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Wedel-Schulauer Tageblatt

22. August 2017 | 21:00 Uhr

Wedel : Zu wenig Zeit zum Umsteigen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Fahrplanänderung für den 289er Bus: „Mehr Sicherheit Moorweg-Gebiet“ hat bereits 1000 Unterschriften für die Forderung gesammelt.

Wedel | Es ist immer das Gleiche, und nicht nur Jochen Dahm hat es gründlich satt. Wenn der 72-Jährige mit dem 289er Bus aus der Moorwegsiedlung am Wedeler Zob aussteigt, um mit der S-Bahn weiter Richtung Hamburg zu fahren, verpasst er regelmäßig den Anschluss. „Wenn man ankommt und nicht so gut zu Fuß ist, sieht man nur noch die Rücklichter der S-Bahn“, schimpft Dahm.

Vielen Anwohnern geht es ebenso. Die Initiative „Mehr Sicherheit Moorweg-Gebiet“ (MSM), dessen Vorsitzender Dahm ist, hat deshalb eine Aktion gestartet. Sie sammelt Unterschriften, um eine neue Taktung zwischen Bus und Bahn zu erreichen. Die Forderung: „Wir möchten, dass der Fahrplan des 289er Busses sich um sieben, acht Minuten verschiebt – mehr wollen wir nicht“, erklärt Dahm.

Etwa 1000 Unterschriften liegen bereits vor. Der zurzeit 70 Mitglieder starken Initiative, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert, fehle es mittlerweile ein wenig an „Manpower“. Seit Spätsommer geht eine Dame in der Moorwegsiedlung von Haustür zu Haustür. Das Geschäft ist mühselig, aber ergiebig. „Wir finden überwiegend offene Türen vor“, berichtet der Vorsitzende. Der knapp 5000-Einwohner-Stadtteil zählt etwa 1200 Haushalte. Ein Drittel sei geschafft. Rechnet man die Zahlen hoch, darf MSM mit 3000 Unterschriften rechnen. Die sollen Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) übergeben werden.

Das Problem des unzulänglichen Anschlusses taucht sowohl beim Umstieg vom Bus in die S-Bahn, als auch umgekehrt beim Wechsel von der S-Bahn in den Bus auf. Die Fahrpläne gewähren in den meisten Zeiten drei Minuten für den Weg, selten zwei oder vier Minuten. Verspätet sich der 289er, ist der Anschluss überhaupt nicht mehr zu schaffen. Das sei nicht erst jetzt so, das sei schon immer so, schimpft Dahm. Die Initiative bemüht sich seit 15 Jahren um einen besseren Takt. Man sei über die Ausschüsse gegangen und über die politischen Parteien. „Dort sind wir nicht auf viel Gegenliebe gestoßen“, berichtet der Vorsitzende.

Verzahnte Fahrpläne

Dass die gesamten Fahrpläne des Hamburger Verkehrs Verbunds (HVV) als Betreiber von Bus- und S-Bahn-Linie miteinander verzahnt sind, ist auch der Initiative klar. Ebenso, dass eine Veränderung in einem Plan viele weitere Veränderungen in weiteren Plänen nach sich zieht. Doch in diese Richtung argumentiert der HVV nicht. Auf Anfrage dieser Zeitung erklärt Pressesprecherin Silke Seibel das Problem als ein immanentes der Ringlinie 289. Sie bringt die Fahrgäste zur S-Bahn und nimmt sie nach kurzer Standzeit wieder auf. Gibt man an einer Stelle mehr Zeit zum Umsteigen hinzu, fehle sie an anderer Stelle. „Aus diesem Muster käme man nur heraus, wenn man die Schleife doppelt bediene“, schreibt Seibel. Bedeutet: ein zweites Fahrzeug und „erhebliche Mehrkosten für die Stadt“. Dahm kann das nicht mehr hören: „Immer das Totschlagargument Geld. Das ist für mich kein Argument“, kontert er.

Das Problem müsse analysiert werden, sagt Bürgermeister Schmidt auf Nachfrage. „Wir haben nur mittelbar Einfluss darauf“, gibt er zu Bedenken. Aber er versichert: „Wenn wir eine Chance sehen zu helfen, dann tun wir das sicherlich.“

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