Wedeler Rundum-Verteidigung

Die Mühlenstraße mit einem Rollkommando aus dem Jahr 1954. Leider sind keine Abbildungen der Besatzungstruppen vorhanden. Besitzen Sie Fotos von der Besatzungszeit? Wer erinnert sich an den Einmarsch der Engländer? Wer kennt die Geschichte der Wedeler Selbstverteidigung? Was geschah in den letzten Kriegstagen. Im Rathaus sollen Akten vernichtet worden sein, kennen Sie dieses Ereignis?
Foto:
1 von 2
Die Mühlenstraße mit einem Rollkommando aus dem Jahr 1954. Leider sind keine Abbildungen der Besatzungstruppen vorhanden. Besitzen Sie Fotos von der Besatzungszeit? Wer erinnert sich an den Einmarsch der Engländer? Wer kennt die Geschichte der Wedeler Selbstverteidigung? Was geschah in den letzten Kriegstagen. Im Rathaus sollen Akten vernichtet worden sein, kennen Sie dieses Ereignis?

shz.de von
13. Februar 2014, 15:48 Uhr

Wenige Tage vor dem Einmarsch der Engländer am 4. Mai 1945 wurde es noch einmal hektisch in Wedel. Ein paar Unverdrossene, die noch an den Endsieg glaubten, ergriffen ihr Zimmermannsbeil. Ein damals zehnjähriges Mädchen berichtet, dass einige Männer in der Mühlenstraße grobes Baumaterial herbeischafften. Sie verkeilten es in der Absicht, eine Panzersperre gegen die vorrückenden Engländer zu errichten. Der Krieg mit seiner blutigen Seite hatte sich in diesen Tagen ohnehin schon Wedel zugewandt.

Wie im Sterberegister dokumentiert ist, kamen bei einem Artillerie-Beschuss von der Buxtehuder Elbseite aus in Wedel mehrere Menschen ums Leben. Luftangriffe tieffliegender Jagdflugzeuge forderten Opfer. Das Leben in Wedel war kompliziert geworden. Flüchtlinge mussten zusätzlich ernährt werden. Der Kampf um die knappen Lebensmittel und Grundversorgungsgüter forderte Opfer. Vor allem Kinder waren zunächst die Leidtragenden. Auch im Wedeler Krankenhaus verstarben Kleinkinder an Nahrungsmangel. Flüchtlinge aus Danzig starben nach kräftezehrender Flucht an Erschöpfung und Unterernährung.

Einige Dutzend Wedeler, Frauen wie Männer und Jugendliche, waren in den vergangen Wochen mit dem Spaten in der Hand abkommandiert, den Friesenwall zu graben. Dieser sollte Hamburg vor einem Angriff von der Seeseite schützen. Vergeblich, denn jetzt kamen die Engländer aus dem Osten von der Hamburger Seite. Hamburg hatte den Krieg schon hinter sich. Und in Wedel wurde noch schnell Sprengstoff verbuddelt.

Wann das geschah ist nicht zu sagen. Die Stockbrücke im Autal und die Mühlenbrücke sollten bei Bedarf in die Luft gejagt werden. Es kam nicht mehr dazu. Wenige Tage später war Wedel besetzt und die Bombe unter der Stockbrücke vergessen. Umso überraschter waren die Arbeiter, die im August des Jahres 1952 die Brückenbeleuchtung reparierten und in einer Tiefe von 50 Zentimeter auf den 500-Kilogramm-Sprengkörper stießen. Was hätte da alles passieren können.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen