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Wedel-Schulauer Tageblatt

24. August 2017 | 12:50 Uhr

Wedel : Wettbüro steht vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Wettbüro-Betreiber will sein Geschäft wegen des neuen Konzessionsverfahrens verkaufen. Staatliche Auflagen erschweren den Betrieb.

Wedel | „Was momentan passiert, ist die Kastrierung unseres Berufs“, klagt Sahin Turgay. Der 33-Jährige betreibt derzeit drei Wettbüros und zwei Spielhallen. Von den Standorten in Eimsbüttel und in Wedel, Bahnhofstraße 63, will er sich nun trennen – vielleicht. Bei eBay Kleinanzeigen hat Turgay die beiden Standorte inseriert.

„Mit der aktuellen Situation kann ich nicht langfristig planen“, beschwert sich der Franchisepartner von Stanleybet und ergänzt: „Ohne klare rechtliche Vorgaben können wir nicht agieren.“ Er überlege derzeit, die Wettbüros aufzugeben. Sein Franchisegeber gehörte nicht zu den ausgewählten 20 potentiellen Wettlizenzinhabern.

Doch noch etwas anderes stört Turgay: „Man erfindet immer wieder neue Steuern, um abzukassieren.“ In Wedel sei die Vergnügungssteuer mit elf Prozent vom Gewinn noch moderat. In Hamburg müsse er fünf Prozent auf den Umsatz zahlen. „Das sind real 20 bis 25 Prozent“, klagt der Wettanbieter. Die Meldungen über klamme Kassen in der Rolandstadt verfolge er mit Sorge. Denn in vielen anderen Gemeinden Schleswig-Holsteins sei der Vergnügungssteuersatz schon auf 20 Prozent erhöht worden. „Das ist von Bundesland zu Bundesland und sogar von Stadt zu Stadt total unterschiedlich“, so Turgay.

Hinzu käme mangelnde Planungssicherheit für die Mitarbeiter, steigende Gehälter durch die Einführung des Mindeslohns, hohe Kosten für Fußball-Übertragungen im Fernsehen und steigende Abgaben für Strom. „Man muss mit monatlichen Kosten in Höhe von 8000 bis 10 000 Euro kalkulieren“, sagt der Unternehmer. Dabei würden seine Möglichkeiten immer mehr eingeschränkt. Im Wettbüro seien keine Spielautomaten erlaubt – im Spielkasino keine Wettschalter. Alkohol sei mittlerweile Tabu und das Rauchverbot zwinge die Kunden auf der Straße zu rauchen, was zu Ärger mit den Vermietern führe.

In der Rolandstadt laufe das Geschäft zudem anders als Beispielsweise in Ohlsdorf. „Da wird immer gezockt“, erläutert Turgay und weiß aus der täglichen Arbeit: „In Wedel leidet der Umsatz vermutlich unter dem schlechten Image der Branche.“ Die unsichere Lizenzsituation schrecke Spieler ab, da oft das Gefühl aufkomme, man handle illegal. Dabei stellt der Hamburger klar: „Ich bin Kaufmann und habe mit Illegalem nichts am Hut.“

Einen Interessenten für die Filiale in Eimsbüttel habe er bereits. In Wedel sehe es noch anders aus. 40 000 Euro sollen für die Einrichtung mit acht 50-Zoll-Fernsehen, Alarmanlage mit Nebelgas, Theke und Interieur fällig werden. Aber hundertprozentig habe er sich noch nicht entschieden. „Vielleicht mache ich doch weiter“, so Turgey. Derzeit verhandle er mit anderen Anbietern, die zu den 20 genannten Lizenzinhabern gehören könnten. Daher falle in den kommenden 14 Tagen eine Entscheidung. Aber was er mit der zusätzlichen Zeit machen würde, weiß Turgay schon: „Ich habe das zehn Jahre gemacht und hatte keine Zeit für meine Familie.“ Das soll sich zukünftig ändern.

Im September sollten 20 Konzessionen an Wettanbieter vergeben werden, um den bisherigen Wettmarkt zu regulieren. Federführend war das hessische Innenministerium, das zwei Jahre lang Kriterien festlegte und Unternehmen überprüfte. 21 Bewerber, darunter der Marktführer Tipico, gingen leer aus und kündigten Klagen an. Daraufhin stoppte das Verwaltungsgericht Wiesbaden die Vergabe. Der Wettmarkt in Deutschland soll laut Experten ein jährliches Umsatzvolumen von mehr als vier Milliarden Euro haben.
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erstellt am 21.Okt.2014 | 16:00 Uhr

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