Ehrenamt : Wedeler Tafel sucht ehrenamtliche Fahrer

Für die Abholung von Lebensmitteln in der Rolandstadt braucht die Institution Unterstützung.

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26. Juli 2018, 12:00 Uhr

Wedel | Eine Delle ist in der Tür des Mercedes Sprinters, die Heckklappe ist an einer Ecke verbogen, Schrammen sind an den Seiten zu sehen. „Man sieht, dass er in Gebrauch ist, aber wir wollen nicht, dass weitere Macken dazukommen“, sagt Karin Kost, Vorsitzende der Wedeler Tafel. Sie ist mit ihrem Vorstandsteam auf der Suche nach neuen Fahrern, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. „Wir stellen hohe Ansprüche, aber das hat nichts mit Arroganz zu tun. Das Fahrzeug ist unsere Hauptschlagader. Wenn wir keine Lebensmittel abholen können, können wir auch keine ausgeben“, erläutert Kost. Ihr Vorstandskollege, Beisitzer Peter Spangehl, pflichtet ihr bei: „Wenn der Sprinter ausfällt, müssen wir für viel Geld einen Ersatz mieten. Da nur wenige Fahrzeuge über eine Kühlzelle verfügen, geht es richtig ins Geld.“

Zwei- bis dreistündige Touren

Die Anforderungen der Tafel: ein Führerschein Klasse B (früher Klasse 3) muss vorhanden sein, ebenso wie entsprechende Fahrpraxis. Hinzu komme körperliche Belastbarkeit, um die zwei- bis dreistündigen Touren durchzuhalten, bei denen auch mal Kartons mit Milch oder Bananen verladen werden. „Beim Einsatz sind wir flexibel. Es sollen schon zwei, drei Stunden pro Woche sein. Mehr geht immer. Wir sind bei den Zeiten flexibel, aber es muss eine Verlässlichkeit drin sein“, sagt Kost.

„Wir nehmen gern Wohnmobilisten. Wer LKW gefahren ist oder fährt, ist gern gesehen“, erläutert Spangehl. Allein der Führerschein reiche da nicht. Wer sein Interesse bei der Tafel hinterlegt, muss sich auch auf eine Probefahrt einstellen. Zudem sind die Fahrer bei der Tafel nicht nur Fahrer. „Sie müssen bei den Geschäften auch mal mit anpacken und Lebensmittel verladen“, beschreibt Spangehl die Tätigkeit. Er berichtet, wie er im März eine Kiste Hokkaido-Kürbisse in Hamburg-Sülldorf verladen hat. „Danach wussten wir, was wir getan haben“, erinnert sich Spangehl. Anders als bei der Hamburger Tafel, die LKWs einsetzt, die direkt beladen werden können, müssen in Wedel die meisten Waren händisch im Sprinter verstaut werden. „Daher müssen die Fahrer auch entsprechend fit sein, damit sie das durchhalten“, so Kost. Schließlich werden pro Woche etwa 1400 Kilogramm Ware bewegt. „Da sind alle froh, wenn wir es auf mehrere Schultern verteilen können.“

23 Fahrer sind aktuell registriert

Insgesamt 23 Fahrer sind derzeit bei der Wedeler Tafel registriert. „Einige fahren aber nicht selbst, sondern sind nur als Beifahrer dabei“, erläutert Kost. Denn bei jeder Abholung sind mindestens zwei Ehrenamtliche im Einsatz. Bei großen Abholungen auch mehr. „Zudem setzen wir auf das Vier-Augen-Prinzip“, beschreibt die Vorsitzende eine Grundregel. In Berlin sorgte im vergangenem Jahr ein Bericht darüber, dass Tafel-Mitarbeiter Lebensmittel für private Zwecke abzweigten für einen Skandal. „Sowas gibt es bei uns nicht, weil wir klare Regeln haben“, sagt Kost. Dazu gehört auch, dass die Fahrer keine Kunden der Tafel sein dürfen. „Wir wollen gar nicht erst, dass jemand in Versuchung kommt“, bestätigt Spangehl.

Die meisten Abholungen finden am Vormittag statt – nachmittags wird sotiert. „Wir hoffen, dass wir einige Menschen finden, die uns zu der Zeit unterstützen können“, sagt die Tafelchefin. Vor allem die Sommermonate sorgen für Probleme. „Für Berufstätige ist es zumeist schwer, es zeitlich einzurichten. Daher sind viele unserer Fahrer Rentner. Und bei denen ist auch von Mai bis September Urlaubszeit“, erläutert Kost und Spangehl hakt ein: „Es sei ihnen gegönnt. Das wollen wir ja auch später mal haben, aber wenn jemand drei Monate mit dem Wohnmobil unterwegs ist, reißt das natürlich Löcher in unsere Planungen.“

Helfer sind willkommen

Wer bei der Wedeler Tafel, die wöchentlich mit ihrer Ausgabe etwa 350 Menschen unterstützt, mitarbeiten will, kann sich unter Telefon (04103) 14359 oder unter Telefon (0176) 84629056 bei Kost melden. Sie ermuntert auch zu anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten: „Wer sich anderweitig bei uns ehrenamtlich einbringen möchte, zum Beispiel im Bereich der Anmeldung, einem Pack- und Sortierteam, darf sich ebenfalls gern melden.“

Infos gibt es auch hier.

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