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Wilstersche Zeitung

16. Dezember 2017 | 10:36 Uhr

281 Jahre zurück in die Vergangenheit

vom

Großes Sippentreffen der alten Salzburger Familien Moser und Schlemminger fand in Wilster statt

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Wilster | Vor 281 Jahren wurden die Familien Moser und Schlemminger zusammen mit rund 30 000 weiteren Landsleuten wegen ihres protestantischen Glaubens aus dem Salzburger Land ausgewiesen. Über Pfingsten kam es in Wilster zu einem großen Sippentreffen dieser beiden alten Salzburger Familien. Fünf Generationen im Alter von zwei bis 83 Jahren trafen sich im Colosseum zu einem Wiedersehen. Es wurde mit einer Stadtbesichtigung, einer Busfahrt durch die Wilstermarsch und deren Umgebung und einem weiteren gemütlichen Beisammensein wiederum im Colosseum fortgesetzt.

Das Treffen war von Claudine Donelly, geb. Schlemminger, aus Irland sowie von den Brüdern Gustav, Reinhard und Horst Schlemminger organisiert worden. Sie sind Söhne von Gerhard und Ilse Schlemminger aus Poßfeld/Wilster. Da die heutigen Bauernhöfe nicht mehr über große Dielen zum Feiern verfügen, entschieden sich die Planer für das Colosseum als Veranstaltungsort.

Als die Familien 1732 aus dem Salzburger Land ausgewiesen wurden, erließ der "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. das Preußische Einladungspatent. Damit sollten die Salzburger bei der Wiederbesiedlung des Kronlandes in Ostpreußen helfen. Dort waren einige Landstriche durch die Pest, die in den Vorjahren gewütet hatte, nahezu entvölkert worden. Die Emigranten wurden vorwiegend im nordöstlichen Teil Ostpreußens angesiedelt und sesshaft. Weitere Salzburger Familien siedelten in Holland, in den USA und in anderen Teilen Preußens. Eine Sonderbriefmarke der Deutschen Bundespost thematisierte 1932 die damalige Emigration.

Nach Überlieferung gab es 1932, 200 Jahre nach der Vertreibung, das erste Moser-Sippentreffen in Ostpreußen. Diese Treffen wurden in unregelmäßiger Folge weiter zelebriert, aber durch die erneute Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg jäh unterbrochen.

Ursprung einer der Holsteiner Linien der Familien war Andreas Moser, früher Gastwirt in der "Waffenhalle" in der Deichstraße in Wilster. Er war unter anderem Vater des ehemaligen Gärtnermeisters Adolf Moser in Landrecht. Bedingt durch diese familiären Bindungen kam eine Reihe von Familienmitgliedern nach dem Krieg als Flüchtlinge nach Wilster und in die Wilstermarsch. Der Tradition folgend, wurden auch in der neuen Heimat Familientage durchgeführt. Sie fanden 1953 bei Elfriede Brandt, geb. Schlemminger, in Poßfeld, 1956 in der damaligen Gärtnerei Moser in Wilster und 1981 auf dem Bauernhof von Gerhard und Ilse Schlemminger in Poßfeld statt.

15 Jahre nach dem letzten Treffen im Jahr 1998 bei Elfriede Schmidt, geb. Moser, in Jürgenshagen (Mecklenburg-Vorpommern) kam es jetzt zum erneuten Wiedersehen. Damit sollten einerseits die neu herangewachsenen Generationen über die historischen Zusammenhänge informiert und andererseits die familiären Bindungen gestärkt werden.

Über 70 Familienmitglieder von Konstanz bis Flensburg waren der Einladung gefolgt. Am ersten Abend wurden in vielen Gesprächen "Mosers Erzählungen" aufgefrischt, ehe man am Sonntag das Alte Rathaus, die St.-Bartholomäus-Kirche sowie den Friedhof besuchte. Die Busrundfahrt führte unter anderem zur tiefsten Landstelle Deutschlands nach Neuendorf-Sachsenbande, zu den Brunsbütteler Kanalschleusen und weiteren attraktiven Sehenswürdigkeiten. Bei Kaffee und Kuchen wurden am Nachmittag die Stammbäume der Familien Moser und Schlemminger präsentiert und aktualisiert. Sie gehen bis in die Zeit um 1650 zurück.

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