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Wetterkapriolen in Wedel : "Xaver" war dagegen ein Schwächling

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Möglicherweise ein Tornado: 18 Meter langer Stall wird Freitag von plötzlichen Böen mitgerissen - Pferde bleiben unverletzt.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2014 | 16:00 Uhr

"Xaver" und "Christian" - diese Stürme waren in aller Munde. Das aktuelle Tiefdruckgebiet ist es nicht. Doch während "Xaver" im Dezember spurlos an dem Reitstall von Anja Schernikau vorbeizog, sorgte die Wetterkapriole am vergangenen Freitag dort für großen Schaden. Schernikau war Freitagabend zuhause, wunderte sich über den Kurzzeitsturm. "Zehn Minuten später war es wieder vorbei", sagt die Wedelerin und fügt hinzu: "Ich dachte, es war bloß eine Böe." Als sie allerdings einen Tag danach in ihre Reitschule fuhr, staunte sie über die Kräfte, die der Sturm bewegt hatte.

"Eine Reiterin hatte mich noch angerufen und gesagt wir hätten Sturmschäden - ich dachte, es sei nicht so schlimm. Vielleicht ein zwei Ziegel, die vom Dach gefallen sind." Als sie dann beim Hof ankam, traute sie ihren Augen kaum: Der Stall stand nicht mehr dort, wo er hingehörte. Die Konstruktion wiegt mehrere Tonnen“, so die 42-Jährige. Außerdem sei sie mit Stahl und Beton im Boden befestigt gewesen. Der 18 Meter lange und drei Meter breite Stall flog laut Schernikau zehn bis 15 Meter weit auf eine Brombeerhecke - die Grenze zum Nachbargrundstück. Die Szenerie lässt vermuten: Der Stall wurde durch eine starke Böe mehrere Meter in die Luft gehoben, riss einen Bauwagen mit. Dieser wurde ehemals von den Reitern für Sattelzeug genutzt. Er liegt nun zerstört auf der Seite.

Gerade erst vor vier Wochen sei der Unterstand fertig gestellt worden. „Zwölf Meter des Stalls dienten als Schutz für die Tiere, unter den restlichen sechs Metern wurde Stroh gelagert“, sagt Schernikau. Die Fassungslosigkeit ist der Reitlehrerin zwei Tage später noch anzumerken: „Es ist einfach unvorstellbar.“

"Es kann sich um einen Tornado handeln"

Der Stall steht auf einer Koppel und dient als Teil der Abzäunung. Auch von Freitag auf Sonnabend waren Pferde dort. Sie blieben unverletzt. Ohne die Abgrenzung aber war die Koppel offen - die Tiere hätten freie Bahn gehabt. "Fünf Isländer waren das – zum Glück sind sie nicht weggelaufen", sagt Schernikau erleichtert.

Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) kennt sich mit solchen Wetterphänomen aus. Auf Anfrage dieser Zeitung sagte er: "Es gab am vergangenen Freitag viele Sturmböen. In Nord-Hessen gab es aller Wahrscheinlichkeit nach sogar einen Tornado. Ursache dafür war eine Gewitterfront, die von Norddeutschland bis in den Osten zog", so Tornado-Experte Friedrich. Bis Windstärke elf und einer Geschwindigkeit von 115 Kilometer pro Stunde seien die Stürme am Freitag gemessen worden. "Lokal kann das aber auch durchaus mehr gewesen sein", sagt der Meteorologe. Im Falle der Schernikaus handele es sich wahrscheinlich um eine sogenannte Böenwalze - es könne sogar kurzzeitig ein Tornado gewesen sein. "Wenn von unten Auftrieb entsteht, dann kann auch eine 20 oder 30 Meter lange Dachkonstruktion abheben, als wäre sie ein großes Segel - egal wie schwer sie ist", erklärt er.

Insgesamt sei ein Schaden von 7000 bis 8000 Euro entstanden, so Schernikau. Sie hofft nun, dass noch ein paar Teile des Stalls zu retten sind. "Wenn das Stahlgerüst nicht allzu verbogen ist, dann geht es."

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