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Wedel-Schulauer Tageblatt

19. August 2017 | 02:16 Uhr

Wirbel um B-Plan Müllerkamp

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Mieter der Anlage Breitscheid-Straße 2 - 8 fürchten Abriss und wollen Änderung verhindern / Eigentümer: Häuser sollen bleiben

Der Bebauungsplan 9  b „Müllerkamp“ sorgt weiter für Wirbel. Nach WSI, Grünen und SPD meldeten auch Mieter Kritik und Bedenken an. Grund ist vor allem der Passus in der Begründung des B-Plans, in dem von einem Abriss der beiden Häuser direkt an der Rudolf-Breitscheid-Straße die Rede ist.

„Die Situation ist für uns sehr ungewiss, wir sind alle alarmiert“, sagte Renate Ott-Filenius. Sie wohnt seit 1980 in einem der fraglichen Häuser, lebt gern mit ihrem Mann in der Anlage. Jetzt sorgt sie sich um ihr Heim, wie viele andere auch, sagt sie. Einer ist Wolfgang-Andreas Schultz. Gemeinsam haben die drei eine Einwendung gegen die B-Plan-Änderung verfasst – mit dem Ziel, sie zu verhindern. „Wir wollen, dass es bliebt, wie es ist“, sagen die langjährigen Mieter.

Laut Ott-Filenius und Schultz gibt es 94 Wohnungen in dem Ensemble – 48 davon allein in den vermeintlichen Abrisshäusern. Durch die Laubengangerschließung und einen nicht zeitgemäßen Schnitt der Wohnungen sei eine hohe Fluktuation zu verzeichnen, heißt es in der B-Plan-Begründung. Stimmt nicht, so Ott-Filenius und Schultz. „Die Häuser sind lediglich energetisch nicht auf dem neusten Stand, aber in keinem schlechten Zustand. Ein Abriss wäre jammerschade.“ Ganz abgesehen von grundsätzlichen Problemen: Wo sollen die knapp 50 Mietparteien dann hin? Durch Aufstockung der verbleibenden drei Häuser sei der nötige Wohnraum nicht zu schaffen. Zumal viele ältere Mieter derzeit die barrierefreien Erdgeschosse nutzen würden. Fraglich sei darüber hinaus, welche Art von Wohnungen komme und auf welchem Preisniveau. „Wenn neu gebaut wird, gelten andere Mieten. Derzeit ist die Anlage wirklich erschwinglich für Wedeler Verhältnisse. Und wir haben schon von vielen Seiten gehört: Wenn die Mieten steigen, können wir uns die Wohnungen nicht mehr leisten.“

Skeptisch betrachten die Einwender zudem die Auflage, bei mehr Wohnraum neue Parkplätze zu schaffen. Solange die Tiefgarage nicht erweitert ist, soll dazu der Innenhof dienen. Eine Grünanlage, die dem Gebäude-Ensemble den Charakter des „Wohnen im Garten“ verleihe. Und die sehr geschätzt werde. Lärm und Pkw-Stellplätze an dieser Stelle würde die Wohnqualität empfindlich mindern. „Und wir fürchten, dass dies ein Dauerzustand werden könnte.“

Irritiert und alarmiert sind Ott-Filenius und Schultz zudem darüber, dass sie erst durch die Berichterstattung im Wedel-Schulauer Tageblatt überhaupt von den Aufstockungsplänen erfahren haben. Und dass ihr Vermieter mit Bezug auf den Zeitungsbericht in einem Aushang erklärt: Zurzeit seien keine größeren Baumaßnahmen und kein Abriss geplant. Eine Information, die so gar nicht zum Diskussionsstand in den Gremien und dem B-Plan-Text passt.

Auf Tageblatt-Anfrage erkärte dazu Eigentümer Wolfgang Spitze: „Kein Mensch hat vor, jemandem zu kündigen, und kein Mensch plant einen Abriss.“ Was tatsächlich geplant war und sei, sei eine energetische Sanierung. Dabei sei der Plan des Dachgeschoss-Ausbaus respektive einer Aufstockung entstanden, so Spitze. „Eigentlich möchte ich die Anlage so wie sie ist erhalten und gar nichts verändern. Aber ich muss die Kosten auffangen.“

Der Planungsausschuss soll am kommenden Dienstag, 1. Dezember, den Satzungsbeschluss für den B-Plan „Müllerkamp“ fassen. Das Gremium befasst sich mit dem Tagesordnungspunkt ab 18 Uhr im öffentlichen Teil der Sitzung im Ratssaal des Verwaltungssitzes am Rathausplatz.

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erstellt am 27.Nov.2015 | 00:34 Uhr

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