Wirtschaft in Moorrege boomt

Die Firma Ossenbrüggen Feinwerktechnik ist weiter auf Expansionskurs und hat gerade eine neue Halle angebaut.
1 von 2
Die Firma Ossenbrüggen Feinwerktechnik ist weiter auf Expansionskurs und hat gerade eine neue Halle angebaut.

Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg (CDU) ist zufrieden mit der Entwicklung in seiner Gemeinde / Drei große Gewerbesteuerzahler

shz.de von
01. August 2018, 16:00 Uhr

Eine starke Wirtschaft bedeutet kurze Wege für die Mitarbeiter vor Ort und Geld fließt in die Gemeindekasse. Deshalb setzt Moorrege alles daran, um Unternehmen und Handwerksbetriebe zu fördern. „Unsere heimische Wirtschaft ist stabil und zum Teil auf Expansionskurs“, sagt Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg (CDU) auf Nachfrage unserer Zeitung. Und er ergänzt: „Unsere Rahmenbedingungen können nicht besser sein, als sie es sind.“

Die Gemeindekasse ist gut gefüllt, obgleich die Bürger im Vergleich zu anderen Orten und Städten niedrige Steuern zahlen. Die Grundsteuer liegt bei 260 Prozentpunkten, die Gewerbesteuer bei 310. Mehr als 300 Gewerbe sind in Moorrege angemeldet. „Rein rechnerisch können wir den größten Teil unserer Arbeitnehmer mit Arbeitsplätzen versorgen“, meint Weinberg.

Von den 322 Betrieben bezahlen allerdings 225 keine Gewerbesteuer, das sind immerhin 69,88 Prozent, berichtet der Bürgermeister. Acht Betriebe führen bis zu 500 Euro Gewerbesteuer ab, 13 Unternehmen 500 bis 1000 Euro, 73 Betriebe 1000 bis 50 000 Euro und drei bezahlen mehr als 50 000 Euro. Aber nicht nur die besonnene Wirtschaftsförderung sorgt für gefüllte Kassen. „Wie haben eine sehr gute Bürgerstruktur“, analysiert Weinberg. Denn die Gewerbesteuer sei zwar eine wichtige Einnahmequelle, aber die Kommunen seien mit 15 Prozent auch an der Einkommenssteuer beteiligt.

Der Branchenmix ist vielfältig, auch die Computerbranche sei sehr aktiv, so Weinberg. Ein großer Steuerzahler sei die Nordmark, die auf Moorreger Gebiet erhebliche Erweiterungsflächen habe. So befindet sich die Schlangenfarm, die für die Arzneimittelproduktion wichtig ist, auf Moorreger Gebiet. Vor fünf Wochen sei hinter der Farm ein Bürogebäude für etwa 25 bis 30 Mitarbeiter entstanden. „Die Entwicklung geht weiter“, kündigt Weinberg an. Deshalb sei eine Bebauungsplanänderung in Arbeit. Es gebe eine enge Abstimmung mit der Nachbarschaft. „Da sind die Grünen mit im Boot“, erläutert der Bürgermeister auf Nachfrage, denn nach der Kommunalwahl im Mai hat die CDU-Fraktion keine absolute Mehrheit mehr und ist auf die Stimmen der beiden Grünen Gemeindevertreter angewiesen. „Wir treffen uns regelmäßig und führen einen fruchtbaren Dialog.“ Zu den Plänen der Nordmark will er keine Einzelheiten mitteilen. „Wir müssen für die Standortsicherung sorgen, dann können weitere Arbeitsplätze geschaffen werden“, sagt Weinberg.

Mit großem Interesse verfolgt der Christdemokrat die Entwicklung bei der Feldmühle, die zwar wie Nordmark ebenfalls in Uetersen ansässig ist, aber auf Moorreger Gebiet eine etwa 25 Hektar große baureife Industriefläche hat, wie im 25 Jahre alten Bebauungsplan 19 nachzulesen ist. „Damals sollte eine dritte Papiermaschine eingerichtet werden. Aber die bürokratischen Hürden waren so hoch, dass das abgeblasen und in Belgien umgesetzt wurde“, erinnert sich Weinberg. Dieses Areal nutzen zu können, wäre für das gesamte Umfeld gut, meint der Bürgermeister. Der Christdemokrat ist froh darüber, dass die Papierfabrik verkauft wurde – am 24. Januar war beim Amtsgericht Pinneberg ein Insolvenzantrag gestellt worden – und erfolgreich saniert ist (unsere Zeitung berichtete). Viele Moorreger seien dort in Lohn und Brot. Es sei allerdings hart für die Mitarbeiter, dass sie im Zuge des Verkaufs einem zehnprozentigen Gehaltsverzicht bis zum 31. Dezember 2019 zustimmen mussten. „Ich wäre froh, wenn die Steuerkraft der Feldmühle wieder zunehmen würde, was zur Zeit nicht so ist“, sagt Weinberg. Und er verspricht: „Wir tun alles,was wir können.“

Mit Freude betrachtet Weinberg die Entwicklung eines anderen Unternehmens. Der Grundstein der Firma Ossenbrüggen Feinwerktechnik wurde im Jahr 2000 als Einzelfirma gelegt. Zunächst wurde mit einer Dreh- und zwei Fräsmaschinen produziert, aber seitdem geht es rasant voran. Ossenbrüggen hat gerade hinter dem Rewe-Supermarkt eine neue Halle gebaut. „Das bedeutet nicht, dass damit nun Schluss ist“, erläutert Weinberg. Etwa 170 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. „Das Unternehmen trägt zu unserem Wohlstand bei und ist ein sehr guter Steuerzahler“, sagt der Bürgermeister anerkennend. Viele Mitarbeiter leben seinen Informationen nach in der Standortgemeinde.

Weinberg ist zwar im Dauerdialog mit seinen Unternehmern und Handwerkern, aber er will das Gespräch verstärkt suchen. „Ich plane eine Rundreise mit Landespolitikern, damit der direkte Draht hergestellt ist“, kündigt er an. Das werde nach der Sommerpause angeschoben.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen