Stadtbücherei Wedel So können Wedeler in Zeitungen und Zeitschriften stöbern

Von Inge Jacobshagen | 24.08.2017, 12:00 Uhr | Update am 05.08.2022

Es ist ein Angebot der Bücherei, das den Körper entspannen und gleichzeitig den Geist anregen soll: Abgeteilt vom laufenden Betrieb lässt es sich prima stöbern in der Leseecke. Die vielen Zeitschriften kommen gut an.

Fünf runde Tische, drum herum jeweils drei Sessel – Kunstleder, schwarz. In der Ecke ein gemütliches Rattansofa, dessen Lehnen sich einladend zur Seite biegen. Überall stehen mächtige Grünpflanzen in Kübeln. Ein großes Panoramafenster lässt am Draußen teilhaben und spendet reichlich Licht. Davor steht ein Kaffeeautomat. Hier ist es gemütlich, ohne Zweifel. Hier lässt es sich prima aushängen.

Aus der Serie „Gratis: Aktiv in Wedel“: Mit App das Autal entdecken

Ich bin in der Wedeler Stadtbücherei. Für die Serie „Gratis: Aktiv in Wedel“ will ich ein Angebot der Einrichtung ausprobieren, das meinen Körper entspannen und gleichzeitig meinen Geist anregen soll: Ich will über den Tellerrand hinausschauen und einmal ausgiebig und ungestört in verschiedenen nationalen und internationalen Zeitungen stöbern. Online kann jeder. Neben dem haptischen Gefühl möchte ich vor allen Dingen die totale Auswahl. Das heißt unter allen Artikeln wählen und mich nicht mit einer Vorsortierung begnügen.

Die aktuellen Ausgaben gibt’s gegen Pfand

Die Couch ist belegt, dort gibt sich eine ältere Dame der Lektüre hin. Sie lässt sich nicht davon ablenken, dass ich überall herumgehe, alles inspiziere. Meine Wahl fällt auf einen Sessel mit Blick nach draußen. Soll ich gleich einen Kaffee drücken? Nein, erst einmal die Zeitungen aussuchen, sonst wird er womöglich noch kalt. Ich schaue mich um. Die Leseecke ist mit großen Regalen vom laufenden Betrieb abgetrennt. Darin liegen Zeitschriften. Beeindruckend viele verschiedene. Scheinbar lohnt es sich, über jedes noch so abenteuerliche Hobby mit nicht nur einer Publikation herauszukommen. In der Rückseite der Regale finde ich jetzt auch Zeitungen. Allerdings die von gestern und vorgestern. Wo sind die aktuellen Ausgaben?

Ich frage an der Ausleihe nach. Die Zeitungen von heute liegen an der Info, erfahre ich. Das Wedel-Schulauer Tageblatt springt mir dort ins Auge. Aber auch überregionale Presse ist zu finden. Wegen Trump wollte ich eigentlich zuerst in die New York Times gucken. „Ausländische Zeitungen führen wir nicht“, erläutert mir die Mitarbeiterin an der Info. Die Süddeutsche hab ich heute morgen schon durchstöbert. Ich greife mir die Frankfurter Allgemeine und die Zeit.

Aus der Serie „Gratis: Aktiv in Wedel“: Rundumblick über Wedel

Zahlen muss ich wirklich nichts. Ich muss nur irgendeinen Ausweis hinterlegen, es muss nicht einmal der Büchereiausweis sein. Zurück in der Leseecke sehe ich sofort, dass die Couch frei ist. Erst einmal belegen und dann zum Kaffeeautomaten. 80 Cent für einen Becher, das ist preiswert. Ich drücke mir einen Cappuccino für 1,20 Euro. Der schmeckt besser als gedacht. In den Sesseln sitzt man sehr aufrecht, auf der Couch kann man es sich richtig gemütlich machen.

Harald Schmidt hat Geburtstag. Die Kolumne dazu ist sicher lustig. Doch erst einmal bleibt mein Blick an einem Bericht über pränatale Diagnostik hängen. „Meine Freiheit foltert mich“: Eine werdende Mutter schreibt über ihren Leidensweg, nachdem bei ihrem Wunschkind Trisomie 21 diagnostiziert wurde – und sie sich gegen einen Abbruch entscheidet. Während ich festgelesen immer weiter in die Couch hineinrutsche, kommen auch andere Besucher in der Leseecke vorbei. Sie interessieren sich in erster Linie für Zeitschriften, stelle ich aus den Augenwinkeln fest. Gerade als ich zusammenpacke, taucht ein Paar auf, das sich auskennt. Sie wuchtet im Schwung einen Stapel Bücher auf den Tisch, er steuert schnurstracks den Kaffeeautomaten an. Irgendwie scheint es mir, als gäben wir uns den Lesestaffelstab in die Hand. Draußen merke ich, wie erholt ich mich fühle. Die kleine Auszeit war in der Tat erfrischend und entspannend zugleich.