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Mit Video : Wedeler geht mit Braunbären auf Tuchfühlung

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Hartmut Thierfelder hatte im August für zehn Tage die Raubtiere in Kamtschatka vor der Linse / Film läuft im Frühjahr

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Wedel | Aufgerichtet messen die Kamtschatka-Braunbären zweieinhalb Meter. Und sie bringen 600 Kilogramm auf die Waage. In gerade einmal drei Metern Entfernung liefen diese massigen Tiere an der Kamera von Hartmut Thierfelder vorbei. Der drückte fleißig auf den Auslöser. Angst habe er keine verspürt, sagt er und lacht. „Die haben sich gar nicht um uns gekümmert. Keiner von uns fühlte sich bedroht. Aber es war ein spannendes Erlebnis.“

Mit sechs Profifotografen war der Hobbyfilmer unterwegs. Diesmal ging es an den Kurilen-See im Süden Kamtschatkas, der größten Halbinsel Nordostasiens, dessen Vulkanregion 1996 Unesco-Weltnaturerbe wurde. Von den 160 Vulkanen sind noch 30 aktiv, jährlich brechen im Durchschnitt sechs davon aus, erzählt Thierfelder. Allein der Flug in einem alten, etwas klapprigen russischen Helikopter MI8, der die kleine internationale Reisegruppe von der Hauptstadt Petropawlowsk an den mit bis zu 306 Metern zweittiefsten See Russlands brachte, war ein ganz besonderes Erlebnis. Die Passagiere guckten eine Stunde lang in gigantische Vulkankrater. Ihr Ziel war eins der zwei festen Camps, die es um den See herum gibt. Erst seit 1990 ist die russische Halbinsel für Touristen zugänglich. Mehr als 50 Jahre lang war sie militärisches Sperrgebiet. „Durch jahrzehntelange Abgeschiedenheit konnte Kamtschatka seine außergewöhnliche Natur bewahren“, erläutert Thierfelder begeistert.

Da wo der Osernaja-Fluss aus dem See austritt, lag für zehn Tage die Basis der Gruppe. „Kurilen-See ist Bärenland“, stellt der Globetrotter klar. In dem klaren, kalten Wasser tummeln sich die Lachse. Futter für die Braunbären, das nie ausgeht. Eigentlich sollte die Gruppe in festen Unterkünften unterkommen. „Doch wir kriegten jeder ein Päckchen in die Hand. Das war unser Zelt.“ Nicht nur Thierfelder selbst musste darin Platz finden, sondern auch seine zwei großen Reisetaschen und das Filmequipment.

Eine ein Zentimeter dicke Schaumstoffmatte diente für die Zeit als Schlafunterlage. Zwei Tage regnete es ununterbrochen. Alles wurde feucht, man legte sich in nassen Klamotten in einen nassen Schlafsack. Schon eine besondere Herausforderung. „Die Reise war an der Grenze zu dem, was ich mir zutraue“, bekennt Thierfelder. Trotzdem war es ein Abenteuer, das er nicht missen möchte.

Bereits kurz nach Sonnenaufgang ging es täglich mit einem kleinen Motor-Katamaran auf Exkursion zu den Plätzen, an denen sich die Bären tummeln. Beispielsweise auf eine Sandbank. In hüfthohen Gummistiefeln musste die Crew erst einmal durchs Wasser waten, dann wurden die Regiestühle und Stative aufgestellt. Die neugierigen Tiere zeigten sich meist sehr schnell. Ab und zu legten sich Weibchen sogar direkt neben die Fotografen auf den Rücken und begannen ihren Nachwuchs zu säugen. „Wir hatten den Eindruck, dass sie unsere Nähe suchten“, erzählt Thierfelder. „Möglicherweise gaben wir den Müttern Schutz.“ Bären töten häufig ihren Nachwuchs um sich schneller wieder paaren zu können, erklärt er.

Lebhafte Szenen konnte der Hobbyfilmer festhalten: Kämpfe um Lachse, das Herumtollen der Jungen, die spielerischen Rangeleien der Halbwüchsigen oder auch deren Fortpflanzungsbemühungen. Die Actioncam, die Thierfelder einmal mitten in den Weg stellte, wurde zwar in den Mund genommen, aber nicht zerstört. „Wir haben den ganzen Tag geguckt. Es wurde nie langweilig.“ Neben einem Guide war stets ein bewaffneter Ranger mit dabei. „Wir hatten nie das Gefühl, in Gefahr zu geraten“, sagt Thierfelder abschließend. „Aber ob der Ranger mit seinem Gummigeschoss eine Hilfe für uns gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln.“

Fünf Minuten hat der Filmemacher bereits zusammengeschnitten. Im Frühjahr will er seinen Film über die Kamtschatka-Bären in Wedel vorführen. Entweder im Ernst-Barlach-Saal oder diesmal vielleicht auch im Rist-Forum. Weil seine Vorführungen stets großen Zulauf haben, denkt Thierfelder sogar über zwei Termine nach. Das Würde auch Weki freuen. Die Hilfsorganisation bekommt stets die Eintrittsgelder gespendet.  

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