Moorrege : Wohnraum für Flüchtlinge gesucht

Regina Klüver ist erste Ansprechpartnerin für Flüchtlinge im Amt Moorrege.
Regina Klüver ist erste Ansprechpartnerin für Flüchtlinge im Amt Moorrege.

Mehr als 130 Menschen werden vom Amt Moorrege betreut. Betten müssen inzwischen im Handel gekauft werden.

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30. Dezember 2014, 16:00 Uhr

Moorrege | Die Zahl der Flüchtlinge und Asylsuchenden in der Bundesrepublik steigt und steigt. Die Unterbringung der Menschen wird dabei auf die Kommunen abgewälzt. Planungssicherheit? Fehlanzeige. Beim Amt Moorrege ist Verwaltungsfachangestellte Regina Klüver erste Ansprechpartnerin. Die rechte Hand von Moorreges Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg (CDU) ist dank ihrer jahrzehntelangen Berufserfahrung nicht aus der Ruhe zu bringen. Auch dann nicht, wenn kurz vor Weihnachten eine fünfköpfige Familie aus Serbien plötzlich vor der Tür steht. Weinberg lobt: „Sie findet immer eine Lösung.“

Mehr als 130 Männer, Frauen und Kinder werden derzeit im Amtsbereichs beherbergt. „In Moorrege ist der freie Wohnungsmarkt inzwischen ausgereizt“, sagt Weinberg. 18 Immobilien wurden bereits angemietet. Sie befinden sich außer in Moorrege in Holm, Uetersen und Heist. Außen vor bleiben die Gemeinden Groß Nordende und Neuendeich. Sie seien zu schlecht erschlossen. „Die Wohnungslage ist im Moment ganz schlecht, aber bisher hat es geklappt“, sagt Klüver. Da der Zustrom nicht abreißen wird, müssen zwingend weitere Unterbringungsmöglichkeiten her. „Wir überlegen, in Moorrege Container aufzustellen“, sagt Weinberg. Im Münsterweg bestehe dazu die Möglichkeit.

Zu Klüvers Klientel gehören etwa 15 Kinder vom Babyalter bis 15 Jahre. Zwei ihrer Schützlinge besuchen bereits Kindertagesstätten, beide von der evangelischen Kirche getragenen Einrichtungen, in Appen und Moorrege.

Die Menschen kommen unter anderem aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und Irak, Armenien, der Türkei und Eritrea. Wie klappt es da mit der Verständigung bei so vielen Sprachen? Klüver lacht: „Mit Händen und Füßen.“ Da viele bereits Familie oder Bekannte in Deutschland haben, werden auch diese mit einbezogen. Zudem hat die Diakonie Dolmetscher, die von Klüver eingesetzt werden können.

Aber nicht nur die Unterbringung stellt die Kommunen vor ein Problem. Im Haushalt des Amtes Moorrege sind allein für die Miete 300  000 Euro für 2015 eingeplant. Mit der Gewährung von Sozialleistungen hat Klüver hingegen nichts zu tun. Das wird zentral über die Stadtverwaltung Tornesch abgewickelt.

Auch die Wohnungseinrichtungen werden inzwischen kostspieliger. „Wir müssen schon Betten kaufen – die Sozialkaufhäuser sind leer.“ Spenden von Möbeln, Kleidung und Haushaltsgegenständen kann Klüver nicht annehmen. „Wir haben keine Lagermöglichkeiten“, sagt sie. Und verweist auf die Sozialkaufhäuser, von denen sie dann das Benötigte für kleines Geld ersteht.

Wird sich die Lage in den kommenden Monaten entspannen? „Nein“, sagt Klüver. Denn unabhängig davon, ob die Hilfesuchenden in Deutschland bleiben dürfen oder nicht: In den Wintermonaten gibt es keine Abschiebung. Klüver: „Bis zum 31. März passiert da gar nichts.“

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