CO2-neutrale Wärmeversorgung  Genossenschaft als Lösung für Holms Holzheizkraftwerk?

Von Bastian Fröhlig | 29.07.2022, 09:00 Uhr 1 Leserkommentar

Mit einem Holzhackschnitzel-Heizkraftwerk will Holm ein Nahwärmenetz aufbauen, das Industriegebiet, Anlieger und Gemeinde-Gebäude versorgt. Doch wie soll es aufgestellt werden?

Der Businessplan für das Holzhackschnitzel-Heizkraftwerk ist beauftragt. Während die Investitionskosten berechnet werden, macht sich die Gemeinde Holm Gedanken, wie es betrieben werden kann. Es geht vornehmlich nicht um das Ob, sondern das Wie.

„Wir sind der größte Waldbesitzer im Kreis Pinneberg“, sagte Holms Bürgermeister Uwe Hüttner (CDU) während einer Informationsveranstaltung zur „Gründung und Führung einer (Energie-)Genossenschaft“. „Wir haben reichlich Knickholz und Abfallholz, das für eine Hackschnitzelheizung ideal wäre“, betonte er.

Klar sei für ihn und die Politik: „Das Wärmenetz muss im Besitz der Gemeinde bleiben, auch der Ofen. Wir wollen nicht, dass wir den Vattenfalls dieser Welt und wie sie alle heißen, ausgeliefert sind.“ Notwendig sei aber ein professioneller Betreiber.

„Die Stadtwerke Holm gründen wäre jetzt etwas hochtrabend.“
Uwe Hüttner (CDU)
Bürgermeister Holm

Grundsätzlich tendiert die Gemeinde zu einer Genossenschaft, an der sich auch die Bürger beteiligen können. Ein weiterer Vorteil laut Hüttner: „Wenn wir bei einer Genossenschaft unter 49 Prozent der Stimmen halten, benötigen wir keine öffentliche Ausschreibung. Laut des Planungsingenieurs spart das die ersten 30 bis 40 Prozent an Kosten.“

„Es gibt viel Licht beim Genossenschaftsmodell, aber auch Schatten.“
Wilm Feldt
Energieagentur der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH)

Joachim Burgemeister vom Genossenschaftsverband der Regionen und Wilm Feldt von der Energieagentur der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) beantworteten den Holmer Politikern, aber auch Teilnehmern aus den Umlandgemeinden ihre Fragen. „Wir werden nicht alles fördern, was geht. Das machen wir nicht mit. Wir haben eine so geringe Insolvenzquote, die machen wir uns nicht kaputt“, sagte Burgemeister. Diese liege bei unter 0,1 Prozent der genossenschaftlich strukturierten Unternehmen.

Bei dem Holmer Modell sehe er derzeit aber viel Potenzial. Dennoch betonte er: „Ich habe 50 Mitglieder und alle wollen reicher werden als alle anderen – das ist nicht die Idee der Genossenschaft.“ Egal wie viele Anteile jemand halte, gelten immer die Kopfstimmen. Sollte die Gemeinde 49 Prozent der Anteile halten, habe sie dennoch nur eine Stimme.

„Nicht, wer das meiste Geld hat, hat das meiste zu sagen.“
 Joachim Burgemeister
Genossenschaftsverband der Regionen

Um eine Genossenschaft zu gründen, sei eine Initiativgruppe notwendig. Burgemeister riet zu fünf bis sieben Mitgliedern. „Was über sieben Personen hinausgeht, verlangsamt den Prozess um einen Monat pro Person“, berichtete er aus Erfahrungen.

Wichtig sei, sich schon frühzeitig Gedanken über die Besetzung des Vorstands zu machen. „Auch wenn man es sachlich und fachlich kann, braucht man jemanden, der auch die Zeit hat. Das kann niemand machen, der schon einen Zwölf-Stunden-Tag hat. Vorstand sein ist, gerade in der Anfangszeit, sehr zeitintensiv.“

„Das Umschalten von bürgerlichem Engagement zu kapitalistischem Unternehmertum ist das Entscheidende.“
Wilm Feldt
Energieagentur der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH)

Für die Startfinanzierung verwies Feldt auf die Bürgerenergiefonds. „Es geht nicht um die zweite, dritte oder vierte Million, sondern die ersten 10.000 Euro“, sagte er. Gründungskosten seien von der Förderung ausgenommen. Er riet, die Raiffeisenbank Elbmarsch eG als genossenschaftliche Bank direkt mit in die Planungen einzubinden. „Banker haben die Angewohnheit, dass sie Geld zurück haben wollen. Da sollte man früh drüber reden“, betonte Feldt. Denn gerade bei Genossenschaften sei die Finanzierung häufig ein Problem.

„Bei Energienetzten sind Sie schnell im Millionenbereich.“
Wilm Feldt
Energieagentur der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH)

Eine Gründung sei jederzeit möglich. Entscheidend sei es, einen Aufsichtsrat, Vorstand und die notwendigen Unterlagen zusammenzustellen, betonte Burgemeister. „Das ist keine Raketentechnik, um die es hier geht“, stellte Feldt klar. „Es geht um günstige Versorgung mit Wärme. Ich als Techniker sage: Leute, macht das.“

Die Gemeinde Holm will nun in den Ausschüssen über das Genossenschaftsmodell beraten. Zudem hofft man, schnellstmöglich eine Kostenschätzung zu erhalten, sagte Hüttner gegenüber shz.de.

1 Kommentar
Valerie Wilms
Die Gemeindeordnung ist da ganz deutlich: an Genossenschaften darf sich wegen des fehlenden Stimmrechts nach Anteilen eine Gemeinde nicht beteiligen. Da lohnt sich mal ein Gespräch mit der Kommunalaufsicht im Innenministerium, bevor solche unrealistischen Vorschläge zu Lasten der Gemeindekasse gemacht werden. Die Gemeinde darf ihr Eigentum nicht einfach weggeben, ohne adäquate Einflussmöglichkeit....