Ehrenamt : Wedeler Zeitzeugenbörse unter neuer Leitung

Almut Goroncy (links) löst Dorothea Snurawa in der Leitung der Wedeler Zeitzeugenbörse ab.
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Almut Goroncy (links) löst Dorothea Snurawa in der Leitung der Wedeler Zeitzeugenbörse ab.

Almut Goroncy tritt Dorothea Snurawas Nachfolge an. Ab sofort wird sie den Dialog zwischen Jung und Alt fördern.

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05. Februar 2018, 12:30 Uhr

Wedel | Schon als Studentin an der Fachhochschule hatte Dorothea Snurawa norddeutsche Luft geschnuppert, aber dann lebte und arbeitete sie lange im Süden, ehe die begeisterte Skipperin sich in Wedel niederließ. Hier machte sie sich sogleich auf die Suche nach ehrenamtlichen Aufgaben und war dann jahrelang im Seniorenbeirat der Stadt engagiert.

Ihr Herzensanliegen war immer, Dialoge zwischen Jung und Alt in Gang zu bringen. Als sie dann im Internet auf die Zeitzeugenbörse stieß, hatte sie ihre Aufgabe gefunden: ein Forum, das es sich zur Aufgabe macht, das Wissen und die Erfahrungen der Älteren an Jüngere weiterzugeben. Im Mai 2009 organisierte sie im Rathaus das Gründungstreffen für den Wedeler Ableger der Organisation. Gleich im Gründungsjahr stellte sie zwei viel beachtete Veranstaltungen auf die Beine. Der Bombenangriff auf die Rolandstadt war ihr erstes Thema, ein paar Monate später waren Inflation und Währungsreform dran. Da ahnte sie vielleicht schon, wieviel Arbeit sie sich mit dem Projekt aufgebürdet hatte, denn für die Veranstaltungen im Rathaus, durchschnittlich vier pro Jahr, waren zeitraubende Recherchen nötig. Zusätzlich ging es Snurawa darum, in den Schulen der Stadt mit jungen Leuten ins Gespräch zu kommen. Auch das kostete Überzeugungsarbeit und viel Lauferei. „Die Kontakte zu den Schulleitungen fielen schließlich nicht vom Himmel“, erinnert sie sich.

Trotzdem, zehn Jahre lang wollte sie durchhalten. Dann aber setzten gesundheitliche Probleme ein und Snurawa fing an, sich eine Ablösung herbeizusehnen. Die stand dann unerwartet vor ihr, und jetzt ist es beschlossene Sache: Almut Goroncy tritt in Snurawas Fußstapfen. Die Bekanntschaft der beiden geht auf die Zeitzeugenveranstaltung zum Thema „Spiele und Spielsachen in unserer Jugend“ zurück, die im Oktober 2016 auf dem Terminplan stand. Damals war die langjährige Kita-Leiterin Goroncy gerade im Ruhestand angekommen und fühlte sich da ganz und gar nicht ausgelastet. So brachte sie sich ein, das Spielsachenthema mit aufzubereiten. Schließlich hatte sie die passende berufliche Vergangenheit, und auch das unbekümmerte Miteinander der Generationen war für sie gang und gäbe. „Früher waren es ja die Großeltern, denen die Aufgabe des Erzählens von früher in den Schoß fiel, aber heutzutage wohnen die immer seltener in der Nähe. Oft gibt es zwischen den Generationen kaum Kontakte“, begründet Goroncy die Zeitzeugen-Notwendigkeit. Noch drastischer sei die Situation in vielen Flüchtlingsfamilien, die ältere Angehörige oft im Herkunftsland zurückgelassen haben, fährt sie fort.

Ihre vielen Jahre als Wedeler Kitachefin haben ihr andererseits so viele gute Kontakte zu Familien hinterlassen, dass sie sich das Organisieren von Zeitzeugen-Events durchaus zutraue, stellt sie zu Beginn ihres neuen Engagements optimistisch fest. Außerdem verschwinde ihre Vorgängerin Snurawa ja nicht, sondern stehe jederzeit hilfsbereit im Hintergrund. Ebenso der „harte Kern“, ein loser Zusammenschluss von einem Dutzend interessierten Bürgern, die den Zeitzeugenprozess in Wedel in Gang halten.

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