33-Millionen-Euro-Plan : Wie aus dem Klövensteen ein gigantischer Naturwildpark werden soll

Wölfe hinter Glas: Die Idee erntet auch Kritik.
1 von 3

Wölfe hinter Glas: Die Idee erntet auch Kritik.

Der Masterplan fürs Wildgehege bei Wedel sieht spektakuläre Pfade in und unter Bäumen sowie über Wasser vor.

shz.de von
12. April 2018, 17:30 Uhr

Wedel/Hamburg | Wölfe hinter Glas. Erhöhte Expeditionspfade dort, wo die Vögel brüten oder auch unter den Wurzeln der großen Bäume hindurch. Stege, die übers Wasser führen. Der Förderverein Klövensteen hat Großes vor mit dem Wildgehege im Wald zwischen Hamburg und Wedel. Ein Megaprojekt.

Ein Angebot, das es so in der Region noch nicht gibt, erklärt Fördervereinsvorsitzender Jens-Joachim Sturzenbecher. Kein Erlebnispark, stellt er klar. Vielmehr die Möglichkeit für eine Naturerkundung hautnah und mit allen Sinnen. Das Gelände, auf der Grenze zwischen dem Hamburger Westen und Wedel mitten im Naherholungsgebiet Forst Klövensteen gelegen, soll zu einem Naturwildpark umgestaltet werden. „Die heimische Natur erleben und verstehen – mit allen Sinnen“ lautet das Motto des Masterplans, der in enger Abstimmung mit den Förderern und dem Bezirk Altona von der Berliner Ideenschmiede Dan Pealman für das Megaprojekt entwickelt wurde.

Tiere hautnah beobachten

Erlebniszonen führen die Besucher in die Höhe von Vogelnestern in Bäumen, leiten sie über die Wasseroberfläche und lassen sie die Tier- und Pflanzenwelt unter der Erde besuchen – so die Idee. Waschbären und Wisente, Wollschweine und Damwild, Kolkrabe und Steinmarder sollen in ihrer natürlichen Umgebung hautnah beobachtet werden können. Der Besucher ist mittendrin. Rahmen in der Landschaft sollen seinen Blick schärfen, um die Tier- und Pflanzenwelt aufspüren zu können.

Natur und Landschaft auf allen Ebenen erfahren – darum geht es den Machern. Ihre Idee erntet auch Kritik.
Dan Pearlman erlebnisarchitektur Gmbh Berlin

Natur und Landschaft auf allen Ebenen erfahren – darum geht es den Machern. Ihre Idee erntet auch Kritik.

 

„Wenn wir alles so realisieren, kostet das nach heutigem Preis 33 Millionen Euro“, bekennt Fördervereinsvorsitzender Jens-Joachim Sturzenbecher. Doch so schnell soll alles gar nicht vonstatten gehen. Der Masterplan ist ein Ideenpool, der nach und nach abgearbeitet werden soll. Die Förderer haben sich zeitlich einen weiten Rahmen gesetzt. Sie sprechen bei dem Projekt von 20 bis 30 Jahren. Durch Spenden und Sponsoring wollen sie das Geld für eine Umsetzung einsammeln.

Waldpädagogik nachgefragt

Die Förderer haben vor allem Kinder, Jugendliche und Schulen im Blick. Weil ihr Konzept der Waldpädagogik, das sie im Irmgard Greve Haus am Eingang zum Wildgehege ansiedelten, so gut aufging und ausgesprochen rege nachgefragt wird, kamen sie auf die Idee aufzusatteln. Sie beauftragten die Berliner Dan Pearlman Entwicklungsagentur, die ihnen einen Masterplan vorlegte, der keine Wünsche offenlässt. Zwei Waldschulen, ein Forsthof, ein Waldcamp, eine Waldbühne, ein Waldbad, ein Naturspielplatz sowie jede Menge hautnahe und außergewöhnliche Tier- und Naturerlebnisse brachten die Konzeptler auf dem Gelände des jetzigen Wildparks unter. „Wenn wir alles so realisieren, kostet das nach heutigem Preis 33 Millionen Euro“, gibt Sturzenbecher zu. Aber erstens sei der Masterplan keine Anleitung sondern Ideenpool, schränkt er ein. „Es gibt noch keine fertige Planung für irgendetwas“, betont der Vorsitzende. Zweitens solle eine Umsetzung nach und nach erfolgen. „Die Realisierung ist auf einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahre angelegt.“

Mit dem Projekt soll es sogar unter die Erde gehen.
Dan Pearlman erlebnisarchitektur Gmbh Berlin

Mit dem Projekt soll es sogar unter die Erde gehen.

Gegenwind ist bei solch einem Großprojekt vorprogrammiert. Deswegen stellt Sturzenbecher einige Eckpunkte klar. „Wir wollen aus den Grenzen des Klövensteen-Wildgeheges nicht raus“, versichert er den Kritikern. Lediglich die Fläche des jetzigen Parkplatzes werde ins neue Konzept miteinbezogen. Dorthin soll der Forsthof, die Waldpädgogik und die Forstwirtschaft mit dem Holz- und Wildfleischverkauf wandern. „Es sollen ja auch ein paar Euro eingespielt werden“, sagt Sturzenbecher. Denn sonst sind keine Einnahmen zu erwarten. „Der Wildpark bleibt eintrittsfrei“, ist eine weitere unumstößliche Maxime. Aufforstungen, um die Versiegelung zu kompensieren, sind in Planung.

Früh haben die Förderer darauf geachtet, Politik und Bevölkerung mit ins Boot zu holen. Altonas Umwelt- und Wirtschaftsbehörde hätte von Anfang an engagiert und kreativ mitgewirkt bei der Entwicklung, berichtet der Vorsitzende. Und auch die enge Abstimmung mit den Rissenern und Wedelern sei ihnen enorm wichtig. In einer ersten Vorstellung habe es positive Resonanz, aber auch Bedenken gegeben. Nicht noch ein Großprojekt, so der Tenor. Zudem gab es Bedenken wegen der Wölfe.

Verkehrsproblem noch nicht gelöst

Das Verkehrsproblem, auch das ein kritischer Punkt, ist noch nicht gelöst. Über eine Anbindung an den ÖPNV wird nachgedacht, zudem können sich die Initiatoren Leihräder an der S-Bahnstation vorstellen. Die Politik hat das Projekt bereits positiv bewertet. Im Altonaer Grünausschuss wurde der Masterplan mit den Stimmen von SPD, CDU und den Grünen durchgewunken.

Das Wildgehege Klövensteen ist eine öffentliche Einrichtung des Bezirks Altona – und soll es auch bleiben. „Wir wollten das Bezirksamt in die Pflicht nehmen“, erläutert Sturzenbecher. Dass das Naherholungsgebiet nicht irgendwann in private Hände kommt, sei ein weiterer Impuls für die Ausbaupläne gewesen. Und wie soll das Ganze finanziert werden? Sturzenbecher ist zuversichtlich, dass der Förderverein das mit Sponsoring und Spenden schafft.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen