Hospizarbeit in Wedel : „Wir schenken Zeit“

Kirsten Wilke leitet die Hospizgruppe Wedel.
Kirsten Wilke leitet die Hospizgruppe Wedel.

15 Ehrenamtler begleiten 39 Menschen im Jahr 2014. Nächste Schulung der Wedeler Gruppe beginnt im März 2015.

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30. Dezember 2014, 16:00 Uhr

Wedel | Weihnachten – das Fest der Freude und der Familien. Geschenke, gemeinsames Essen, Wärme. Oft scheint dies aber nur eine Wunschvorstellung zu sein. „Das Gefühl der Einsamkeit der Menschen in Pflegeheimen ist zur Weihnachtszeit besonders groß“, weiß Kirsten Wilke, Vorsitzende der Hospizgruppe Wedel. Oft würden alte Menschen nicht einfach vergessen, sondern sie fänden einfach nicht in der Gesellschaft statt. „Die Menschen, deren Familien weit weg wohnen und sie nicht besuchen können, leiden sehr darunter“, sagt Wilke. Rund um die Festtage komme daher der Hospizarbeit eine besondere Bedeutung bei. „Wir schenken das, was für viele Menschen das wichtigste ist: Zeit“, sagt Annemarie Kelschinske, stellvertretende Vorsitzende der Hospizgruppe.

39 Menschen hat die Wedeler Hospizgruppe in diesem Jahr begleitet. 29 Begleitungen seien abgeschlossen. Gründe sind neben dem Tod etwa auch ein Umzug oder eine Genesung. Wilke weiß, wie wichtig das Sterben in den eigenen vier Wänden ist. Ein Transport sei für viele Schwerstkranke sehr schmerzhaft und anstrengend und zu Hause habe man eigene Bettwäsche, eigene Kleidung oder die eigene Lampe über dem Bett. „Alles ist da. Es riecht nach Essen. Nachbarn kommen vorbei. Menschen brauchen ihr Zuhause. Das ist auch Trost“, sagt Wilke.

Denn gerade im Sterben sei es wichtig, dass die Menschen ihren Frieden haben. „Da ist es nicht wichtig, ob jemand zwölf Stunden länger lebt“, stellt Wilke klar. Wichtiger sei, dass die Sterbenden und auch die Angehörigen einen Ansprechpartner hätten, der auf sie und ihre Wünsche eingehe. „Ich sage unseren Helfern immer, dass sie mit den Menschen darüber sprechen, was sie bewegt, nicht, was wir denken, was wir mitteilen wollen“, so Wilke.

„Für unsere Helfer ist es wichtig, diese Erfahrung einmal selbst auszuprobieren“, sagt Kelschinske. Sie vermeidet das Wort Rollenspiel. Doch sollen Hospizhelferinnen in die Rolle der Patienten schlüpfen und Kontaktaufnahme bewusst wahrnehmen. „Sterbende verändern sich, ich habe nicht immer die gleiche Tagesform. Daher ist es immer wieder ein Antesten, Probieren, Kontakt herstellen“, erläutert Wilke. Das vermitteln beide in Schulungen. Die nächste beginnt mit dem Grundkurs im März 2015. Die zweite Schulung die beide zusammen halten – die fünfte insgesamt, die die Wedeler Hospizgruppe ausrichtet.

Aktuell sind 15 Ehrenamtliche in der Hospizgruppe organisiert – davon acht aktiv im Einsatz in Wedel, Holm, Heist, Hetlingen und Rissen. „Ein Auto braucht man bei uns nicht. Wir versuchen die Helfer im lokalen Umfeld einzusetzen, wenn es möglich ist“, sagt Wilke. Doch wer ist für die Hospizarbeit geeignet? „Menschen, die sagen: Ich möchte meine Zeit anderen zur Verfügung stellen und anderen Menschen etwas geben“, erläutert Kelschinske. Und Wilke ergänzt: „Die Menschen sollten ihren Platz im Leben gefunden haben und mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen.“ Wer sich in einer Krise befinde oder große eigene Probleme wälze, trage die Probleme zu den sterbenden Menschen. „Dann kann ich mich nicht auf deren Bedürfnisse einlassen. Der Sterbende steht bei uns immer im Mittelpunkt“, sagt Wilke.

Interessenten müssten mit sich selbst im Reinen sein und den Willen haben, auf andere einzugehen, zuzuhören und deren Bedürfnisse aufzunehmen. „Nicht ich gebe den Takt vor, sondern der andere“, erklärt Wilke, die sicher ist, dass Schwerstkranke mehr wissen, als die Angehörigen oft glauben. Daher ist sie sicher: „Nicht miteinander reden, ist eine ganz fiese Geschichte und für viele wie ein zweiter Tod.“

Letztendlich könnten die Hospizmitarbeiter nur ein Angebot machen – ob es genutzt werde, entscheiden die Betroffenen selbst.
 

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