Forderungen publik zu machen versuchten. Die Veranstalter hatten sich von vornherein gegen wahlkampfähnliche Veranstaltungen auf der Meile ausgesprochen. Einziges politisches Statement war an diesem Tag „AKW Brokdorf abschalten!“

Gäste aus Polen und aus Tansania sprachen Grußworte, ehe Dirk Seifert von Robin Wood und Antonia Uthe von der Aktionsgemeinschaft Schacht Konrad sowie Angelika Claussen von IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs) kurze Statements abgaben. In die Aktionen reihten sich Gleichgesinnte aus allen Teilen des Landes sowie aus Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern ein. Viel Beifall gab es schließlich für den Liedermacher Gerd Schinkel, der mit Liedern zum Mitmachen unterhielt.

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