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Wedel-Schulauer Tageblatt

24. August 2017 | 11:31 Uhr

Wedels Verkehr: Wo gehts lang?

vom

Herr Schmidt, wann kommt die Nordumfahrung?
Niels Schmidt: Wann die Nordumfahrung als Komplett-Verlegung der Bundesstraße kommt und wir dann beruhigende Maßnahmen in der Altstadt beginnen können, kann man schwer prognostizieren. Ganz sicher nicht vor 2020. Eher später. Denn es gibt Punkte, die wir auch noch bewegen müssen. Wie die S-Bahn-Unterführung. Da hat die Bahn Planungsmittel erst für 2018 avisiert. Wenn die Umfahrung im Bundesverkehrswegeplan nun wieder in den vordringlichen Bedarf kommt, heißt das ja noch nicht, dass damit schon Weichen für den Bau gestellt sind. Das soll uns aber nicht daran hindern, das Thema voranzutreiben. Und das werden wir auch tun.
Wissen Kiel und Berlin von der Idee, dass in Wedel zunächst auf der Nordumfahrungstrasse eine Erschließungsstraße gebaut werden soll in der Absicht, sie nachher in eine Bundesstraße umzuwandeln? Was halten die Ministerien davon?
Die Verhandlungen laufen immer über das Land. Und mit dem Landesverkehrsministerium haben wir diese Möglichkeit erörtert. Die halten das auch nicht für ausgeschlossen. Aber was sicher ist: Der Teil, den wir anders bauen und finanzieren, der wird nicht nachträglich vom Bund bezuschusst. Der Bund bezahlt nur das, was er selbst baut. Und er baut auch nur eine Bundesstraße, wenn er sicher sein kann, dass die Verlegung funktioniert. Sprich: Die S-Bahn-Unterführung und ähnliche Voraussetzungen müssen gesichert sein.
Der Bund wird Wedel also die Umgehungsstraße, auch wenn sie nach Bundesstraßen-Standard gebaut ist, nicht abkaufen.

Nein, eine Umwandlung ist aber sicherlich möglich. Dafür ist es eben nötig, dass die Standards stimmen. Es ist auch keine Erschließungsstraße, sondern eine nördliche Umfahrung, die untergeordnet auch die dortigen Baugebiete erschließt. Denn wenn wir im Norden Baugebiete ausweisen, verschärfen wir die Verkehrssituation in der Altstadt und müssen zumindest schon mal die Umfahrungsstraße zwischen Pinneberger Straße und Holmer Straße haben. Dafür ist eine komplette Verlegung der Bundesstraße noch nicht zwingend erforderlich. Aber es muss eine Entlastung als erster Schritt erfolgen. Und dann muss man nachziehen.
Wie steht es mit den Kosten für die Stadt?
Für die Stadt wäre das nicht unbedingt eine finanzielle Mehrbelastung, da wir nach bisherigen Vorstellungen Baugebiete nur dann entwickeln können, wenn von den Grundstückseigentümern die Straße vorgezogen oder gleichzeitig gebaut wird. Der Charme, den das hat, ist, dass wir glauben, dann schneller sein zu können. Auch das ist aber kein Konzept, das wir gleich morgen umsetzen können.
Ganz andere Ecke: das Elbufer. Was tut Wedel, damit der Faktor Auto den Faktor Maritim-Flair und zunehmende Attraktivität nicht kaputt macht?
Wir müssen insbesondere an den Park-Angeboten arbeiten. Nicht direkt an der Elbe, aber zum Beispiel an der Verlängerung des Schneider-Parkplatzes an der Deichstraße. Das wollen wir, wie ja auch gerade berichtet, vorantreiben. Die muss zügig gebaut werden. Und dazu wird man auch mit Restriktionen arbeiten müssen. In der jetzigen Bauphase wird es natürlich schwierig.
Es gibt ja Überlegungen, den Bereich an der Elbe weitgehend autofrei zu halten.
Es ist immer schnell gesagt: Wir unterbinden den Autoverkehr. Die entscheidende Frage ist dann aber: Wie machen wir das? Was wir gerade beobachten ist ja, dass die Menschen zwar die Verkehrsregelungen sehen, sich aber nicht daran halten. Wenn sie es nicht nachvollziehen können, findet der gleiche Verkehr statt wie vorher. Dann kommt wieder die Forderung, Stadt und Polizei müssen das durchsetzen.
Die Stadt kann das aber nicht, weil sie das rechtlich nicht darf. Und die Polizei kann man bei der Personaldecke auch nicht damit allein lassen. Das ist am Ende eine stadtplanerische Aufgabe, bei der man sehr sorgfältig überlegen muss, was man tut. Denn wenn wir dauerhaft den Parkraum an der Elbe reduzieren, muss man auch im Auge behalten, welche Auswirkungen das wieder auf andere Wohngebiete hat. Es kann ja nicht sein, dass wir alles an der Elbe schön autofrei und ruhig halten, und vier Straßen weiter ist alles voll und zugeparkt. Auch das ist keine Lösung.
Wie bewerten Sie Wedels Bemühungen um den Radverkehr und den ÖPNV?
ÖPNV ist ein schwieriges Thema, weil das in der Regel ein sehr teures Thema ist. Wir haben eine zehnminütigen Anbindung bei den Bussen bis Blankenese und haben auch noch die S-Bahn. Das ist Richtung Hamburg schon großzügig. Innerörtlich - und das ist die schlechte Seite der Medaille - ist der ÖPNV suboptimal, weil er in den großen HVV eingebunden ist, zu relativ günstigen finanziellen Konditionen.
Unsere Hauptbuslinie mit einer Super-Taktung mäandert natürlich ziemlich durch Wedel. Und wenn man nur von einem Punkt zum anderen in der Stadt will, kann das schon mal gefühlt relativ lange dauern. Man muss hier immer prüfen, ob man Verbesserungen vornehmen kann, zum Beispiel für die Moorwegsiedlung. Aber das ist immer sehr kostenintensiv. Für geringe Veränderungen des Modal-Split - also des Umstiegs der Menschen vom Privatfahrzeug auf den Bus - habe ich hohe Kosten.
Beim Radverkehr sieht das anders aus . . .

Ja, Radverkehr bietet da ungleich höhere Chancen, weil ich nur Investitionskosten und relativ wenig Folgekosten habe. Ich kann aus Radfahrersicht die Kritik an den Sandwegen durchaus nachvollziehen. Das sind eigentlich tolle Wegeverbindungen. Und wenn das alles Velo-Routen wären mit einem guten Ausbauzustand, dann hätten wir ein super Radwegesystem in Wedel. In der Planung ist einiges. Wir haben nur noch ein wenig Schwächen in der Umsetzung.
Der Weg wird sein, dass wir bei allen Ausbau-Planungen - und genau das tun wir jetzt auch - das Thema Rad intensiv mitdenken. Die Feldstraße ist da ein gutes Beispiel in der Umsetzung. Ein ähnliches Modell könnte ich mir - wenn wir da mal rangehen - für die Schulauer Straße vorstellen. Wir sind als Verwaltung offen und hoffen, dass wir mehr in die Umsetzung kommen, was Radwege angeht.

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von
erstellt am 16.Aug.2013 | 10:55 Uhr

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