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Bürgermeister-Wahl : Zweikampf um das Wedeler Rathaus

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Einziges offizielles Rededuell zwischen Niels Schmidt und Claudia Wittburg. 300 Besucher im Saal.

shz.de von
erstellt am 29.Jan.2016 | 16:00 Uhr

Wedel | Der Dreikampf um das Wedeler Rathaus ist nach dem Rückzug von SPD-Kandidat Eckhard Frahm zum Duell geworden. So stritten am Mittwochabend Niels Schmidt und Claudia Wittburg – beide parteilos – in der Aula des Ristgymnasiums um die Gunst von zirka 300 potenziellen Wählern im Saal. Joachim von Allwörden, Vorstand des Städteverbands Schleswig-Holstein, moderierte die Veranstaltung kompetent.

Auf der einen Seite saß der Amtsinhaber: in Wedel geboren und aufgewachsen, kennt jeden Winkel des Rathauses. In der amerikanischen Politik würde man sagen: Der „Insider“. Schmidt gegenüber hatte „Outsider“ Wittburg Platz genommen. Weniger Erfahrung, dafür aber ein unverstellter Blick und keine Belastung durch bestehende Strukturen. Soweit die Theorie. In der Praxis bedeutete dies: mehr Zündstoff, zumindest im Vergleich zum zahmen ersten Abtasten Ende November im „mittendrin.“

Dem aktuellen Rathauschef warf Wittburg mangelnde Transparenz vor. Sie forderte: „Schluss mit der Klüngelwirtschaft“, sprach von einer „Klagekultur“ in der Stadt und sagte mit Blick auf die Fördermittel zur Kita-Finanzierung: „Es kann nicht sein, dass sich niemand darum kümmert, wenn der Kreis Geld abzweigt.“ Schmidt reagierte frostig: „Wenn Sie von Kungelei sprechen, beleidigen Sie nicht nur mich sondern auch meine Mitarbeiter – wir machen im Rathaus einen guten Job.“ Er forderte Wittburg auf, konkrete Beispiele zu nennen.

Die Kinderbetreuung in der Rolandstadt

Ein großes Thema: Die Kinderbetreuung in der Rolandstadt. Kein Wunder, schließlich war der Kampf gegen die steigenden Kosten für Eltern Wittburgs Anlass zur Kandidatur. Die Mutter zweier Kinder forderte erneut einen Elternbeitrag, der nicht höher sei als zehn Prozent des Nettoeinkommens. Finanzieren möchte die Kandidatin das Vorhaben durch einen besseren Einsatz von Landes- und Bundesmitteln. „Die Fördermittel steigen und die Gebühren werden trotzdem erhöht – wo kommt das Geld an?“, fragte Wittburg. Schmidt entgegnete: „Sie unterstellen immer, die Zuschüsse seien zur Entlastung der Eltern gedacht – dabei ächzen auch die Kommunen unter der Belastung durch die Kita-Finanzierung.“ Letztlich, so Schmidt, müsse die Gebührenhöhe auf Landesebene geklärt werden. Ohne entsprechende Unterstützung aus Kiel würde ein beitragsfreies Kita-Jahr die Stadt 2,6 Millionen Euro pro Jahr kosten. „Das können wir nicht finanzieren“, so der Bürgermeister.

Beim Thema Finanzen gab sich Wittburg + ebenfalls angriffslustig, unterstrich ihre Erfahrung als gelernte Bankkauffrau. Sie machte Schmidt mit für den Anstieg der Schulden in der Rolandstadt verantwortlich. Es könne nicht sein, dass der Bürgermeister von den sinkenden Gewerbesteuereinnahmen überrascht worden sei. Um die Einnahmen der Stadt zu steigern, setze sie auf den Businesspark am Elbufer. Dem Schuldenvorwurf hielt Schmidt entgegen: „Die Haushaltssatzung ist das Hoheitsrecht des Rates.“ Der Verwaltungschef verwies an diesem Abend mehrfach auf die Grenzen der Gestaltungsmöglichkeiten seines Amts. Er fügte hinzu: „Wenn wir die Schulden durch laufende Verwaltungskosten angehäuft hätten, wäre ihr Vorwurf richtig. Wir haben aber investiert.“ In Sachen Verkehr sprach sich Schmidt grundsätzlich für Nordumfahrung und einen zweiten S-Bahn-Halt aus. Er machte aber die Schwierigkeiten bei der Finanzierung der Projekte klar. Seine Herausforderin hofft, durch intensive Gespräche – zum Beispiel mit der Bahn – etwas bewegen zu können: „Ich bin Optimistin.“

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