Neujahrsempfang : Wedeler Stadtpräsident teilt kräftig aus

Renate Steinbach (links) und Erika Wildgruber von der Wedeler Trachtengruppe sorgten für Getränke.
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Renate Steinbach (links) und Erika Wildgruber von der Wedeler Trachtengruppe sorgten für Getränke.

Der Wedeler Stadtpräsident Ulrich Kloevekorn (CDU) erntete beim Neujahrsempfang wenig Beifall für seine klaren Worte.

shz.de von
08. Januar 2018, 13:00 Uhr

Wedel | Für Ulrich Kloevekorn (CDU) war es am Sonntag der letzte Neujahrsempfang der Stadt, den er seinen Stempel als Stadtpräsident aufdrückte. Die Chance nutzte er zu kritischen Betrachtungen. Der Beifall, den er dafür erntete, war eher verhalten. Vielleicht hatte er ja ganz bewusst dem einen oder anderen im Saal auf die Füße getreten.

Kloevekorns erster Dorn im Auge: die Kreuzung Tinsdaler Weg / Industriestraße, Zugang zum geplanten Business-Park. „Da ist jede Menge Platz, da gibt es keine Schulwege – und somit keine Argumente der üblichen Bedenkenträger, einen Kreisverkehr zu verhindern. Doch trotzdem kommt eine Ampel“, polterte der Stadtpräsident. „Es kommt eine Lichtzeichenanlage, die teuer ist, weil sie regelmäßiger Wartung bedarf und bei der man sich wahrscheinlich wieder die Pest ärgern muss, weil sie zu den unmöglichsten Zeiten läuft und Rot zeigen wird, während man im Auto auf leerer Straße vor sich hin wartet.“ Es sei die Verzagtheit, eingefahrene Wege zu verlassen, legte Kloevekorn nach. Zwar seien Gutachten beigebracht worden, doch er frage sich, „ob der Gutachter tatsächlich ergebnisoffen überlegt hat, oder ob es eine mächtige Ampellobby gibt“. Und schon war der Stadtpräsident bei seinem nächsten Dorn, dem „nicht enden wollenden Hickhack ums Vattenfall-Kraftwerk“. Kloevekorns Schlussfolgerung: „Man muss einfach nur den Gutachter wechseln und ihn bezahlen.“

Was Kloevekorn sich stattdessen wünsche, sei Kreativität und eigenverantwortliche Gestaltung, fuhr der Stadtpräsident fort. Bequemer sei es freilich, alles beim Alten zu lassen. Dann, so spottete er, könne man sich „in Ruhe den Seifenopern oder den unzähligen Kochshows im Fernsehen zuwenden“. So unbefriedigend wie er die Situation am Elbhochufer auch einschätzte, sei in Wedel doch vieles gut, betonte Kloevekorn zum Schluss seiner Rede. Und er rief die Wedeler auf, am 6. Mai zur Kommunalwahl zu gehen, die Demokratie zu stärken, neue Wege auszuprobieren und zugleich Bewährtes weiter zu verbessern.

Kritik an Kommentaren auf Facebook

Auch Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) fand manches „komisch“ am zurückliegenden Jahr. Betroffen registrierte er „eine vorher kaum gekannte Unzufriedenheit“ in der Bevölkerung. Kritisch befasste er sich in diesem Zusammenhang mit dem unkontrollierten Einfluss sozialer Medien auf die Meinungsbildung. Er sah dort „eine starke manipulative Komponente“, die er mit Beispielen aus dem vergangenen Jahr belegte, etwa dem Gerangel um Hafengrundstücke. Das habe zu haltlosen und diffamierenden Facebook-Kommentaren mancher Hafengegner geführt, beklagte der Bürgermeister. „Diese Stadt war, ist und bleibt liebens- und lebenswert. Das ist das Verdienst vieler Menschen, die sich in und für Wedel engagieren“, machte Schmidt schließlich klar. Wie vor ihm schon Kloevekorn so warb auch Schmidt für eine rege Beteiligung an den Kommunalwahlen, damit die Stadt auch für die Zukunft gut aufgestellt sei.

Letzter Höhepunkt des Neujahrsempfangs war die Verleihung der Ehrennadel der Stadt. Empfängerinnen waren Annegret Behrmann und Inge Petersen. Behrmann wurde für ihr ehrenamtliches Engagement im Deutschen Roten Kreuz (DRK) gewürdigt. Sie ist seit 2002 Vorstandsmitglied und ist als Gemeinschaftsleiterin für den Betrieb der DRK-Begegnungsstätte an der Rudolf-Höckner-Straße zuständig. Insbesondere die DRK-Seminarreihen liegen ihr am Herzen, hieß es in der Laudatio. 16 Jahre lang war sie zudem für den Seniorenbeirat der Stadt Wedel tätig.

Petersen gehörte 1983 zu den Gründungsmitgliedern der Wedeler Guttempler-Gemeinschaft „Roland- Wedel“, einer Gruppe, die sich dem Kampf gegen Alkoholabhängigkeit widmet. Sehr wichtig sei ihr die Hilfe für die Angehörigen von Suchtkranken. Mehr als 25 Jahre habe sie an jedem Freitag Betroffenen in den Gesprächsgruppen zur Seite gestanden, ebenso lange nahm sie jeden Montag an den Gemeinschaftsabenden der Guttempler teil, so die Begründung ihrer Auszeichnung.



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