Lesung für Grundschüler : Autorin mit Leib und Seele

Eine Premiere: Erstmals las Autorin Mirjam Pressler auf Initiative von Stadtbüchereileiter Uwe Martensen und seiner Mitarbeiterin Karin Labendowicz vor einem so jungen Publikum wie den Zweitklässlern der Wolfgang-Ratke-Schule. Foto: Rosenburg
Eine Premiere: Erstmals las Autorin Mirjam Pressler auf Initiative von Stadtbüchereileiter Uwe Martensen und seiner Mitarbeiterin Karin Labendowicz vor einem so jungen Publikum wie den Zweitklässlern der Wolfgang-Ratke-Schule. Foto: Rosenburg

Mirjam Pressler beeindruckte ihr junges Publikum in Grundschule und Gemeinschaftsschule

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20. Mai 2011, 07:53 Uhr

Wilster | "Ich habe die Geschichte schon vor ein paar Jahren geschrieben und sie schon ganz vergessen." Und so war es auch für Autorin Mirjam Pressler eine ganz besondere Lesung gestern Vormittag vor den Jungen und Mädchen der zweiten Klassen der Wolfgang-Ratke-Schule. In der Bücherei der Grundschule lauschten die Kinder der Autorin, die ihnen aus dem Buch "Jessi" vorlas. Für Mirjam Pressler hatte diese Lesung, die von der Stadtbücherei Wilster in Kooperation mit der Wolfgang-Ratke-Schule und der Gemeinschaftsschule initiiert wurde, noch etwas Besonderes: Sie habe noch nie vor einem so jungen Publikum gelesen. "Ich bin gespannt", sagte Pressler, die vornehmlich vor Jugendlichen und Erwachsenen aus ihren Werken liest.

Doch sie fand in den Grundschülern ein aufmerksames Publikum, dem das Zuhören nicht sonderlich schwer fiel. Die Geschichte von Jessi und deren Tante Dorothea hatte denn auch einige lustige Momente. Und auch das Frage-Angebot nach der Lesung nutzten die jungen Zuhörer ausgiebig. Stadtbücherei-Leiter Uwe Martensen war überrascht wie viele Hände in die Höhe schnellten, um noch so einiges über die Autorin in Erfahrung zu bringen. Welches ihr erstes Buch gewesen sei - "Bitterschokolade" -, seit wann sie Bücher schreibe und warum sie Schriftstellerin geworden sei, wollten die Kinder zum Beispiel wissen. Mirjam Pressler, die in Landshut bei München lebt, gestern aber von Köln nach Wilster kam, gab bereitwillig Auskunft.

Seit 30 Jahren schreibe sie "ein Buch nach dem anderen - bislang 40 oder so" und sie übersetze auch Bücher. "Ich habe den ganzen Tag über mit Büchern zu tun." Dabei habe sie als Kind und Jugendliche gar nicht Schriftstellerin werden wollen. "Ich wollte Malerin werden und habe dann auch Freie Kunst studiert. Das war allerdings nichts, womit man Geld verdienen kann." Dann habe sie geheiratet, drei Töchter bekommen und sei bald wieder geschieden worden. Sie musste für sich und ihre Töchter Geld verdienen und kam über den eigenen Jeansladen und einem Halbtagsjob im Büro zum Bücher schreiben. Hauptsächlich für Jugendliche. 39 Jahre alt sei sie gewesen, als sie ihre erstes Buch geschieben hatte. Die Frage, ob ihr das Schreiben immer noch Spaß mache, beantwortete sie mit einem klaren "Ja". "Ich liebe Bücher", sagte sie, betonte aber auch, dass Schreiben nicht nur Spaß sei, sondern auch harte Arbeit. "Aber ich kann mir nichts Schöneres vorstellen."

Ob es stimme, dass sie eine "berühmte Schreiberin" sei, beantwortete Uwe Martensen mit dem Hinweis auf die vielen Preise, mit denen Mirjam Pressler und ihre Werke ausgezeichnet worden sind. Mit einem lauten "Dankeschön" und großem Beifall bedankten sich die Kinder gemeinsam mit der stellvertretenden Schulleiterin Susanne Kröger-Sühl bei der Autorin, die anschließend in der Gemeinschaftsschule vor Neuntklässlern aus "Ein Buch für Hanna" las.

Die Geschichte, die sie ihrer Freundin Hanna widmete, die mit 14 Jahren 1939 Deutschland verlies und mit 23 Jahren 1948 in Israel ankam. Eine faszinierende, nachdenklich stimmende Lesung, der die Jugendlichen in der Schul-Mensa gespannt folgten und von der sie so wie es Rektor Eckhard Dumrese ihnen zu Beginn wünschte, sicher "gute Erkenntnisse" mitnahmen.

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