Frühdienst : Wedeler Moorwegschule soll sich bewegen

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Fast die Hälfte der Hamburger Schüler habe einen Migrationshintergrund.

Fast die Hälfte der Hamburger Schüler habe einen Migrationshintergrund.

Unterrichtsbeginn um 8 Uhr für alle Klassen: In einem Antrag bittet die CDU die Grundschule, ihren Sonderweg aufzugeben

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08. März 2019, 16:00 Uhr

Wedel | Nach dem Vorstoß von SPD sowie Grünen und Linke, mit zwei annähernd gleichlautenden Anträgen den Frühdienst jedenfalls an der Moorwegschule doch noch zu retten (wir berichteten), hat sich jetzt auch die CDU-Fraktion positioniert. Der Antrag der Christdemokraten zur kommenden Fachausschuss-Sitzung am 13. März sieht die Schule in der Pflicht sich zu bewegen. „Zum Schuljahr 2019/20 wird die Moorwegschule gebeten, ihren Sonderweg des auf 8.35 Uhr festgelegten Unterrichtsbeginns für die 1. und 2. Klassen aufzugeben und den üblichen Zeitstrukturen aller anderen Schulen vor Ort, im Kreis als auch Hamburg mit einem Unterrichtsbeginn um 8 Uhr anzugleichen“, heißt es dort.

Auslöser für das Betreuungsproblem seien nicht die Eltern, nicht die Arbeitgeber und nicht die Kinder, sondern die Schule, stellt Julian Fresch klar. Er ist zusammen mit Heidi Garling bildungspolitischer Sprecher der Wedeler CDU-Fraktion. „Die Moorwegschule leistet sich mit dem späteren Unterrichtsbeginn Privilegien, das ist ein Unding“, zieht Garling nach. Die von der Schule genannten Gründe wie Verkehrsaufkommen, Bio-Rhythmus, Blockstunden und auswärtige Lehrkräfte mit kleinen Kindern überzeugen die Christdemokraten nicht. „Derartige Bedingungen erleben alle Schulen und werden von diesen souverän gelöst“, heißt es in der Begründung zum Antrag. Um zur Altstadtschule zu gelangen, müssen die Schüler sogar eine Bundesstraße überqueren, führt Fresch aus. Zudem kritisiert er, dass durch die Begründung die berufstätigen Wedeler Eltern gegen die auswärtigen Lehrkräfte ausgespielt werden. „Das ist für uns alles nicht stichhaltig“, sagt Garling.


Schulkonferenz hat Entscheidungshoheit

Die Entscheidung trifft die Schule, betonen beide. Doch die habe auch dem Schulträger gegenüber eine Verpflichtung. Es gelte, den gesellschaftlichen Veränderungen, nämlich der zunehmenden Berufstätigkeit beider Elternteile, Rechnung zu tragen und mit der Aufgabe des lange praktizierten Sonderwegs die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern. Wie die Elterninitiative dem Bildungsausschuss am 15. April 2018 mitteilte, seien die Eltern der Moorwegschule laut interner Abfrage mit einem Beginn um 8 Uhr sehr zufrieden, erinnert Garling. Einen früheren Start, den eine Betreuungsstunde gewährt, bräuchten sie nicht.

Wie die CDU die Schule doch noch zu einem Umlenken bewegen will? Mit einem nachdrücklichen Apell an die Schulkonferenz. Dort entscheiden auch Elternvertreter mit. Die müssten doch, auch wenn sie nicht betroffen sind, für die Wünsche der Betroffenen eintreten, so die Schlussfolgerung von Fresch.

„Eine Frühbetreuung ist aus Sicht der Gleichstellung von Frauen und Männern sinnvoll“, stellt demgegenüber Wedels Gleichstellungsbeauftragte Magdalena Drexel in einer Stellungnahme fest. „Sie sorgt für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und sie führt zu einer weiteren Stärkung der Familienfreundlichkeit der Stadt Wedel“, macht sie klar. Dabei hat Drexel nicht nur das 8-Uhr-Gleichziehen der Moorwegschule im Blick. Sie betont ausdrücklich, dass die Argumentation für einen Frühdienst „selbstverständlich für alle Eltern von Grundschüler*innen in dieser Stadt gültig ist“.

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