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Wilstersche Zeitung

20. Oktober 2017 | 17:15 Uhr

Kaum noch Chancen für Langzeitarbeitslose

vom

Verein Jugend und Beruf übt scharfe Kritik an Arbeitsmarktpolitik

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Wilster | Der Vorsitzende des Vereins "Jugend und Beruf" in Wilster, Gerhard Jens, sieht die Vereinsarbeit bei der Beschäftigung und Qualifizierung Arbeitsloser durch die "Instrumentenreform" des Sozialgesetzbuches II und III gefährdet. Auf der Hauptversammlung des Vereins im Amt Wilstermarsch übte er deshalb massive Kritik an der aktuellen Arbeitsmarktpolitik. Er zeigte kein Verständnis dafür, dass die Finanzmittel für Beschäftigung und Qualifizierung immer weiter heruntergefahren werden, so dass dieser Geschäftsbereich für die Gesellschaft für die absehbare Zukunft an Bedeutung verlieren werde.

"Diese Politik kritisiere ich scharf, weil auch sie die schon erschreckende Kluft zwischen Reichtum und Armut weiter wachsen lässt und diesen unseren Mitmenschen mehr und mehr ihre Würde nimmt!" erboste sich Gerhard Jens. Auch die neue Prokuristin von "Steinburg Sozial", Christine Hertwig, bemängelte, dass "Langzeitarbeitslose nicht mehr im Blickfeld der Politik" stünden. "Für schlechtere Profillagen gibt es kaum noch Angebote auf dem Arbeitsmarkt." Vorrangig würden nur Menschen berücksichtigt, die ohne Probleme vermittelbar seien. Hertwig kommt aus den Reihen des neuen Gesellschafters von "Steinburg Sozial", dem Diakonischen Werk Altholstein, das in der Region von Kiel bis an die Stadtgrenze Hamburgs vielfältige Projekte in der Qualifizierung und Beschäftigung, in der Altenpflege, der Schuldner- und Sozialberatung sowie in Familienprojekten mit mehr als 500 Mitarbeitern organisiert. Neben der Diakonie Altholstein, die mit 20 Prozent in die "Steinburg Sozial GmbH" eingestiegen ist, sind der Verein "Jugend und Beruf" mit 39 Prozent und die Ökumenische Schuldnerberatung Steinburg mit 41 Prozent Träger der GmbH mit einem Stammkapital von 50 000 Euro.

In seinem Jahresbericht dankte Gerhard Jens den regionalen Unterstützern wie Amt Wilstermarsch und Stadt Wilster, aber auch allen Kunden, die "uns sehr geholfen haben bei der Bewältigung dieses sehr schwierigen Jahres". Vorstandsmitglied Bernd Hannemann erläuterte, dass der Verein durch die drastische Kürzung der Fördermittel erheblich unter Druck geraten sei. Man freue sich deshalb, die Vereinsarbeit mit dem neuen Gesellschafter auf breitere Füße stellen zu können.

Christine Hertwig, die den bisherigen Geschäftsführer Hans-Dieter Helms abgelöst hat, freut sich auf die neue Aufgabe bei "Steinburg Sozial". Wegen fehlender Zuschüsse sei die Zahl der Teilnehmer in den Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen von 180 auf nur noch 45 zurückgegangen. "Wir versuchen, das Bestehende über die Zeit zu bringen, um mit einer schwarzen Null herauszukommen." Finanziell stehe im Vordergrund, höhere Umsatzerlöse bei der Bioabfall-Kompostierung (BAK) und beim Möbelverkauf zu erzielen, um damit Projekte zu fördern. Außerdem müssten Standorte gebündelt werden. "Wir planen in Itzehoe ein zentrales Kaufhaus ,alt & wert - ein Kaufhaus, das diesen Namen tatsächlich verdient", kündigte sie an. In dem Zusammenhang sei die Schließung des bisherigen Standortes Lägerdorf geplant. Über einen Standort in Itzehoe sei man "im Gespräch". Gerhard Jens beruhigte die Mitglieder: "Die BAK Wilster und die Fahrradstation in Itzehoe werden weitergeführt." Die neue Prokuristin stellte die unterschiedlichen Arbeitsfelder von "Steinburg Sozial" vor: Altmöbel-Recycling mit der Werkstatt in Lägerdorf, Verkaufsstellen in Lägerdorf und Wilster, Beratungsstellen der Schuldner- und Sozialberatung in Itzehoe und Glückstadt, eine Schul-Sozialarbeit in Glückstadt, Itzehoe und Horst sowie eine Offene Ganztagsschule mit Betreuung und über 30 Kursen in Glückstadt und Itzehoe. "Wir sind dabei, am Bahnhof Itzehoe eine Bahnhofsmission zu errichten", so Christine Hertwig. Neben zwei festen Mitarbeiterinnen konnten dafür bereits fünf ehrenamtliche Betreuer gewonnen werden. Weitere Unterstützer seien willkommen. Abschließend würdigte sie die Projekte der Gesellschaft als eine "sehr wertzuschätzende Aufgabe". Optimistisch fügte sie hinzu: "Steinburg Sozial steht auf einer soliden Basis."

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