zur Navigation springen
Wedel-Schulauer Tageblatt

21. Oktober 2017 | 01:48 Uhr

Holm : Witz auf leisen und schnellen Sohlen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Hervorragende Stückauswahl: Die Theaterwerkstatt liefert mit „Funny Money“ beste pointenreiche Unterhaltung ab.

Mit Witz auf leisen und schnellen Sohlen hat das Ensemble der Holmer Theaterwerkstatt bei seiner Premiere von „Funny Money“ das Publikum im Dörpshus köstlich unterhalten. Als der Londoner Henry Perkins (Marcus Stocker) am Abend seines Geburtstages nach Hause kommt, hat er keine Augen für seine Frau Jean (Janine Haan), sondern bucht zielstrebig den nächsten Flug „irgendwohin“, wo man kein Visum braucht. So kennt Jean ihren Mann nicht.

Der Grund für Henrys Hast: Auf dem Nachhauseweg hat er den falschen Aktenkoffer gegriffen und nun fünf Millionen Euro in bar. Vor dem Besitzer des Geldes aus dem Land fliehen? Ehefrau Jean ist mit den Nerven runter. Nicht genug: Sergeant Davenport (Gerd Leichsenring) ist Henry vom Pup, wo dieser mehrfach auf der Toilette das Geld gezählt hatte, gefolgt und beschuldigt ihn der Unzucht. Henrys Strategie: Lügen. Taxifahrer Bill (Michael Höhs) will das Ehepaar zum Flughafen fahren.

Betty (Svenja Kunz) und Vic (Florian Isachsen) kommen wie verabredet zum Geburtstagsdinner vorbei. Und als Sergeant Slater (Gottfried Stockmeyer), Henry tot wähnend, die Nachricht überbringt, dass man eine gefesselte Leiche mit Henrys Aktenkoffer in der Themse gefunden hat, wird die Lage nicht nur bedrohlich, sondern es spinnt sich auch ein spontanes Geflecht aus Lügen und Schwindel, bei dem die Figuren die Übersicht zu verlieren drohen.

Temporeich und ohne Längen

Zwei Jahre ist Ray Cooneys „Funny Money“ Mitte der 1990er-Jahre erfolgreich im Londoner „West End“ gelau-fen – für die Holmer Theaterwerkstatt eine hervorragende Wahl. Pointenreich und witzig kommt das Stück daher, ohne sich darum zu bemühen, besonders geistreich zu sein. „Funny Money“ - großartige, leichte Unterhaltung. Unter der Regie von Gaby Lipp gelingt es dem Ensemble, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Temporeich und ohne Längen feiern die Mimen ein humoriges Fest, das sich durch das besonnene Spiel auszeichnet: Statt zu übertreiben wird so der Witz der Situation geschärft. Stocker gibt den biederen Bürohengst Henry, der durch den Koffer voller Geld zum einfallsreich-schwindelnden Leben erweckt wird und die treibende Kraft des Bühnen-stücks ist, nüchtern wie präzise. Seine kongeniale Partnerin ist im ersten Drittel vor allem Haan als „Nervenbündel“ und Ehefrau Jean. Ihr gelingt der Spagat, die zunächst zimperliche und – mit steigendem Alkoholpegel – später zunehmend enthemmte Figur nicht entgleisen zu lassen.

Mit seinem latenten Sarkasmus weiß Isachsen zu überzeugen, dessen Vic in der zweiten Hälfte des Stückes ständiger Hort von Witz ist. Kunz spielt dessen Ehefrau Betty überraschend doppelbödig: Risikobereitschaft und Schamlosigkeit der Figur kommen unerwartet. Thea-terwerkstatt-Neuzugang Leichsenring gibt den abge-halfterten, aber durchtriebe-nen Sergeant Davenport mit rauchig-heiserer Stimme wie einen auch moralisch abgewrackten Tatort-Kommissar der 1980er Jahre. Stockmeyers rechtschaffener Sergeant Slater kommt – mit Fliege – dagegen wie der Schatzmeister eines britischen Polo-Clubs daher. Eine vorzügliche Variante eines Londoner Taxifahrers gibt Höhs mit norddeutschem Akzent. Nie erklang „zerdeppert“ in einer Londoner Wohnung so schön. Als „Ein Passant“ ist Jürgen König mit fremdländischem Zungenschlag zu sehen und hören.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen