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Wedel-Schulauer Tageblatt

23. Oktober 2017 | 07:25 Uhr

Wedel : Wenn ein Dodo flügge wird

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Ein Album "Made in Wedel": "Der Dodo" rappt über Erfahrungen zwischen Praktikum, digitaler Depression und Geldsorgen.

shz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 16:00 Uhr

"Das ist das Leben – man kann es sich nehmen oder einfach wiedergeben". Unter dieses Motto stellt der Wedeler Rapper "Der Dodo" sein neues Album "Playback Show". Und dann lässt er eloquent den Worten Taten folgen, indem der 22-Jährige seine Erlebnisse der vergangenen zwei Jahre in feine Reime gießt. Wie es aussieht in seiner Welt zwischen Praktikum, digitaler Depression und Geldsorgen, hat der Student auf seinem zweiten Album festgehalten, das seit dem 1. Januar erhältlich ist.

"Playback Show" heißt die CD mit zehn neuen Stücken, die von entspannt über wütend und gewitzt bis nachdenklich alle Facetten des HipHops bedienen. Wie bei seinem ersten Album "Tag Nacht Rhythmus", das 2012 erschienen war, vertraut "Der Dodo", der mit bürgerlichem Namen Dominik Nikolaiczek heißt, wieder auf seinen kongenialen Produzenten Philipp Schlott, alias Parr Beats. Beide arbeiten seit ihrer gemeinsamen Schulzeit auf dem Johann-Rist-Gymnasium (JRG) zusammen und nicht nur deshalb ist "Playback Show" wieder eine CD geworden, die echt "Made in Wedel" ist.

In einem Großteil der Titel sind Erlebnisse aus dem Leben des Rappers eingeflossen, das sich seit dem ersten Album für ihn zwischen Elbe und Spree abgespielt hat: "Die Texte habe ich in einer sehr spannenden Phase geschrieben. Das war die Zeit zwischen Schule und etwas Neuem. Da habe ich gleichzeitig zurück und nach vorn geschaut und das erste Mal im Leben auf eigenen Füßen gestanden. Mit all den Vorteilen, aber auch Ernüchterungen, die das so mit sich bringt." Auch deshalb klingt "Playback Show" ein gutes Stück ernsthafter als noch "Tag Nacht Rhythmus" vor knapp zwei Jahren.

Den Titel fand Dodo übrigens bei seinen zahlreichen Live-Auftritten: "Viele auch etablierte Künstler bestreiten ihre Shows mit Playback-Einspielungen. Das ist erstmal natürlich nichts Positives, aber ich wollte den Gedanken einfach einmal rumdrehen. Denn Playback, das heißt ja auch, das, was gewesen ist, noch einmal wiedergeben und vielleicht genauer drüber nachzudenken."

Den Live-Gedanken verknüpft Dodo dabei eng mit dem echten Leben: "Wir haben versucht, das ganze Album wie ein Live-Konzert zu strukturieren und damit das echte Leben sozusagen auf die Bühne zu bringen. Wir hatten die Stücke ja auch schon live gespielt, bevor wir ins Studio gegangen sind", erklärt der Rapper.

"Das Album hört sich anders an, weil auch wir anders geworden sind", sagt Philipp Schlott, der für Dodo die Sounds zusammengebastelt hat. Denn auch an ihm sind die vergangenen beiden Jahre nicht spurlos vorbeigegangen. Nach seiner Ausbildung zum Tontechniker hat Schlott im vergangenen Sommer sein eigenes Tonstudio in Wedel eröffnet. In seiner "Mischwelt" arbeitet er seither nicht nur mit Bands an ihren Alben, sondern er übernimmt auch die Nachbearbeitung für zahlreiche renommierte Musiker. So bekam unter anderem das Album von DSDS-Gewinner Mehrzad Marashi in Schlotts Studio den letzten Schliff.

Über seine Zusammenarbeit mit dem Hamburger Produzenten Sinch, der unter anderem Platten von Xavier Naidoo produziert, konnte der 22-Jährige Tonbastler stabile Kontakte in die deutsche HipHop-Szene knüpfen. Unter anderem mixte er den Sampler „Beuteschema“ der HipHop-Formation „Halunkenbande“, der es 2013 auf den siebten Platz der deutschen Sampler-Charts schaffte. Mit den Texten von Dodo, der inzwischen in Berlin Kulturwissenschaften studiert, ist mit der „Playback Show“ auf diese Weise ein noch einmal sehr viel professionelleres Album entstanden, das locker mit der etablierten Konkurrenz in den Charts mithalten kann. War „Tag Nacht Rhythmus“ noch zu Hause im Jugendzimmer entstanden, verfügen Rapper Dodo und Mixer Schlott inzwischen sprachlich und technisch über ein sehr viel ausgefeilteres Repertoire als bei ihrem Erstlingswerk. Sogar einen potenziellen Hit hat der Dodo auf sein Album gepackt: Mit stampfendem Beat, viel bitterem Witz, dem rasanten Video und riesiger Zielgruppe könnte "Praktikant" schon bald größere Wellen schlagen.

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