Wo die Welt am seidenen Faden hängt

Reepschlägerhaus zeigt Werke von Joachim Bereuter

shz.de von
11. Juli 2015, 16:00 Uhr

Ein gewaltiges Kreuzfahrtschiff mit Kussmaul am Bug steuert durch Nebelschwaden. Neben dem Wasser Landschaftsidyllen einer heilen Welt, lockend wie Plakate der Fremdenverkehrswerbung. Doch der Planet Erde selbst hängt an einem seidenen Faden und der ist schon gefährlich zerschlissen. Umgeben ist das apokalyptische Bild dann wieder von behaglichen Stillleben mit Früchten, mit Blütenpracht, mit aufgeschlagenem Buch neben Weinglas und behäbiger Pfeife. Nostalgisch als seien sie von niederländischen Meistern inspiriert.

Das alles sind Motive von Joachim Bereuter, dem weltweit erfolgreichen Wedeler Maler. Eine Ausstellung im Reepschlägerhaus, Schauenburgerstraße 4, gibt bis Ende August einen faszinierenden Einblick in das vielseitige und vieldeutige Schaffen des Künstlers.

Die Zahl der Bereuter-Fans ist Legion. In die alte Reepschlägerkate drängten sich zur Vernissage so viele wie irgendwie hineinpassten. Und noch ehe die Veranstaltung recht begann, hatte ein Gemälde bereits einen Käufer gefunden. Andere waren längst stolze Besitzer wie Anke Marckmann aus Pinneberg. „Ich habe drei davon zu Hause“, strahlte sie.

Was macht einen Künstler so erfolgreich? Bereuters Hamburger Malerkollege Gerhard Erich Dieckhoff ging auf die leichte Identifizierbarkeit eines „Bereuter“ ein. Da ist etwa der altmeisterlich anmutende Malstil mit seiner bis zum letzten Detail ausgeprägten handwerklichen Perfektion. Der trägt dem Künstler oft das Etikett „Fotorealist“ ein. „Viel zu vereinfachend“, lautete der Kommentar dazu. „Neusachlich“ ist eine andere gern verwendete Schublade für Bereuters Stillleben, die dank einer meisterhaften Maltechnik die perfekte Illusion von Dreidimensionalität erzeugen.


„Er guckt hin und guckt dahinter“


Doch das alles wird dem Hintergründigen nicht gerecht. Bereuter will nicht nur etwas darstellen, sondern auch etwas aussagen, etwas bewirken. „Er guckt hin und guckt dahinter“, umschrieb Dieckhoff diesen Aspekt von Bereuters Kunst. Der Maler selbst deutete auf seine „Welt am seidenen Faden“. Das müsse den Betrachter doch wach rütteln. Es geht eben auch um Umwelt, dann wieder um Soziales.

Aber immer so verpackt, dass es gut verkäuflich bleibt. In Deutschland, in Texas oder wo sonst das Sammlergeld locker genug sitzt. Wie Bereuter sich selbst präsentiert, wie er über seine Kunst und seine Arbeitsweise spricht und mit Anekdoten aus seinem Leben spickt, das zeigt: Auch von gutem Marketing versteht der Künstler eine Menge. Wer diesen angesagten Maler persönlich erleben will, kann das bis zum Ende der Ausstellung am 31. August. Denn bis dahin ist Bereuter an jedem Sonntag von 15.30 bis 16.30 Uhr im Reepschlägerhaus anzutreffen.



zur Startseite
Karte

Kommentare

Leserkommentare anzeigen