Zurück zu G9 : Wieder mehr Zeit fürs Abi am Wedeler Johann-Rist-Gymnasium

In Wedel ist das Turbo-Abi bald kein Thema mehr:  Das Schleswig-Holsteinische Bildungsministerium hat das G8-Schulsystem für den Norden gestrichen und kehrt zum Abi nach neun Jahren Schulzeit zurück.

In Wedel ist das Turbo-Abi bald kein Thema mehr:  Das Schleswig-Holsteinische Bildungsministerium hat das G8-Schulsystem für den Norden gestrichen und kehrt zum Abi nach neun Jahren Schulzeit zurück.

Wedels Gymnasium wird keinen G8-Antrag stellen. Viele Themen, die die Schule betreffen, müssen „neu gedacht werden“.

shz.de von
16. Januar 2018, 12:00 Uhr

Wedel | Seit Montag ist es offizielle Sache: Das Wedeler Johann-Rist-Gymnasium (JRG) „wird wieder G9-Gymnasium.“ So steht es bereits auf der Internetseite der Schule. „Nach ausführlichen Diskussionen im Kollegium, in der Eltern- und in der Schülerschaft haben alle Gremien mehrheitlich für G9 gestimmt“, erläuterte Schulleiter Bertram Rohde den Entscheidungsprozess. Das klare Votum: „Das Johann-Rist-Gymnasium kehrt definitiv zu G9 zurück.“

Zum Hintergrund: Mit dem Gesetz zur Änderung des Schulgesetzes von Donnerstag, 14. Dezember, wurde die Marschrichtung in der Schleswig-Holsteinischen Bildungspolitik erneut geändert. Das Land kehrte zum bekannten Verfahren der neunjährigen Hochschulreife zurück. Mit dem Schuljahr 2019/2020 werden alle Gymnasien des Landes auf das G9-Verfahren wechseln. Damit haben die fünften Jahrgänge, die im Schuljahr 2019/2020 auf das Gymnasium wechseln, ein Jahr mehr Zeit, ihr Abi zu machen. Gleiches gilt auch für die Schüler, die 2019/2020 in die sechste Klasse kommen.

Einzige Chance der schulischen Bildungseinrichtungen, sich gegen die Änderung zu wehren, ist eine Schulkonferenz, auf der mit 75 Prozent der Stimmen – oder mehr – gegen G9 votiert wird. Reichen die Schulen einen entsprechenden Beschluss bis Ende Februar ein, können sie auch  weiterhin das G8-System  anbieten. „Es wird keine weitere Schulkonferenz geben, auf der ein Antrag für G8 eingereicht wird“, betonte JRG-Schulleiter Rohde im Gespräch mit unserer Zeitung.

Allerdings wisse Rohde auch, dass mit der Entscheidung noch Folgen auf ihn zukommen werden: „Im Diskussionsprozess haben wir viele Argumente für G9 gefunden. Allerdings wissen wir auch, dass wir viele Themen, die das Gymnasium betreffen, neu denken müssen. Etwa die sinnvolle Nachmittagsgestaltung, die Rhythmisierung des Schulalltags oder die Verteilung der zu gebenden Unterrichtsstunden der einzelnen Fächer auf dann sechs statt fünf Jahre in der Sekundarstufe I“, so der Schulleiter.

Für die Wedeler Stadtverwaltung hingegen bedeutet das neue Gesetz als Schulträger erstmal keinen Notwendigkeit zum Handeln: „Wir müssen abwarten, wie die Schülerzahlen sich entwickeln und wie das Angebot angenommen wird“, sagte Burkhard Springer, Fachdienstleiter Bildung, Kultur und Sport im Rathaus Wedel auf Anfrage. Die Verwaltung Wedel stehe im engen Kontakt mit der Schule.

Der Änderung von G8 zu G9 bedeutet konkret für die Gymnasien, dass ab dem Schuljahr 2019/2020 der Bildungsgang generell neun Schuljahre umfasst. Dabei werden die Jahrgänge fünf bis zehn als Sekundarstufe I und die Klassen elf bis 13 als gymnasiale Oberstufe zusammengefasst. Die Schulen des Landes erhalten allerdings die einmalige Gelegenheit, sich gegen den Kurs des Bildungsministeriums zu stellen: Mit einem Mehrheitsvotum von 75 Prozent oder mehr kann während der Schulkonferenz für ein Verbleib beim G8- oder Y-Modell (gleichzeitiges Anbieten eines Abis nach acht oder neun Jahren) gestimmt werden. Sollte ein entsprechender Wunsch an den Schulen existieren, muss dieser bis 23. Februar in der Konferenz gefasst werden.
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