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Wedel-Schulauer Tageblatt

13. Dezember 2017 | 14:26 Uhr

Wedels verschwundene Kinolandschaft

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2014 | 11:34 Uhr

Als das letzte Wedeler Filmtheater anno 2003 seine Tore schloss – es war das Kino-Center in der Rissener Straße – ging eine Kulturepoche zu Ende, die natürlich nicht nur Wedel betraf, sondern alle Kinostandorte, Groß,- Klein - und Mittelstädte, ebenso die Metropolen. Das „Kino an der Ecke“ war tot.

Zugegeben: Das Kino-Center war keine anheimelnde Stätte des hohen Filmgenusses - klein, miefig und rauchgeschwängert, mit Massenkompatiblem dem Geschmack der letzten Kinogänger entgegenkommend, die noch nicht komplett auf das heimische TV oder die supermarktähnlichen Kulturangebote der Metropole nebenan umgeschwenkt waren. Aber: Es war ein Kino, ein Filmtheater, ein Ort gemeinsamer Rezeption.

Und davon gab es mehrere in Wedel: Schon 1926 wurde in der Bahnhofstraße die „Schauburg“ eröffnet, die „Roland-Lichtspiele“ in den 1950er Jahren, 1957 das „Ufer-Kino“ an der Feldstraße, 1975 das „Hoki“ im Studentenhochhaus.

Verfolgt man die Wedeler Filmprogramme durch die Jahrzehnte, wird Geschichte lebendig: Anno 33 versuchte „SA-Mann Brand – Ein vaterländischer Film mit dem Geist der Wahrheit“ die Volksgenossen auf große Zeiten einzustimmen. 1950 rührte Disneys „Bambi“ die Wedeler Nachkriegsherzen, gefolgt vom „Schwarzwaldmädel“ und dem „Rosen-Resli“, „Winnetou“ galoppierte durch die 60er, den „ Henker von London“ und andere Edgar-Wallace-Gestalten hinter sich lassend. Danach zerlegten Bond und Bud Spencer je nach Bedarf Ostspione oder Western-Saloons und auch in den weiteren Jahrzehnten spiegelte die abschmelzende Wedeler Kinowelt den globalen und nationalen Filmgeschmack wider – bis dann mit „Natürlich blond“ der letzte Streifen aus dem letzten Wedeler Kinoprojektor gehebelt wurde.

Kein Kino mehr, aber das Publikum ist noch da. Viele Initiativen versuchen nun, den Wünschen und Bedürfnissen dieses Publikums entgegenzukommen, auch in Wedel. „Gutes Kino“ wird seit Jahren vom Theaterschiff Batavia hochgehalten, zielgruppenorientiert präsentiert das Stadtteilzentrum Mittendrin seine Filme und die Schulen fördern mit Projekten und Kursen das Wiederentdecken der Filmkunst. Neu im Chor ist der Verein „Kiwi – Kino in Wedel“, der eben diesem Ziel – ein Kino in der Stadt – näherkommen will, indem er Filme präsentiert und erläutert oder durch Regisseure und Schauspieler vor Ort Hintergründe der Filmproduktion vermitteln lässt.


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