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Wedel-Schulauer Tageblatt

24. November 2017 | 03:11 Uhr

Zauberhafte Klänge alter Instrumente

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Benefizkonzert Canzonetta Nord begeistert

„Was kann man Besseres tun an so einem grauen Oktobertag, als Musik zu hören?“ Mit diesen Worten begrüßte Pastorin Maria von Bar am Sonnabend etwa 50 Gäste in der Moorreger St.-Michael-Kirche zu einem Benefizkonzert mit dem Ensemble Canzonetta Nord. Da es ein Auftritt zugunsten der Finanzierung des Flügels war, das Orchester aber nur mit Streichern besetzt ist, hatten sich der Gründer des Ensembles Wolfgang Anton und die Sängerin Doritha Schwier zu Beginn des Abends eine „Ersatzlösung“ ausgedacht und spielten vierhändig zwei kleine Stücke auf dem Instrument. Für Anton eine Premiere, bei der sich der 85-jährige Bratscher wacker schlug, um danach umso intensiver an seinen vertrauten, zum Teil selbst gebauten historischen Instrumenten zu brillieren. Sie sind das Besondere am Ensemble Canzonetta Nord mit Anton wahlweise an der Viola d’ amore, dem Quinton oder am Baryton, der Violinistin Taly Almagór, dem Bratschisten Volker Eggers, Brigitte Heinrich wechselnd am Violoncello oder Kontrabass und der Sopranistin Schwier.

Das Quintett versteht es großartig, altbekannter Musik mit eigenen Streich-Arrangements einen neuen, ganz eigenen Charakter zu verleihen. Anton, der „vielsaitige“ Musiker und Komponist, sagt dazu, er habe versucht, sich vorzustellen, wie die Musik damals geklungen habe, bevor die alten Instrumente wie die Viola d’amore, die Viola pomposa, ein Quinton, ein Baryton oder die Paukenlade in der Musikwelt langsam in Vergessenheit gerieten. Auch das heutige Klavier klinge sehr hart und laut, besonders bei Triosonaten mit Kompositionen aus der Zeit des Hammerklaviers im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert. Das hätten ihn und das Ensemble dazu bewogen, auch reine Klavierstücke für Streicher zu arrangieren und sie wieder authentisch erklingen zu lassen, so der Heistmer Musiker, der Jahrzehnte im Orchester der Philharmoniker in Hamburger gespielt hat.


Eine 300 Jahre alte Anleitung als Vorlage


So wurde die Sonate e-moll für Klavier und Violine von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) von dem Streichquartett mit Quinton, Violine, Violoncello und Viola exzellent interpretiert. Oder das Trio für Viola, Baryton und Kontrabass von Joseph Haydn (1732-1809) durch die von Schwier angeschlagene Paukenlade intensiver. Das kistenartige Instrument mit dem sanften Trompetenklang wurde von Anton vor einigen Jahren nach einer 300-Jahre alten Anleitung gebaut. Ihr Name war ursprünglich „Seltsames Heer-Paukeninstrument zum Tromben“.

Besonders beeindruckend waren die von Schwier sehr berührend gesungenen drei polnischen Lieder von Frédéric Chopin (1810-1849) für Viola, Violine, Violoncello, Sopran und einer hinreißenden Viola d’amore. Speziell das Lied „Die Verlobte“ mit aufregenden Läufen, die an sturmgepeitschte Wellen erinnerten und in perfektem Wechselspiel der Musiker zum klaren Sopran von Schwier gespielt wurden. Am Ende des Konzertabends gab es viel Applaus von dem begeisterten Publikum. Die alten Instrumente wurden von den Gästen betrachtet und ihnen erklärt. Für den Kauf des Flügels wurden 353 Euro eingespielt.


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