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Wedel-Schulauer Tageblatt

22. August 2017 | 00:07 Uhr

Zum 600. Mal gegen das System

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

MontagsdemoWedeler Sozialforum demonstriert seit 2004 jede Woche für mehr Gerechtigkeit und Bezüge für Arbeitslose

Montag für Montag ist es ein gewohntes Bild auf dem Wedeler Rathausplatz: Hans-Günter Werner und seine Mitstreiter vom Wedeler Sozialforum stehen bei Sonnenschein, bei Regen und auch bei Frost auf dem Platz und demonstrieren für mehr soziale Gerechtigkeit.

In dieser Woche gab es etwas zu feiern: Es war das 600. Mal, dass die Montagsdemo in Wedel abgehalten wurde. Mit einem Kuchen feierten die Vereinsaktiven das Jubiläum. Es war allerdings auch das einzige, was sie feiern konnten. Denn nach wie vor herrsche große Ungerechtigkeit denen gegenüber, die arbeitslos werden, es bleiben und dann zu „Hartz IV“-Beziehern werden, erklärt Werner. Der in den Ruhestand versetze Pastor aus Wedel erinnert sich an die Anfänge im Jahr 2004: „Noch bevor ‚Hartz IV‘ in Kraft trat, sind wir auf die Straße gegangen. Denn anfangs klang das Konzept gut, doch in der praktischen Umsetzung bedeutet es, dass fast alle Arbeitslose in die Armut abrutschen.“ Er berichtet, wie er es am eigenen Leib erfahren musste, nachdem seine Frau ihren Job verloren hatte. „Da musste ich alles übernehmen, und unser Familieneinkommen lag bei 900 Euro.“

Auf Gerhard Schröder (SPD) und die in seiner Regierungszeit eingeführten Änderungen für Arbeitslosengeldbezieher ist Werner nicht gut zu sprechen. „Schröder hat die Partei zu ‚Hartz IV‘ erpresst“, meint er und sieht sich in der Pflicht genau daran jeden Montag weiterhin zu erinnern. In seinen Augen liegt auch heute noch die Verantwortlichkeit bei den Politikern. Zu den Forderungen des Sozialforums gehören beispielsweise Extrazahlungen für Kinder und Jugendliche, 550 Euro Grundsicherung für Arbeitslose, keine sanktionierten Bezugskürzungen und ein Mindestlohn von 14 Euro bei einer 30-Stunden-Woche Regelarbeitszeit.


Forderung: „Arbeit für alle“


Ein bedingungsloses Grundeinkommen, wie es schon seit Jahren im Gespräch ist und mittlerweile in Europa auch schon ausprobiert wird, will er nicht auf die Agenda nehmen. „Da haben sich die Liberalen und Wirtschaftsvertreter zu stark eingebracht. Außerdem wollen wir ja gar nicht mehr Geld. Wir wollen eigentlich, dass die Menschen aus der Arbeitslosigkeit kommen“, erklärt der Initiator.

„Arbeit für alle“ lautet deshalb die stete Forderung der Montagsdemo in Wedel. Und neben der Kritik an der Politik, die das ermöglichen solle – oder alternativ die Bezugssätze anpassen müsse, stehen die Behörden in seiner Schusslinie. Nicht die Mitarbeiter selbst, wie er betont, sondern dort auch das System. „Die Kürzungen werden doch von oben angeordnet“, ist er überzeugt. Dazu kämen teilweise chaotische Strukturen, in denen sich die Betroffenen nicht wieder- und schon erst recht nicht zurechtfinden würden. Deshalb begleitet Werner als Geschäftsführer der Arbeitslosenselbsthilfe immer wieder Hilfesuchende auf die Ämter, um zumindest punktuell einzelnen zu ihrem Recht verhelfen zu können. „Wir wollen das System von unten nach oben verändern“, zeigt er sich auch nach der 600. Montagsdemo noch kämpferisch. Für ihn steht fest, dass er solange jede Woche auf dem Wedeler Rathausmarkt stehen wird, wie es nötig ist. „Wir haben Hoffnung, dass sich die Situation nach der nächsten Bundestagswahl verbessern wird“, erklärt der Pastor im Ruhestand.

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erstellt am 08.Feb.2017 | 16:00 Uhr

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