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Wilstersche Zeitung

13. Dezember 2017 | 18:22 Uhr

Erinnerung an Verfolgung und Tod

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erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Wilster | An Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Kommunisten und Zeugen Jehovas, die zwischen 1933 und 1945 vom Nazi-Regime verfolgt, verhaftet sowie in Konzentrationslager gesperrt und ermordet wurden, hat Ratsherr Helmut Jacobs (SPD) während der Maifeier seiner Partei am Ehrenmal im Stadtpark erinnert. Gemeinsam mit Bürgermeister Walter Schulz legte er am Ehrenmal einen Kranz nieder. Die Feier mit rund 30 Teilnehmern wurde vom Bläser Uwe Carstensen musikalisch ausgestaltet.

In seiner fast halbstündigen Rede blickte Helmut Jacobs gut 110 Jahre zurück, als Arbeitnehmer in Wilster für bundesweite Schlagzeilen sorgten. Beschäftigte der hiesigen Lederfabriken streikten acht Monate lang nach 63 Arbeitsstunden an sechs Tagen für höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten - letztlich aber ohne Erfolg.

Der 1. Mai sei in Wilster seit vielen Jahren ein Tag der Besinnung, um der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. Schon im Juni 1933 seien in Wilster die Arbeiter und Sozialdemokraten Hermann Krüger vom Rumflether Deich und Friedrich Landsberger aus der Vereinsstraße von Nazis festgenommen und unter Trompeten und Fanfaren durch Wilster getrieben worden, um den Hals ein Schild mit der Aufschrift "Ich bin ein Betrüger an der Stadt Wilster und am deutschen Volk". Insbesondere nannte Helmut Jacobs den damaligen SPD-Ortsvorsitzenden Hans Prox, der 1944 von den Nazis verhaftet und am 3. Februar 1945 im KZ Neuengamme ermordet worden sei. Nach ihm wurde auf Betreiben der SPD Anfang der 50er Jahre die Straße "Hinter der Stadt" in Hans-Prox-Straße umbenannt.

Schon 1940 fiel der Wilsteraner Heinrich Bielenberg, ein Zeuge Jehovas, im KZ Sachsenhausen den Hitler-Schergen zum Opfer. Zu den Verfolgten der Nazi-Diktatur, die ins KZ Glückstadt gebracht worden waren, gehörten damals auch der Bauarbeiter Johannes Jacobs (KPD), der Lehrer Bruno Lange (SPD), der Zimmermann Karl Lühr (KPD), der Gerbereiarbeiter Martin Lühr (KPD), der Arbeiter Otto Raatz (KPD) und der Schiffer Peter Schelig (KPD). Am 10. Mai 1933 beschlagnahmten die Nationalsozialisten das SPD-Vermögen in der Gaststätte von Heinrich Jacobs. "Es verschwanden zwei SPD-Schränke und ein SPD-Aushangkasten", wusste der Enkel des damaligen "Konzerthaus"-Wirtes zu berichten.

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