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Wewelsfleth Wer hat Modell gesessen ?

Von Ilke Rosenburg | 30.04.2010, 08:30 Uhr

Er lebte gemeinsam mit seiner dritten Ehefrau streng zurückgezogen in seinem Wohnhaus in Störort, dort, wo heute das Störsperrwerk steht.

Wer ihn besuchen wollte, brauchte eine Einladung: Nicht jeder durfte dem Maler Richard Schneider-Edenkoben Modell sitzen. Und doch waren es im Laufe der Jahre viele Dorfbewohner, die er portraitierte.

"So mancher Wewelsflether, der in den 50er und 60er Jahren Modell gesessen hat, hätte sicher gern eins der Portraits in seinem Besitz gehabt", meint der Wewelsflether Wolfgang Sachse. Leider sei nach dem Tod des Malers im Jahre 1986 wenig über den Verbleib seiner Bilder bekannt gewesen. Doch vor wenigen Tagen nun erhielt Sachse einen Anruf von der Schwiegertochter des Verstorbenen, Jutta Schneider, die ihm mitteilte, dass sich die Portraits und viele Ölbilder in ihrem Besitz befinden. "Sie hat mir Fotos von den Portraits geschickt und mich gebeten, die Personen auf den Bildern zu identifizieren, da sie oft keinen Namenshinweis haben." Die 83-Jährige lebt in Bayern und sei natürlich daran interessiert, die Bilder zu veräußern.

"Wer selbst damals portraitiert worden ist oder wer von Familienmitgliedern weiß, die damals Modell gesessen haben, kann sich gern an mich wenden", bietet Wolfgang Sachse an. "Ich werde bei Interesse den nötigen Kontakt herstellen." Wolfgang Sachses Vater, Ekkehard Sachse - einst Bürgermeister in Wewelsfleth - war seinerzeit selbst von Schneider-Edenkoben portraitiert worden. "Mein Vater hat oft bei ihm Modell gesessen", erinnert sich Wolfgang Sachse. Auch er wurde - wie die weiteren Besucher - von dem Maler eingeladen. "Sonst hatte Richard Schneider-Edenkoben kaum Kontakt zu Wewelsfleth." Die Besorgungen erledigte seine Frau, oder er ließ liefern. Er selbst stand mit dem Fernglas vor der Tür und ging rein, wenn er denjenigen, der kam, eben nicht empfangen wollte. Sogar sein eigener Sohn sei, als er das erste Mal mit seiner Familie - uneingeladen - zu Besuch kam, wieder weggeschickt worden.

Für Schneider-Edenkoben sei es "eine große Enttäuschung" gewesen, als das Haus dem Sperrwerk weichen musste. "Das hat er nie verwunden." Er zog nach Nindorf bei Hohenwestedt, wo er 1986 im Alter von 87 Jahren starb.

Richard Schneider-Edenkoben hatte eine bewegte Vergangenheit. In den Biografien taucht er hauptsächlich als Schriftsteller, Regisseur und Drehbuchautor auf - mit Nazi-Vergangenheit. Er unterschrieb nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zusammen mit weiteren 87 Schriftstellern im Oktober 1933 das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler. 1938 Kaufte Schneider-Edenkoben das frühere Fährhaus in Störort in Nachbarschaft des Künstlers Karl Leipold.

In den Jahren 1942/43 geriet Richard Schneider-Edenkoben dann bei den Nazis in Ungnade. "Er hatte wohl einen weiteren Propagandafilm abgelehnt", so Sachse. Auf Rat eines Freundes verschwand Schneider-Edenkoben, er galt als fahnenflüchtig, hielt sich versteckt. Nach dem Krieg kehrte er nach Wewelsfleth zurück - als "Portraitist". Unter seiner Hand entstanden zahlreiche Portraits und etwa 300 Ölgemälde.

Kontaktadresse zum Einsehen der Portraits: Wolfgang Sachse, Dorfstraße 23, 25599 Wewelsfleth, 04829/1451