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Freudentaumel und Wundenlecken : Wie werten Parteivertreter den Ausgang der Wahlen?

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Barbara Ostmeier holt in Haselau mit 58,7 Prozent das stärkste Ergebnis. Große Koalition wird einmütig abgelehnt.

Marsch und Geest | Klares Ja zu Barbara Ostmeier: In den Dörfern von Marsch und Geest hat sich die Abgeordnete aus Hetlingen wieder klar gegen ihren Mitbewerber und Landtagskollegen Thomas Hölck (SPD) durchsetzen können. Das stärkste Ergebnis holte Ostmeier mit 58,7 Prozent in Haselau, Hölck erzielte 26 Prozent. „Haselau hat Barbara Ostmeier mit zum Sieg getragen“, freute sich Haselaus CDU-Chef Peter Bröker. Auch in ihrer Heimatgemeinde stehen die Wähler hinter ihrer ehemaligen Bürgermeisterin, hoben sie mit 52,5 Prozent der Stimmen zu 29,4 Prozent für Hölck auf den Schild.

Wie werten Parteivertreter den Ausgang der Wahlen? Während bei den Christdemokraten großer Jubel herrscht, gibt es bei den Sozialdemokraten Wundenlecken. Eindeutiges Votum für eine Koalitionsbildung: „Jamaika“, also ein Bund aus CDU, FDP und Grünen. Moorreges CDU-Chef Jan Schmidt hätte zwar am liebsten Schwarz-Gelb, kann sich aber durchaus mit den Grünen als Partner anfreunden, mit denen er im Moorreger Gemeinderat Erfahrungen hat. „Dieser Mix tut Schleswig-Holstein sehr gut und kann uns voranbringen“, so Schmidt. Er sei froh, dass sich endlich etwas bewege, insbesondere im Bereich der Infrastruktur wie Straßenbau und der digitalen Technik.

„Wir haben das Ergebnis so nicht erwartet“, räumt Moorreges SPD-Parteichef Franz Hehnke ein. In ihm stecke „viel Merkel“. „Mein Gefühl sagt, dass die Stimmung in Deutschland und Europa konservativer wird“, sagt er. An der Kieler-Sacharbeit der vergangenen fünf Jahre habe es nicht liegen können. Eine Große Koalition lehnt Hehnke entschieden ab. Eine Demokratie benötige eine starke Opposition, die mit Argumenten dagegenhalte. Die CDU habe als Gewinner das Recht, den Ministerpräsidenten zu stellen. Das Ergebnis der Alternative für Deutschland (AfD) hat den Sozialdemokraten überrascht. Er habe sie unter fünf Prozent gesehen: „Das Ergebnis ärgert mich.“

Heißer Draht in eine CDU-Regierung

Das Herz von Moorreges Grünen-Fraktionschef Jörg Schneider schlägt ebenfalls für „Jamaika“. „Ich sehe Schnittstellen mit der FDP, und das kann unser Land voranbringen“, meint der Gemeindevertreter. Die SPD sei abgewählt worden. Mit dem Ergebnis seiner Partei ist er insgesamt sehr zufrieden.

Hetlingens CDU-Chef Jens Körner freut sich ebenfalls über den Erfolg in seiner Gemeinde. „Das ist in Hetlingen nicht selbstverständlich“, sagt er. Er hofft, dass in der Bildungspolitik wieder auf G 9 – also Abitur nach neun Jahren – zurückgedreht wird. „Das ist ein wirklich wichtiges Thema.“

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet Dietmar Voswinkel, Chef des SPD-Ortsvereins Holm-Hetlingen, das örtliche Ergebnis. „Als die erste Hochrechnung kam, waren wir geschockt. Damit haben wir nicht gerechnet“, sagt er. In Holm aber habe die SPD in allen drei Wahlbezirken leicht zulegen können. „Das hat uns ein leichtes Strahlen ins Gesicht gezaubert“, räumte er ein und fügte hinzu: „Wir haben vor Ort also was richtig gemacht.“ Von einer Großen Koalition will auch Voswinkel nichts wissen. Er sieht die Felle aber noch nicht davonschwimmen: „Ich sehe noch eine Chance auf die Ampel-Koalition“, also SPD, Liberale und Grüne. Abwarten und ohne Hektik verhandeln ist seine Devise. „Ich bin happy, dass Barbara Hölck geschlagen hat“, freut sich Holms CDU-Chef Uwe Hüttner. Er hofft auf schnelle Umsetzung von Infrastukturmaßnahmen wie Verbesserung des ÖPNV und des Fehmarn-Belt-Tunnels.

Gebietsreform ist vom Tisch

Heists CDU-Chef Jörg Behrmann hofft, dass der Wahlkreis durch Ostmeier nun einen guten Draht in die Regierung hat. „Bisher hatten wir keinen Ansprechpartner“, moniert er. Der Heistmer SPD-Chef Klaus-Dieter Redweik bewertet das Ergebnis als mittlere Katastrophe. „Ich wünsche mir eine Ampel-Koalition, aber danach sieht es zur Zeit ja nicht aus“, sagt er. Für Hölck hat er ein Lob: Er habe sich tapfer geschlagen. „Er macht solide Arbeit und zeigt vor Ort viel Präsenz“, so Redweik.

Haseldorfs CDU-Chef Uwe Schölermann ist froh, dass mit diesem Ergebnis das Thema Gebietsrerform vom Tisch ist: „Damit haben die kleinen Dörfer eine Bestandsgarantie.“ Außerdem hofft er auf eine Reform der Straßenausbaubeiträge.

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