Werkschau zeigt die Vielseitigkeit

Beatrix Sprunck zeigt im Reepschlägerhaus eine ganze Bandbreite ihres Schaffens.
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Beatrix Sprunck zeigt im Reepschlägerhaus eine ganze Bandbreite ihres Schaffens.

Beatrix Sprunck stellt im Reepschlägerhaus aus

shz.de von
22. Mai 2018, 16:00 Uhr

„Ich habe Parkinson. Das ist nicht ansteckend“ sagt die kleine, zarte Frau mit dem fein gemeißeltem Gesicht und den so eindrucksvoll strahlenden großen Augen. Und kaum hat sie mit ihren leisen Worten die jüngste Ausstellung im Reepschlägerhaus eröffnet, ist sie auch schon von den Bewunderern ihrer Kunst umringt, wird mit Fragen und Glückwünschen bestürmt. Und wer die Vernissage in dem heimeligen Haus verließ, wusste nicht, was ihn mehr berührt hatte: Die nachahmenswerte Haltung der Künstlerin Beatrix Sprunck oder deren Werke, die hier von den Wänden leuchten.

Sie sei eigentlich keine Künstlerin, verrät Sprunck in einem Gespräch. Echte Künstler würden ihr ganzes Leben, ihre Leidenschaft ihrer Kunst widmen. Das hat sie nie getan. Nicht ihr ganzes Leben galt ihrer Kunst, dazu ist sie einfach zu vielfältig. Facettenreich wie ihre Kunst war auch ihr Leben. Spontan und abwechslungsreich. In Niederbayern geboren, beruflich gleich mehrere Ausbildungen, Sprachstudien in Frankreich und Großbritannien, Reisen nach Afrika und Südamerika, seit 1968 zu Hause mit ihrem Mann im Hamburger Elbvorort Nienstedten. Sie hat mit ihrem Mann leidenschaftlich gerne gesegelt, viel Sport getrieben und im Dorf Corbara auf Korsika einen Zweitwohnsitz gefunden.


Bei Ölmalerei Lasurtechnik bevorzugt

Gemalt und gezeichnet hat sie immer und das nicht nur mal so eben nebenbei. Kurse im Portrait und Aktzeichnen, dann drei Jahre Unterricht im renommierten Atelier Mensch, fünf Jahre Unterricht in allen Radiertechniken bei Rolf Meyn. Sie ist penibel, arbeitet akribisch.
Das weiß auch Alf Babendererde, Laudator bei der Vernissage, selbst Werbeschaffender und Marketingexperte aus Wohltorf bei Hamburg und mit der Familie Sprunck seit Jahren über die Segelei befreundet. Die von der Künstlerin bei der Ölmalerei bevorzugte Lasurtechnik zeigt er auf, der durchscheinende räumliche Effekt beim mühevollen Auftragen der einzelnen Schichten, der schimmernde, geheimnisvolle Glanz, der dann von den Bildern ausgeht. Und er zeigt ein Können auf, das schon fast verloren gegangen ist: Die Kalligraphie, die Kunst des Buchstaben malens und gestalten und einige müssen ganz schnell noch mal auf die Schrift unter den Bildern schauen. Stimmt, da stehen sie, die Worte, mit denen sie ihre Werke betitelt hat und die schon für sich kleine Kunstwerke sind.

Anja Badners, mit Anna Goldmund verantwortlich für das Kunstteam im Förderkreis Reepschlägerhaus, hat die Bilder aus über 200 Werken im Fundus der Familie Sprunck in Nienstedten herausgesucht. Kein einfaches Unterfangen, weil so viele unterschiedliche Themen zu besetzen waren. Die Ölbilder mit dem Blick aus dem Fenster der Wohnung auf Korsika, der Fensterrahmen mit den Utensilien auf dem Fensterbrett fasst die Landschaft mit der warmen südlichen Sonne ein, Stillleben mit Krügen, einer Blume, Pinseln, dann Landschaften in der Elbmarsch, markant mit kräftigen Strichen diese herbe Idylle erfasst, zwei Federn, akribisch als Kunstwerk der Natur wider gegeben.

Und dann Spruncks Lieblingsbild: Ein Haufen Steine an einem Strand von Korsika. Langweilig? Keine Spur. Da ist nicht einer wie der andere, obwohl alle rund und glatt zu Handschmeichlern über Millionen von Jahren abgeschliffen sind, jeder ist mit seinen unterschiedlichen Schattierungen und Maserungen ein Individuum. Damit es trotzdem nicht langweilig wird und lebendig bleibt, tanzen zwei kleine weiße Flaumfedern über die grauen Zeugen von so vielen Jahren. Ein bisschen wie Beatrix Sprunck selbst – vielseitig, stark und zart und verletzlich wie die Federn.

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