Möglicher Totschlag in Wulfsdorf : Welche Spur führt zu vermisster Andrea L.?

<p>Zwei Ermittlerinnen der Kripo suchen in einem Sperrmüllcontainer in Wulfsdorf nach Spuren der Vermissten.</p>
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Zwei Ermittlerinnen der Kripo suchen in einem Sperrmüllcontainer in Wulfsdorf nach Spuren der Vermissten.

Ermittler inspizieren Gülletanks und Müllcontainer. Dorfbewohner glauben, die Vermisste liege unter einer Betonplatte.

shz.de von
10. Januar 2018, 21:36 Uhr

Wulfsdorf | Ein Familienvater lässt eine hübsche Feuerwehrkameradin aus dem Nachbardorf bei sich einziehen. Wenig später ist seine Ehefrau verschwunden. Jetzt sucht die Polizei die Leiche von Andrea L. (41). Was für eine Tragödie hat sich im beschaulichen Wulfsdorf bei Scharbeutz (Kreis Ostholstein) abgespielt?

<p>Die Ermittler gehen davon aus, dass Andrea L. tot  ist – doch es ist ein Mord ohne Leiche.</p>
Foto: Polizei

Die Ermittler gehen davon aus, dass Andrea L. tot  ist – doch es ist ein Mord ohne Leiche.

 

Am 29. Dezember war Andrea L. nicht bei der Arbeit im Hotel „Seehuus“ in Niendorf erschienen – ohne sich abzumelden. „Sie war immer sehr zuverlässig, das passte nicht zu ihr, deshalb haben wir die Polizei informiert“, erklärte die Stellvertreterin der Geschäftsführerin gestern.

Möglicherweise hatte Andrea L. aber auch schon angedeutet, was bei ihr zu Hause passiert war: Ihr Ehemann hatte eine Kameradin der Freiwilligen Feuerwehr Pönitz im gemeinsamen Haus am Dorfrand einquartiert. Weihnachten sei zusammen gefeiert worden, berichten Nachbarn.

Danach verschwand Andrea L. spurlos. Die Ermittlungen der Mordkommission ergaben, dass sie am zweiten Weihnachtsfeiertag das letzte Mal lebend gesehen wurde. „Wir gehen davon aus, dass sie Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist“, sagt Oberstaatsanwältin Ulla Hingst. Und: „Durchsuchungen und Vernehmungen haben zu einem dringenden Tatverdacht gegen den Ehemann geführt.“ Gegen ihn sei daher Haftbefehl wegen Verdachts des Totschlags erlassen worden. Auch die Feuerwehrkameradin aus Pönitz nahmen die Ermittler mit. „Gegen sie wird derzeit aber nicht ermittelt“, so die Staatsanwältin.

Der Ehemann bestreitet die Tat. Seine Eltern erklärten gegenüber shz.de: „Unser Sohn sagt, seine Ehefrau habe am 26. Dezember ihre Koffer gepackt, um mit einer Kollegin aus dem Hotel drei Monate in die Schweiz zu fahren.“ Ihr Auto stehe noch in der Einfahrt, weil sie sich habe abholen lassen. Und den gemeinsamen zehnjährigen Sohn habe sie zurückgelassen, weil sie eben nicht die liebende Mutter war, für die alle sie hielten.

<p>Eine Polizeistreife vor dem Haus des Paares in Wulfsdorf. Der Wagen der vermissten Andrea L. steht in der Einfahrt.</p>
Foto: Eckard Gehm

Eine Polizeistreife vor dem Haus des Paares in Wulfsdorf. Der Wagen der vermissten Andrea L. steht in der Einfahrt.

 

Gab es eine Affäre mit der Feuerwehrkameradin aus Pönitz? Die Eltern versichern: „Nein, die Frau hat lediglich für ein paar Tage Schutz vor ihrem gewalttätigen Ehemann gesucht.“

Die Mordkommission hält die Version von der Reise in die Schweiz für abwegig, weil sich keine Belege dafür finden lassen. Am Mittwoch befragten Kripo-Ermittlerinnen Landwirte im Ort, ließen sich Güllebehälter zeigen. Außerdem durchforsteten sie einen großen Sperrmüllcontainer nach Spuren der Vermissten. Staatsanwältin Hingst kündigte eine weitere gezielte Aktion an. „Es laufen gerade noch Abklärungen, davon hängt ab, wo konkret wir suchen werden.“

Im Dorf gibt es ein Gerücht, wo die Leiche von Andrea L. liegen könnte. Ihr Mann hatte bis zum vergangenen Sommer in einem Baumarkt gearbeitet, war danach arbeitslos. Um Geld zu verdienen, half er bei Landwirten in der Nachbarschaft aus – und soll zuletzt ein Betonfundament gegossen haben.

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