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Nach Sturmschäden in Moorrege Hohe Bäume im Glinder Wald müssen für Jungpflanzen gefällt werden

Von Michaela Eschke | 26.04.2022, 06:00 Uhr

Auch die großen Bäume im Glinder Wald rings um den Waldkindergarten werden gefällt, die von Sturmschäden verschont geblieben sind. Dafür gibt es triftige Gründe. Mit rund 7500 Jungpflanzen soll aufgeforstet werden.

Die verbliebenen hohen Bäume im Glinder Wald in Moorrege rings um den Waldkindergarten werden allesamt gefällt. Eine Besprechung zwischen Bezirksförster, Bürgermeister und Waldkita-Leiterin hat ergeben, dass die übrigen rund 150 großen Bäume entweder angeschlagen oder nicht sturmfest sind. Die Stürme im Februar hatten bereits über 50 Prozent des Altbestands in dem Waldstück vernichtet. Im November soll das Terrain mit circa 7500 Jungpflanzen aufgeforstet werden.

Großteil der hohen Bäume ist bereits umgestürzt oder gefällt

Nicht standfeste, teils von innen morsche Pappeln waren bereits im Januar vom Bauhof gefällt worden. Dann kamen Mitte Februar die Orkantiefs und die hatten es in sich: 212 Bäume im Waldstück sind umgestürzt oder mussten sofort notgefällt werden, damit der DRK-Waldkindergarten weiterbetrieben werden konnte. „Nach den Stürmen mussten wir etwa drei Wochen auf das Freibadgelände ausweichen“, berichtet Leiterin Sandra Hamann.

Zurzeit nutzen die 46 Waldkinder und ihre Erzieher lediglich den vorderen Bereich des Waldes an der Tonkuhle, auf dem sich weitgehend nur noch kleine, junge Bäume befinden. Das Waldstück dahinter ist tabu, denn dort steht immer noch eine Vielzahl an abgeknickten, schiefstehenden oder halb entwurzelten Bäumen. „Der Harvester wurde bereits Ende Februar bestellt“, berichtet Moorreges Bürgermeister Wolfgang Balasus (CDU), „aber zurzeit wird er überall benötigt.“ Das schwere Holzernte-Gerät wird im Mai erwartet.

„Die Struktur des Waldes wäre sonst so instabil, dass bei jedem kleinen Wind Sturmschäden zu erwarten sind.“
Christian Rosenow, Bezirksförster

Gemeinsam mit Bezirksförster Christian Rosenow wurde nun festgelegt, dass nicht nur die beschädigten Exemplare weggenommen werden sollen – insgesamt ein Drittel des Bestands – sondern alle hohen Bäume rings um den Kindergarten. „Die Struktur des Waldes wäre sonst so instabil, dass bei jedem kleinen Wind Sturmschäden zu erwarten sind“, begründet Rosenow, der in den Bereichen Itzehoe und Pinneberg für Privat- und Kommunalwälder zuständig ist. Wegen der Waldkita und der Straßennähe gehe auf diesem Waldstück die Sicherheit vor.

Nicht so massive Eingriffe sind im Bereich des Glinder Waldes rings um die Tonkuhle und in Richtung Glindhof erforderlich. Dort müssen aufgrund der Sturmschäden nur vereinzelt Bäume gefällt werden, erklärt der Bürgermeister. Insgesamt umfasst der Wald ein neun Hektar großes Gelände, das der Gemeinde gehört, sich zum Teil aber auch in Privatbesitz befindet.

Auf 5000 Jungbäume folgen nun etwa 7500 weitere

Bereits in den letzten sechs Jahren hat es im Glinder Wald immer wieder Aufforstungsaktionen gegeben, über 5000 Jungbäume sind angepflanzt worden. Einige von ihnen wurden jetzt durch umgestürzte oder gefällte große Vettern stark beschädigt. Um aus dem Gelände wieder einen Wald zu machen, sollen etwa 7500 weitere junge Bäume gepflanzt werden – wegen der nötigen Feuchtigkeit allerdings erst im November.

„Wir werden standort- und herkunftsgerechte Pflanzen verwenden, die aus Schleswig-Holstein kommen und an die Verhältnisse angepasst sind“, erläutert Rosenow. Zu geeigneten Laubbäumen zählen heimische und amerikanische Eiche, Roteiche, Esskastanie, Hainbuche oder Linde, zu möglichen Tannen die Douglasie oder Küstentanne. Wie bei früheren Pflanzaktionen auch, werden 80 Prozent der Kosten für die Fällungen und die Aufforstung über Fördermittel von EU, Bund und Land getragen. 20 Prozent der Kosten und die Mehrwertsteuer trägt die Gemeinde.

„Das sieht zwar erst einmal nicht schön aus, diese Maßnahme der Erneuerung ist aber alternativlos.“
Wolfgang Balasus, Bürgermeister von Moorrege

Der Glinder Wald rund um den Kindergarten wird mit dieser Maßnahme zunächst zur Forstbaustelle und dann zum reinen Jungwald. „Das sieht zwar erst einmal nicht schön aus, diese Maßnahme der Erneuerung ist aber alternativlos“, sagt Bürgermeister Balasus. Kita-Leiterin Hamann ergänzt: „Dabei handelt es sich nicht um Zerstörung, sondern um Nachhaltigkeit. Wir retten, was zu retten ist.“

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Den Ist-Zustand findet sie zwar frustrierend, versucht aber das Positive zu sehen. „Aus Kinderaugen sind viele kleine Bäume immer noch ein Wald. Die Kinder, die hier naturnah aufwachsen und das alles miterleben, setzen sich auch mit dem Klima und Stürmen auseinander und können später entsprechend handeln.“ Balasus, dessen zwei Enkelkinder den Waldkindergarten besuchen, bestätigt: „Das Verhältnis der Kinder zur Natur ist vorbildlich.“