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Wedel Wie hält es Wedel mit der Reformation?

Von jac | 21.01.2017, 16:00 Uhr

Jubiläumsjahr Immanuelkirche stellt Pläne vor

Susanne Huchzermeier-Bock, Pastorin der Kirchengemeinde Wedel-Holm, spricht 500 Jahre nach den Thesenanschlägen Martin Luthers lieber von einem Reformationsjübiläum denn von einem Lutherjahr. „Es geht um Inhalte“, sagt sie. Reformationsjubiläum betone, dass die evangelische Kirche Luther nicht nur feiert, sondern sich auch kritisch mit ihm auseinandersetzt. Zudem mache es deutlich: „Kirche ist immer zu reformieren“, der Prozess letztendlich nie vollendet.

Zum Jubiläum hat der Kirchengemeinderat der Immanuelkirche jetzt ein Programm zusammengestellt, das sowohl nationale und regionale Feierlichkeiten in den Blick nimmt als auch lokale eigene Aktivitäten auf die Beine stellt. Am Montag, 23. Januar, stellen Huchzermeier-Bock und Mitorganisator Werner Ballendat die Pläne vor. Wer sich informieren will, kommt um 19.30 Uhr in die Risthütte, Küsterstraße 4.


Fahrt nach Dessau

Die Infoveranstaltung will für die Teilnehmer nicht nur eine Schneise ins Dickicht der vielen deutschlandweiten Angebote schlagen. „Wir wollen uns auch gemeinsam auf den Weg machen“, erklärt die Pastorin. Deshalb ist eine Tour nach Dessau geplant. Und zwar von Mittwoch bis Sonntag, 24. bis 28. Mai, also während des evangelischen Kirchentags. Der findet in diesem Jahr zwar in Berlin statt, doch setzen Städte, die mit Luther in Verbindung stehen wie Magdeburg, Dessau, Weimar, Ehrfurt oder auch Leipzig, im Reformationsjübiläumsjahr unter dem Motto „Kirchentag unterwegs“ mit eigenen Veranstaltungen auch eigene Akzente. „Es macht Lust, wie witzig und geistreich die unterschiedlichen Losungen formuliert sind“, so die Pastorin. Dessau widmet sich den Themen Aufklärung und Toleranz. In der Stadt ist Luthers Römerbriefvorlesung verwahrt. Das Kirchentagsmotto lautet hier: „Forschen, Liebe, Wollen, Tun.“ Am Sonntag, 28. Mai, soll’s zum Abschlussgottesdienst des evangelischen Kirchentags gehen, der diesmal zu Ehren Luthers auf den Elbwiesen in Wittenberg gefeiert wird.

Um sich noch einmal konkret mit dem Reformator auseinandersetzen zu können, ist eine zweite Fahrt direkt nach Wittenberg geplant. Möglicherweise im Herbst, sagt Ballendat. Für genauere Planungen wollen die Organisatoren auf der Infoveranstaltung allerdings zunächst das Interesse und den Bedarf abklopfen.

Erst einmal angedacht ist ebenso ein Tagesausflug nach Berlin zur nationalen Sonderausstellung „Der Luthereffekt“, die das Deutsche Historische Museum im dortigen Martin-Gropius-Bau zeigt. Gemeinsam mit zwei weiteren Luther-Schauen in Eisenach und Wittenburg bildet sie die offizielle Ausstellungsreihe zum Jubiläum. Die Berliner Schau will laut Ankündigung die Wirkung der Reformation für das heutige Selbstverständnis sowie ihre kulturelle und politische Tragweite in Deutschland sichtbar machen.


„Luther und die Juden“

Um „Luther und die Juden“ geht es in einer Ausstellung, die im Juni in Wedel in der Risthütte Station macht. Die Schau, die seit zwei Jahren durch die Region der Nordkirche tourt, setzt auf Entmythologisierung. „Luther war durchaus im Zeitgeist gefangen“, erläutert Ballendat. Auf 18 Stellwänden beleuchten die Exponate sowie Erläuterungen das Verhältnis bewusst kritisch.

Musik und Spaß stehen beim zweiten lokalen Projekt im Vordergrund. Kantorin Susanne Krau möchte ein Luthermusical realisieren. Dafür wirbt sie um Mitstreiter. Gesucht werden 50 Kinder zwischen neun und 13 Jahren, die Lust haben im Chor oder als Solisten zum Gelingen des eigens für das Jubiläumsjahr geschriebenen Stücks von Gert Peter Münden beizutragen. Aufführungen sind für den 7. und 8. Oktober geplant.

Zum Jubiläumsjahr wurde die Lutherübersetzung der Bibel grundlegend überarbeitet. Das nehmen drei Tagesworkshops zum Anlass, um die Botschaften im Alten und Neuen Testament neu zu hinterfragen – jeweils sonnabends im Mai, Juni und Juli, kündigt die Pastorin an. Und verrät zu guter Letzt, dass sie für die Besucher der Infoveranstaltung drei interessante Buchtipps vorbereitet hat.