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Wedel-Schulauer Tageblatt

16. Dezember 2017 | 18:37 Uhr

Wedel : Wildschweine erobern den Klövensteen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Eingewandert Rund 50 Tiere in freier Natur

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2016 | 13:00 Uhr

Die Wildschweinrotte – eine der Attraktionen für Besucher des Wildgeheges im Klövensteen. Ein Zuschauermagnet hinter gerade neu gestalteten Zäunen. Naheliegend daher der Gedanke bei der kleinen Radlergruppe, deren Weg im Schnaakenmoor Anfang Juni ein Wildschwein kreuzt: Das muss ausgebrochen sein.

Anruf beim zuständigen Revierförster Nils Fischer – mit überraschender Reaktion. Statt hektischer Suche nach Schäden im Gehege, Fluchtwegen und dem vermeintlichen Ausbrecher eine sachliche Erklärung: Es ist keines von „seinen“ Wildschweinen, es ist ein neuer Bewohner des Staatsforsts und angrenzender Areale im südlichen Kreis Pinneberg. Und es ist nicht allein: Auf rund 50 Tiere in zwei Rotten schätzt Fischer den aktuellen Bestand. Er ist sicher: Es werden mehr – und sie sind keine Gäste. Sie bleiben. Einer ihrer zentralen Aufenthaltsorte liegt im Norden von Wedel: der Haidehof.

2013 wurden erstmals Wildschweine in einem Maisfeld nahe dem Waldrand entdeckt. Vermutlich eingewandert aus dem Norden, den Forstflächen um Rantzau, so Fischer. Dorthin sind die Tiere vor drei Jahren auch zurück. 2014 dann erneut Schwarzwild-Besuch im Hamburger Westen – diesmal ist er dort geblieben, wohin sich dokumentiert, zumindest in den vergangenen 50 Jahren, allenfalls mal vereinzelte Tiere verirrt hatten. Kein Wunder, sagt Fischer: „Das Areal hier ist perfekt. Mit Wald und unmittelbar angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen finden die Kulturfolger Deckung und Nahrung. Für Schwarzwild ist dies ein Eldorado.“

Für den Förster ist es keine Überraschung, dass sich das Schwarzwild den Klövensteen erobert: Wildschweine haben in Deutschland gute Lebensbedingungen und auch daher eine Reproduktionsrate von bis zu 300 Prozent. Sprich: Auf ein Tier kommen jährlich drei neue. Daher entsteht Druck in den Populationen, sie müssen sich neue Räume erschließen. Das bringt Aufgaben für die Einwanderungsregionen mit sich. Aus Jägersicht sagt Fischer: „Wir müssen uns mit dieser Wildart arrangieren und sie so weit in den Griff kriegen, dass sie nicht exorbitant wächst und überhand nimmt.“ Tiere, die in die Siedlungen eindringen, „Berliner Verhältnisse“ mit Wildschweinbegegnungen mitten in der Stadt – so etwas müsse verhindert werden, so Fischer.

Schwarzwild werde bejagt und solle bejagt werden. Ein schwieriges Unterfangen in einem Gebiet, das landwirtschaftlich geprägt ist und in weiten Teilen als viel frequentiertes Naherholungsgebiet fungiert. Zumal von einer schlauen, nachtaktiven Wildart die Rede sei. Zehn Tiere wurden im vergangenen Jahr in Fischers und den angrenzenden Revieren geschossen. Eine gute Quote, sagt er. Für dieses Jahr rechnet er mit mehr.

Mit angemessener Populationsdichte sei das Schwarzwild aus Förstersicht keine schlechte Art, so der Abteilungsleiter Forst Altona. „Sie sind eine Bereicherung für den Klövensteen.“ Die Allesfresser sorgen für Ordnung im Wald, durchwühlen den Boden, regen die Naturverjüngung an. Problematisch können sie dagegen werden, wenn sie in Äcker einfallen oder Koppeln umpflügen. Vereinzelt hätten Landwirte schon Schäden beklagt. Bei zunehmender Population müsse auch mit Wildunfällen gerechnet werden, so Fischer.

Was er dagegen als unproblematisch ansieht, ist das direkte Miteinander von Mensch und Wildschwein. In aller Regel würden die Tiere Menschen nicht angreifen – „außer, sie werden extrem in die Enge getrieben oder man versucht, die zwei Tage alten Frischlinge einer Sau zu streicheln.“ Die Gefahr, von einem Wildschwein verletzt zu werden, sei geringer als vom Blitz getroffen zu werden, sagt der Revierförster. Verhaltenstipps jenseits des gesunden Menschenverstands brauche es nicht: „Fast jeder, der im vergangenen Jahr den Klövensteen besucht hat, ist wahrscheinlich schon in 50 Meter Entfernung an einem Wildschwein vorbeigelaufen, ohne es zu merken.“ Brombeer-Dickicht, Moorknicks dichtes Unterholz: Dort würden sich die Tiere tagsüber aufhalten. Begegnungen, wie sie die Radlergruppe hatte, seien echte Ausnahmen.

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