1200 Jahre Beidenfleth - lebendige Geschichte

Lobte die große und lange  Geschichte der Gemeinde Beidenfleth: Innenminister Lothar Hay mit Bürgermeister Peter Krey (re.) und dessen Stellvetreter Volker Struve (li.).  Foto: Rosenburg
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Lobte die große und lange Geschichte der Gemeinde Beidenfleth: Innenminister Lothar Hay mit Bürgermeister Peter Krey (re.) und dessen Stellvetreter Volker Struve (li.). Foto: Rosenburg

Der gestrige Festkommers war ein glanzvoller Höhepunkt im Jubiläumsjahr.

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13. Juli 2009, 11:01 Uhr

Beidenfleth | "Ich freue mich, dass über 100 geladene Gäste und so viele Mitbürger gekommen sind." Bürgermeister Peter Krey zeigte sich gestern Vormittag sichtlich überwältigt angesichts der Resonanz auf den Festkommers in der voll besetzten Seglerhalle. Und nicht allein das, auch die weiteren bisherigen Jubiläumsveranstaltungen erfreuten sich großer Beteiligung. Dies erfülle alle diejenigen, die geplant und organisiert haben, mit Stolz und Freude. Seinen Dank richtete Krey an den Arbeitskreis, die Vereine und alle anderen Helfer für ihre Arbeit.

"Die Geschichte des Dorfes ist uns zugefallen, für die Gegenwart sind wir selbst verantwortlich", betonte Krey. "Bisher ist es uns erfolgreich gelungen, die Veränderungen der letzten Jahrzehnte von einem durch Landwirtschaft, Fischerei und Kleingewerbe geprägtem Dorf zu einem Wohnort mit wenigen großen landwirtschaftlichen und einigen herausragenden Gewerbebetrieben zu gestalten." Heute müsse allerdings die Kommune Aufgaben übernehmen, die es früher nicht gab oder die über Jahrhundert in der Familie oder in privater Hand waren. Als Beispiele für Beidenfleth nannte er die gemeindliche Verantwortung - gemeinsam mit Bahren fleth - für den Fährbetrieb, das einzig verbliebene Lebensmittelgeschäft, das von der Gemeinde gekauft und weiterverpachtet wurde und den von der Kommune eingerichteten Gesundheitstreff. Auch künftig sollten den Einwohnern über die schöne Landschaft an der Stör hinaus die Annehmlichkeiten eines Lebens auf dem Dorf verbunden mit der Lebensqualität einer Stadt geboten werden. Krey: "Damit wir dies können, sind wir auf die Unterstützung des Landes angewiesen und müssen auch künftig über verlässliche Steuereinnahmen verfügen können."

Ein Appell, der auch in Richtung des prominentesten Gastes des Festkommers ging: Innenminister Lothar Hay richtete ein Grußwort an die Festgäste. Dabei ging er nicht nur auf die 40 Generationen umfassende wechselvolle Geschichte der Gemeinde ein, sondern bezog auch eindeutig politische Stellung für den Erhalt der ländlichen Gemeinden. Eine Gemeindegebietsreform lehne er entschieden ab. Vielmehr seien leistungsfähige Ämter seiner Ansicht nach Garanten dafür, dass sich das ehrenamtliche Engagement wirkungsvoll entfalten könne. Die bewusste und eigenverantwortliche Entscheidung, Selbstverwaltungsaufgaben auf Ämter zu übertragen, sei Ausdruck gelebter Selbstverwaltung. Solche Entscheidungen würden von Gemeindevertretern getroffen, die selbst am besten beurteilen könnten, in welcher Form ihre örtlichen Angelegenheiten geregelt werden sollten. "Wir wollen nichts daran ändern", so Hay.

Die Liste der nachfolgenden Grußredner war noch lang. Landrat Dr. Burkhard Rocke lobte Beidenfleth als eine "kleine, sehr lebendige Gemeinde", deren Gemeindevertreter über die Jahre "ganz hervorragend" gewirtschaftet hätten. Der Landrat war nicht mit leeren Händen gekommen, er überreichte Bürgermeister Peter Krey einen Scheck, den der Bürgermeister begeistert entgegennahm. Dabei konnte er sich den dezenten Hinweis darauf nicht verkneifen, dass er Ähnliches doch auch vom Innenminister sowie von den Bundestags- und Landtagsabgeordneten angenommen hätte. Die Bundestagsabgeordneten Dr. Rolf Koschorrek (CDU) und Jörn Thießen (SPD) ebenso wie Landtagsabgeordneter Hans-Jörn Arp (CDU) beeilten sich dafür, die Anwesenden nicht zu lange mit Grußworten aufzuhalten. Und auch deren Nachfolger fassten sich kurz: Amtsvorsteher Helmut Sievers, Wewelsfleths Bürgermeister Ingo Karstens, Probst Dr. Thomas Bergemann, Wehrführer Klaus Voß und für die Vereine Hobe Suhr ließen in ihren Reden die Lebendigkeit des Dorfes sich wiederspiegeln. Dabei gab es auch kurze Exkurse in die Vergangenheit, um der Gemeinde die besten Wünsche für die Zukunft mit auf den Weg zu geben.

Krönender Höhepunkt der Veranstaltung, die musikalisch von Gustav Hinz aus Wilster und vom Wewelsflether Blasorchester begleitet wurde, war der Festvortrag des Historikers Dr. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt. Er brachte die "Geschichte der Gemeinde Beidenfleth" auf charmante, amüsante Art in die Gegenwart. Schon seine anfängliche Bemerkung, er sei lediglich mit seiner Frau gekommen, den Rest der Familie habe er vorsorglich aus Sicherheitsgründen zu Hause gelassen, sorgte mit dem Hinweis auf den Massenmörder Timm Thode und auf einen ebenfalls zur Geschichte des Dorfes zählenden Doppelmord schon eingangs für Gelächter. Locker und interessant gestaltete er auch seine weiteren Ausführungen, denen das Publikum gespannt zuhörte und am Schluss stark applaudierte.

Danach blieb bei einem gemeinsamen Essen noch einige Zeit zum Klönschnack - über die großen Themen des Vormittags: Geschichte, Gegenwart und Zukunft eines Dorfes mit einer lebendigen Gemeinschaft.

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