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Wedel "Man muss loslassen können"

Von Inge Jacobshagen | 22.03.2013, 01:14 Uhr

"Alles hat seine Zeit", sagt Volker König und: "Man muss loslassen können." Worauf der Vorsitzende der Behindertenarbeitsgemeinschaft Wedel (BAG) hinaus will? König hat vor auf der 100.

Sitzung der BAG am Mittwoch, 9. April, (19 Uhr, DRK Begegnungsstätte) als Vorsitzender zurückzutreten.

Aus Altersgründen habe er diesen Entschluss gefasst, bekennt der 68-Jährige. Er wolle mehr Zeit mit seiner Frau und seiner Familie verbringen. Außerdem sei es einfach gut, Platz für Jüngere zu schaffen. "Ein neuer Vorsitzender bringt neuen Schwung in den Laden und setzt vielleicht neue Prioritäten", hofft König. Jüngere Menschen sollten erkennen, dass man sich in der Gesellschaft einbringen müsse, fordert der Vorsitzende. Und hebt hervor, warum dieses Einbringen gerade in der BAG reizvoll ist: "Die Gestaltungsmöglichkeiten sind hier sehr groß."

Im Februar 2004 gründeten Marianne Braun, Waltraud Boos-Klindt und König gemeinsam die "außerparlamentarische Opposition", wie König den losen Zusammenschluss BAG auch nennt, um Behinderten in Wedel ein Sprachrohr zu geben. Zu einer Zeit, als die Stadt sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt habe, einen Behindertenbeirat einzuführen, erläutert er. Seitdem haben die Ehrenamtler eine Menge erreicht: Abgesenkte Bürgersteige für Rollstuhlfahrer, Bänke, die eine bestimmte Höhe haben, damit Gehbehinderte wieder aufstehen können, Ampeln mit akustischen und taktilen Signalen, Fahrstühle, Rampen und etwa 25 Behindertentoiletten sind nur ein Teil von dem, was die Anwälte der Behinderten durchsetzen konnten. Immer mit Volker König an der Spitze, denn die ganzen neun Jahre hindurch wurde der Mitbegründer jedes Jahr einstimmig zum Vorsitzenden wieder gewählt.

"Ich habe den Begriff Barrierefreiheit in den Köpfen der Wedeler installiert", bekennt König nicht ohne Stolz. Hinterher sein, gucken, den Finger in die Wunde legen, das sei insgesamt eine sehr befriedigende Arbeit. "Es macht sehr viel Spaß", wirbt er. Sein Nachfolger könne auch eine Nachfolgerin oder eine Gruppe sein, die Satzung lasse alles zu.

Wer sich für diese wertvolle Arbeit entscheidet, auf den kommen vor allem organisatorische Aufgaben zu: Die Sitzungen ankündigen, Protokolle überprüfen oder manchmal auch selbst schreiben, die Tagesordnung vorbereiten, in relevanten Ausschüssen präsent sein und den Kontakt zur Verwaltung halten. Die Stadt lädt zu fachdienstlichen Anhörungen ein, und seit vergangenem Jahr habe die BAG sogar auch einen Anspruch auf eine Stellungnahme auf ihre Eingaben hin, erläutert der Noch-Chef. Auf den ersten Blick vielleicht eine Menge Arbeit, doch das solle einen Nachfolger nicht abschrecken, so König. Unterstützt wird der neue Frontmann durch die Mitglieder der BAG, die alle ihr Wissen und ihre Erfahrung einbringen.

Und was will König selbst nach dem 9. April tun? Hat er Pläne für die Zeit nach dem Rücktritt? "Ich werde mich nicht aufs Altenteil setzen", verrät er. Seine Vorträge über barrierefreies Bauen, für die er in der ganzen Bundesrepublik angefragt wird, will er nach wie vor halten. Darüber hinaus steht reisen auf seinem Programm. "Und in der BAG will ich mich auch noch Blicken lassen", verspricht er. Mittwoch, 9. April, 100. BAG-Sitzung, DRK-Begegnungsstätte, Rudolf-Höckner-Straße 6, 19 Uhr.