EBG und GHS in Wedel : Zwischen Betroffenheit und Freude – Beiträge zum Holocaust-Gedenktag

Irmgard Jasker (rechts) und Jazzsängerin Andrea Kathrin Betche freuten sich über die gute Resonanz aus dem Publikum.
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Irmgard Jasker (rechts) und Jazzsängerin Andrea Kathrin Betche freuten sich über die gute Resonanz aus dem Publikum.

Schüler von EBG und GHS haben mit ihren Beiträgen über Jugend in der NS-Zeit beeindruckt.

shz.de von
30. Januar 2018, 12:00 Uhr

Betroffenheit und Freude – zwischen diesen beiden so gegensätzlichen Zuständen schwankte das Publikum am Holocaust-Gedenktag in der Stadtbücherei. Denn was Irmgard Jasker und die anderen Mitglieder des Arbeitskreises gegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsradikalismus an diesem Abend dort auf die klitzekleine Bühne gestellt hatten, war ungeheuer beeindruckend. „Jugend gegen NS Staat“ war ihr Thema und dazu hatten sie Jugendliche der Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule (EBG) und der Gebrüder-Humboldt-Schule (GHS) geladen, die sich intensiv mit diesen Themen auseinander gesetzt hatten. Aber auch einer der Gründe, warum sich Jugendliche der Mörder-Diktatur widersetzten, erklang zwischen all den Büchern, die heute ohne Zensur erscheinen können: Swing-Musik. Damals als „Negermusik“ verboten, nun wieder als geniale handgemachte Tanzmusik gern gehört. Hier boten die „Elbsound Five“ mit ihrer Sängerin Andrea Kathrin Betche, ein Ableger des Bigband Elbsound Jazz-Orchestras, so viel Schwung und gute Laune, dass das Unverständnis für die Verbote der Nazis immens war.

Wer in der Zeit des Nationalsozialismus heimlich „Fremdsender“ wie BBC hörte, in denen Swing gespielt wurde, riskierte Wochenendkarzer, Arbeitslager und bei weiterem Weg in den Widerstand sogar das Konzentrationslager.

Auch in Hamburg gab es junge Leute, die dem hierarchischen, fremdbestimmten System, den Uniformen und der spießigen NS-Gesellschaft entkommen wollten, schilderte Herbert Diercks von der Gedenkstätte des KZ Neuengamme die Schicksale einzelner junger Hansestädter im Widerstand, die aus der Arbeiterbewegung oder der Jugendbewegung kamen. „Nie wieder wegsehen und schweigen bei Unrecht und Unmenschlichkeit“ schloss er mit den leider wieder ganz aktuellen Worten eines Hamburgers, der entkommen konnte.

Besonders beeindruckend war die Arbeit von zehn Schülern der Klassen sechs bis zehn der Ernst-Barlach- Gemeinschaftsschule, die aus den Schriften von Sophie Scholl und Anne Frank lasen und mit eine Power-Point-Präsentation im Hintergrund Bilder von Sophie und Anne zeigten. Ausgedacht hatten sich die Schüler dann noch einen fiktiven Dialog der Widerstandskämpferin der „Weißen Rose“ Sophie Scholl und der 14-jährigen Jüdin Anne Frank nach ihren gewaltsamen Toden im Himmel. „Wir wünschen, dass es Menschen geben muss, die sich widersetzen, solange Politik so verworren und böse ist.“

Pausen für Beiträge geopfert

Die Schüler haben einen großen Teil dazu geleistet und haben wochenlang ihre Pausen freiwillig dafür geopfert, innerhalb einer Geschichts-Arbeitsgemeinschaft diese Themen zu erarbeiten. Zwei Schüler und eine Schülerin der Gebrüder Humboldt-Schule lasen aus dem Buch „Hauptsache: Überleben“ von Uwe Storjohann. Der gehörte zur verbotenen Swing Jugend in Hamburg, hat seine Erinnerungen von 1936 bis 1945 aufgeschrieben und zeigte auf, dass allein der Spaß und die Begeisterung für Swing-Musik Kopf und Kragen kosten konnte.

Achim Juse von der AG gegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsradikalismus, der den Abend engagiert moderiert hatte, brachte es bei seinem Dank an die Mitwirkenden noch einmal auf den Punkt: Es sei nicht mehr fünf vor zwölf, sondern bereits fünf nach, um etwas gegen den Rechtsruck in der Politik zu tun. Ein Björn Höcke dürfe rechtsradikale Thesen vertreten. „Und dann werden diese Vögel von der AfD auch noch öffentlich eingeladen“, ereiferte sich Juse. Er überreichte den Schülern als Dankeschön einen Film über die Lebenserinnerungen der Wedelerin Marianne Wilke, die als eine der wenigen noch übrig gebliebenen Zeitzeuginnen über ihre schrecklichen Erlebnisse als Halbjüdin in Hamburg berichten kann.

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