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Wedel-Schulauer Tageblatt

19. Oktober 2017 | 10:02 Uhr

Widerstand gegen Aldi in Rissen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Zu viel Verkehr? Discounter will neben der Feuerwache Verkaufshalle mit 14 Wohnungen auf dem Dach bauen

Das ehemalige Gelände der Firma Berendsohn in Rissen gehört bereits dem Discount-Riesen Aldi. Entstehen soll an der Rissener Landstraße 252 eine neue Filiale von Aldi Nord. Geplant ist eine Verkaufsfläche von 1040 Quadratmetern. Darüber sollen 14 Wohneinheiten liegen. Allerdings fehlt die Baugenehmigung. Der Bauausschuss der Bezirksversammlung Altona sprach sich mehrheitlich dafür aus, dem Discounter diese zu erteilen. Der Hauptausschuss hat das Thema vorerst vertagt.

„Wir wollen Aldi in Rissen wiedereröffnen“, sagt Maurice Witt, Leiter Immobilien und Expansion. Im Mai 2014 wurde der bisherige Standort in der Wedeler Landstraße geschlossen. Die Drogeriekette Budnikowsky übernahm die Fläche und Nachbar Edeka Struve erweiterte seine Verkaufsfläche von 1200 auf 1600 Quadratmeter. Für Aldi fehlte der Platz, um das gesamte Warensortiment anzubieten. „Wir haben ein ganz neues Konzept, und es wird etwas Schönes für alle entstehen“, sagt Witt. Die Gänge sollen breit und behindertengerecht sein, Kundentoiletten sind geplant und neue Serviceleistungen wie Brotbackautomaten angeboten werden.

So positiv wie Witt sehen Anwohner und Geschäftsleute das Projekt bei weitem nicht. „Ich sehe einen kritischen Zuwachs der Verkehrsentwicklung rund um die Rissener Landstraße“, sagt Claus Scheide, Vorsitzender des Bürgervereins Rissen. Zudem fürchte er einen deutlichen Rückgang im östlichen Teil der Rissener Einkaufsstraße. „Wenn weniger Kunden bei Rewe einkaufen, ist das für alle Einzelhändler gefährlich. Ich will keine Lanze für Rewe brechen, aber bisher ergänzt sich das gut. Es wäre schade, wenn der Einzelhandel unter der Macht einer großen Kette leiden würde.“

Aldi verweist auf ein im Vorfeld erstelltes Verträglichkeitsgutachten. „Wer in Rissen Lebensmittel einkaufen will, fährt oft nach draußen. Die Zentren außerhalb sind deutlich beliebter“, zitiert Witt aus dem Gutachten, erstellt von Dr. Lademann und Partner, Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung. „Die Einkäufe würden sich aus Wedel sogar wieder nach Rissen verlagern“, ist Witt überzeugt. Er sieht einen Synergieeffekt für das Zentrum. „Wir sind oft mit Vollsortimentern an einem Standort und das ergänzt sich sehr gut“, berichtet Witt. „Die Kaufleute sind geteilter Meinung. Viele fürchten aber negative Auswirkungen“, so Scheide.

Auf den Barrikaden sind auch die Anwohner. „Wir haben gerade wiederholt widersprochen auf Grund einer erneuten Änderung der Planungen“, sagt Sylvia Runge, deren Grundstück direkt an den Markt grenzen würde. „Wir hätten dann einen riesigen Parkplatz im Garten“, kritisierte Gunnar Hänselmann, Anwohner der Rissener Landstraße, die Planungen bereits im Oktober. Mittlerweile sollen 15 Anwohner Eingaben beim Bezirksamt und in der Bezirksversammlung gemacht haben. „Einig sind sich Verwaltung und Bezirkspolitik noch lange nicht, weiß Runge aus zahlreichen Gesprächen. Die Anwohner fürchten um ihre Ruhe und die Aussicht. Wie will Aldi den Sorgen begegnen? „Indem wir den sechs Meter breiten Grünstreifen belassen“, sagt Witt. An dessen Ende soll ein Lärmschutz entstehen, der vertikal bepflanzt wird. „Die Anwohner haben vermutlich eine bessere Sicht als bisher, wenn alles fertig ist“, sagt Witt.

Die Anwohner wollen nun zusammen mit dem Bürgerverein Rissen das Thema Verkehr angehen. „Man muss es im Gesamtzusammenhang sehen“, sagt Scheide. Denn auch im Niflandring sollen bis zu 80 Wohnungen entstehen. „Dazu kämen die Aldi-Kunden“, so Scheide. Die Anwohner fürchten bei Öffnungszeiten von zwölf Stunden und einer Einkaufsdauer von 20 Minuten bis zu 2000 Fahrzeuge, die den Parkplatz befahren und verlassen. „Im Gegensatz zu heute 30“, so Hänselmann.

Witt hat bereits Kontakt zum Bürgerverein aufgenommen. „Wir wollen vorstellen, wie ein moderner Aldi-Markt heute aussieht“, erläutert der Expansionsleiter. Scheide will das Gespräch führen und plant weiter. Im März soll ein Referent der Handelskammer in einer öffentlichen Runde über Vor- und Nachteile berichten. „Wir wollten jemanden, der nicht direkt vor Ort ist“, so Scheide. 

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