SHMF 2018 : Wenn Schurken Klassik verzaubern

Wenn vier Musiker auf einem Akkordeon spielen, geht es ganz schön turbulent zu.
Wenn vier Musiker auf einem Akkordeon spielen, geht es ganz schön turbulent zu.

Martin Schelling, Stefan Dünser, Martin Deuring und Doran Kovacevi ziehen ihr Publikum beim Kinderkonzert im Rist-Forum in ihren Bann.

shz.de von
09. August 2018, 12:05 Uhr

Wedel | Diese Schurken! Sie klauen ganz einfach bei Bach, Purcell oder dem unvergleichlichen Satie Melodien, mixen sie wild durcheinander und spielen sie auf ihrer turbulenten Reise, bei der sie auf der Suche nach Umbidu sind – Umbidu, der Ort des Glücks. Und das alles auf der Bühne der leider nicht ganz ausverkauften Aula des Johann-Rist-Gymnasiums im Schleswig-Holstein-Musik-Festival-Programm für Kinder.

Kindgerechter kultureller Hochgenuss

Am bisher heißesten Tag des Jahres, den die meisten wohl lieber in der Badebucht oder in der Eisdiele verbrachten – aber die haben ganz sicher einen kindgerechten kulturellen Hochgenuss verpasst. Denn die vier Musiker aus Österreich und der Schweiz mit dem etwas anrchigen Namen „Die Schurken“ sind nicht irgendeine Band, sondern ein Ensemble mit traumhafter Musikalität und Können, hoch gelobt und vielfach ausgezeichnet.

Martin Deuring (links, Kontrabass) und Martin Schelling (hinten rechts, Klarinette) unterhielten sich nach dem Konzert noch angeregt mit den Kindern.
Heinke Ballin
Martin Deuring (links, Kontrabass) und Martin Schelling (hinten rechts, Klarinette) unterhielten sich nach dem Konzert noch angeregt mit den Kindern.
 

Martin Schelling, Klarinette, Stefan Dünser, Trompete, Martin Deuring, Kontrabass, und Doran Kovacevićmit dem Akkordeon erzählen eine Geschichte mit einer Fantasiesprache, ein fröhliches Kauderwelsch, das je nach Reisestation ein wenig unterschiedlich gefärbt, aber immer unverständlich ist. Die Musik und das kuriose Zubehör ziehen Kinder und Erwachsene magisch in das Geschehen hinein, für Kinder viel leichter erfassbar als für Ältere, sind die Lütten dem Quatsch auf der Bühne durch ihren eigenen Blödsinn, den sie so gern verzapfen, viel näher als ältere Semester, die sich nicht auf die Schurken vorbereitet haben.

Unwiderstehlicher Drive

Und die Magie der Musik zieht alle in ihren Bann, ganz zart und sanft beim Erwachen, dann mit unwiderstehlichem Drive durch den Tag und alle Abenteuer. Die Klarinette erzählt und schnackt, sogar durch das Telefon, der Bass setzt die heftigen Akzente, die Trompete gibt die Richtung an und das Akkordeon schreibt die Melodie. Und was sie alles mit ihren Instrumenten können – sogar im Liegen spielen oder zu viert auf einem Akkordeon, beim Tretrollerfahren, keine Position ist der Harmonie abträglich. Und wenn sie kein Instrument in der Hand haben, dann geben halt vier Zahnbürsten den Rhythmus an.

Die Kinder im Publikum mochten auch die Kostümierung der Vier: Schelling im schmuddeligen zerfetzten Trenchcoat á la Kommissar Columbo, Dünser, der mit der Trompete, mit Bermuda-Shorts und verrutschten, gestrickten Kniestrümpfen und allesamt mit verrückten Mützen, Schiebermütze oder uralter Leder-Motorradhaube und Motorradbrille – und das alles bei der Hitze. Ihnen sei doch recht heiß gewesen, gestanden die Musiker nach dem Konzert. Die magische Anziehungskraft haben sie trotzdem ausgestrahlt, denn so kann Klassik auch für Kinder einfach nur bezaubernd sein.

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